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Die Simpsons – zwischen gelbem Wahnsinn und bierernster Realität

Sie sind gelb und nehmen kein Blatt vor den Mund. Ihr Haus steht an der 742 Evergreen Terrace in Springfield. Sie begleiten, begeistern und polarisieren uns seit bald 30 Jahren. Kaum eine Familie ist amerikanischer als Homer und seine Gang. Wo linkshändige Nachbarinos, pummelige Spider-Schweine an der Decke und latent homosexuelle Milliardärsassistenten neue Standards setzen.

Wenn dutzende 7-Eleven-Shops kurzerhand zu Kwik-E-Marts umfunktioniert werden. Wenn in Florida ein brandneuer Vergnügungspark mit dem klingenden Namen «Krustyland» aus dem Boden gestampft wird. Wenn eine hundskomune braune Wohnzimmercouch zum Star einer ganzen Nation wird. Oder, wenn bereits im Jahre 2000 Donald Trump als amerikanischer Präsident proklamiert wird. Dann haben die Simpsons garantiert ihre acht gelben Wurstfinger im Spiel.

Vom Inder bis zum Säufer – da ist in den vergangenen Jahren so einiges an Charakteren zusammengekommen.

The shorts

Von Tellerwäschern zu Millionären? Vielleicht. Ob die unterhaltsamen Zeichentrickfiguren in ihrem früheren Leben tatsächlich Teller gewaschen haben, weiss ich nicht. Fest steht auf jeden Fall: Es war nicht immer alles gelb, was glänzt. Denn auch die Simpsons mussten für ihre eigene Show kämpfen. Um die Werbepausen der berühmt-berüchtigten Tracey Ullmann Show zu umspannen, suchte der US-Sender FOX mit James L. Brook als Producer nach sogenannten «shorts». Diese einminütigen Videos sollten eine Art künstlerische Überleitung von der eigentlichen Show in die Werbung und wieder zurück kreieren.

Wir schreiben den 19. April 1987 und somit Geschichte: Das erste short wird gesendet, die Simpsons sind geboren.

Matt Groening war 1985 damit beschäftigt, sich mit seinen «Life in Hell»-Comic-Strips in die Szene zu zeichnen, als er durch ebenjene Cartoons die Aufmerksamkeit der FOX-Produzenten erregte. Brooks bat Groening, eine Idee für die anstehenden shorts zu skizzieren. Ursprünglich plante Groening, gleich einzelne Auszüge aus seiner «Life in Hell»-Serie zu verwenden, entschied sich dann aber doch um. Er sass bereits im Wartezimmer des US-Senders, als ihm bewusst wurde, dass die Animation seiner Comics rechtliche Konsequenzen für sein Lebenswerk haben würden. Was nun? Er setzte alles auf eine Karte, warf sein ganzes Konzept kurzerhand über den Haufen und erschuf in jenem geschichtsträchtigen Moment die Simpsons.

Die daraus entstandenen Animationen waren selbst für damalige Verhältnisse äusserst dürftig. Diese Tatsache ist passenderweise einem Missverständnis geschuldet: Groening liess dem Animationsstudio nur rudimentäre Skizzen zukommen, in der Annahme, dass diese dann professionell ausgebessert und animiert würden. Die Jungs auf der Empfängerseite der Sketches hingegen waren der Ansicht, dass Groening keine Änderungen seiner Figuren wünscht und übernahmen diese daher eins zu eins. Nach drei Staffeln waren die shorts bereits so beliebt, dass FOX entschied, daraus eine eigene Serie zu machen. Die Simpsons hatten es in diesem Moment auf die ganz grosse Bühne geschafft.

Ein «Life in Hell»-Comic von Matt Groening – die Ähnlichkeit zu den Simpsons ist nicht von der Hand zu weisen.

Als Grundlage für die Simpsons musste Groenings eigene Familie herhalten. Die Figuren benannte er nach den jeweiligen Familienmitgliedern. Abgesehen von Bart. Ihn hat Groening seinem Bruder Mark nachempfunden. Aber, anstatt die Figur ebenfalls Mark zu nennen, wählte er ein Anagramm des englischen Wortes «brat» – was so viel bedeutet wie Rotzlöffel. Übrigens: Wie Groenings Familie zum Ganzen steht, ist bis heute nicht wirklich klar.

Alles purer Zufall? Oder mangelnder Einfallsreichtum aufgrund von Zeitdruck? Weit gefehlt! Groening wählte bewusst seine Familie als Vorbild. Denn er wollte mit den Simpsons seine eigene Vorstellung einer dysfunktionalen Familie präsentieren. Und da sah er sich schon beinahe gezwungen, seine Liebsten auszuwählen.

Die perfekte dysfunktionale Familie

Was jetzt folgt, ist ein Exkurs in die Psychologie. Ja, du hast richtig gelesen: Psychologie. Wie du als eingefleischter Simpsons-Fan weisst, ist beinahe jeder Satz, jedes Zitat und jede Folge mit klaren Absichten geschaffen worden. Ob politisch, sozialkritisch oder moralisch verwerflich – alle Facetten der menschlichen Psyche werden analysiert, kritisiert und notfalls auch korrigiert.

In einer dysfunktionalen Familie sind tief greifende Konflikte, schlechtes Benehmen und die Vernachlässigung oder gar Misshandlung der Kinder an der Tagesordnung. Das Streitpotenzial geht dabei vorwiegend von den Eltern aus, wird aber oft von den Kindern adaptiert. Sie wachsen mit dem Glauben auf, dass ein solches Verhalten normal sei. Solche Familien sind typischerweise das Konstrukt eines Ehepaares, wobei die eine Partei ihr aggressives Auftreten offen kundtut, während die andere Person dieses Verhalten unterstützt oder gar erst ermöglicht. Oft sind dabei Suchtverhalten – Alkohol und Drogen – sowie Geisteskrankheiten im Spiel.

Diagramm einer dysfunktionalen Familie und der Beziehungen untereinander. Quelle: thediagram.com

Um Parallelen zwischen diesem Modell und Groenings Familie – oder eben, den Simpsons – ziehen zu können, musst du nicht weit suchen. Der Süchtige wäre in diesem Falle der Vater, Homer Simpsons. Sein Alkoholkonsum kommt in beinahe jeder Folge mehr als nur deutlich zum Ausdruck. Ohne Homer (und vielleicht Barney Gumble) könnte Moe seine Taverne gleich wieder dichtmachen. Noch stärker kommt seine Fresssucht zum Ausdruck – seine Figur alleine lässt da bereits kaum Spielraum offen. Und seine Wut auf Bart, inklusive regelmässigen Würgens, ist sowieso offensichtlich. Spielsucht, Drogen und Sex werden ebenfalls thematisiert, kommen jedoch weniger deutlich zum Ausdruck.

Der sogenannte co-addict wäre hier die Ehefrau. Die herzensgute Marge möchte als Vorzeigemutter stets nur das Beste für ihre Kinder und auch ihren Gatten. Dabei schaut sie oft über Ungerechtigkeiten hinweg oder kehrt diese unter den Teppich, um nach aussen das Bild einer perfekten Familie vorgaukeln zu können. Ihr «Suchtverhalten» äussert sich in Besorgnis, Traurigkeit und religiösem Verhalten.

Die Kinderrollen sind ebenfalls relativ klar verteilt: Bart ist der beste Freund seines Vaters, aber gleichzeitig auch ein Opfer seiner Wutausbrüche. Die Bezeichnungen Rebell, Underperformer, Schelm, Loser, Problemkind und Übeltäter greifen hier ebenso. Lisa ist die Heldin, das Wunschkind, der Sonnenschein und ganzer Stolz der Simpsons. Daher wird sie 2030 auch Donald Trump als politisches Oberhaupt der Staaten ablösen. Sie hat eine enge Beziehung zur Mutter, ist die Vernünftige und hält die Familie zusammen. Maggie schliesslich ist ganz offensichtlich die kleine Prinzessin. Obwohl sie ihren Schnuller nie aus dem Mund nimmt, nur durch ihn kommuniziert und nicht spricht, sendet auch sie klare Signale aus. Sie ist die süsse Kleine, der Augapfel von Mami und Papi, der Clown und Unterhalter der Familie. Sie wird oft vergessen, bewusst ignoriert und sich selbst überlassen. Für ihr vergleichsweise junges Alter ist sie daher reifer als viele ihrer Spielgefährtinnen und -gefährten.

Der Schein trügt: Die Zufriedenheit der Simpsons ist bewusst nur vorgespielt.

Ein Unglück kommt selten alleine

Doch die Simpsons befinden sich in bester Gesellschaft, was Anomalien im Familienalltag betrifft. Die direkten Nachbarn, die Flanders, stehen dem bunten Treiben in keinster Weise nach. Der ultrareligiös-fanatische Ned, der mit seinen Okilly-Dokillys und Hey-Diddly-Hos Homer täglich auf die Palme bringt, verpasst keine Chance, die frohe Botschaft zu verkünden. Er erzieht seine Kinder, wie es die Bibel vorschreibt, isst, trinkt und sagt, was Gott in seinen Augen essen, trinken und sagen würde. Er lebt die Bibel... die allermeisten Einwohner von Springfield würden sogar sagen, er sei die Bibel. Nebst seinem Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr ist er auch Inhaber und Geschäftsführer des Leftoriums – ein Shop nur für Linkshänder. Ironischerweise steckt unter seiner altbackenen Kleidung, dem dichten Schnauzbart und der nerdigen Brille ein akribisch durchtrainierter Body.

Ned Flanders kann auch anders: Der Teufel trägt einen Schnauz.

Auch die Familie von Milhouse van Houten, Barts bestem Freund und Lisas Verehrer, ist mehr als nur speziell. Die Eltern sind zuerst verheiratet, lassen sich dann scheiden und finden schliesslich den Weg zueinander doch wieder. Als Milhouse preisgibt, dass seine Eltern verwandt sind (Cousine und Cousin), wird auch das Inzest-Klischee bedient. Ausserdem bemüht sich Kirk, der Vater von Milhouse, nach der Scheidung intensivst, wieder mit Luann, seiner Ex- und Neo-Ehefrau zusammenzukommen. Luann hingegen sieht das Ganze viel lockerer, lässt sich gehen und will sich die Hörner abstossen.

Der Schulrowdy Nelson Mandela Muntz lebt ebenfalls in einer zerrütteten Familie: Sein Vater hat ihn und seine Mutter verlassen, als er noch ein Kind war. Seither versucht seine Mutter, als Prostituierte über die Runden zu kommen. Nach aussen gibt er sich unnahbar, brutal und fies. Er liebt es, Leute zu verprügeln. Dies ist aber nur eine Fassade, weil er sich insgeheim nach einer Vaterfigur sehnt.

Holt mich hier raus, ich bin eine Couch

Nebst dem Hund Knecht Ruprecht – im Englischen heisst er Santa's Little Helper – und der Katze Snowball V (aka Snowball II) ist die Couch der Simpsons ein weiterer heimlicher Hauptdarsteller der Serie. Fast jede Simspons-Episode beginnt auf dieselbe Weise: Die Kamera zoomt durch die Wolken auf Springfield herab, du siehst berühmte Bauten wie das Atomkraftwerk oder die Schule. In der Schule angekommen, muss Bart beim Nachsitzen Sätze wiederholt an die Wandtafel schreiben. Dann rast er auf seinem Skateboard nach Hause, während Homer die Arbeit im Atomkraftwerk mit einem Unfall beendet, Marge Maggie beim Shoppen beinahe verliert und Lisa im Musikunterricht unerlaubterweise improvisiert. Alle zusammen treffen sich schliesslich zu Hause auf der Couch vor dem TV.

Sowohl der Wandtafel- wie auch der Couch-Gag sind Szenen, die bei den Simpsons fest verwurzelt sind. Beginnt eine Episode ohne einen dieser beiden Gags, sind eingefleischte Simpsons-Aficionados bereits entgeistert. Selten schuf eine Vorschau beziehungsweise Einleitung einer Serie derart viel Diskussionsstoff wie bei den gelben Zeichentrickfiguren. Egal, ob die Couch unter der Last von Homers Gewicht bricht, die Familie sich setzen will und merkt, dass die Couch fehlt oder das Möbelstück unter Strom steht: Wer Simpsons sagt, meint automatisch auch die Couch. Auch diverse andere Serien haben es zu den gelben Helden geschafft – teilweise sogar bis aufs ominöse Sofa.

Und dann ist da auch noch die Wandtafel. Vergiss niemals die Wandtafel! Ansonsten findest du dich vor ihr wieder und schreibst, wie Bart, mit weisser Kreide irgendeinen Satz unzählige Male ans grüne Brett. Auch hier werden aktuelle Themen aufgegriffen und behandelt. Von Facebook über illegale Downloads bis hin zu Film-Sequels – alle haben sie es auf die unbeliebte Tafel geschafft.

«It's Facebook, not Assbook. It's Facebook, not Assbook. It's Facebook, not Assbook.»
Bart Simpsons

PS: In den USA bist du erst dann richtig berühmt, wenn dich die Simpsons in einer ihrer Folgen parodiert haben. #fame

I can see dead people

Bei all den Verrücktheiten und dem Irrsinn, den die Simpsons täglich produzieren, ist es kaum zu glauben, wie nah an die Realität gewisse Aussagen, Prognosen und Kreationen reichen. Ein (und gleichzeitig das wohl derzeit bekannteste) Beispiel gefällig? Die Simpsons-Macher haben vorhergesagt, dass Lisa eines Tages Donald Trump an der Spitze der USA ablösen wird. Die Producer selbst meinten damals: «Das Ganze soll eine Warnung ans eigene Volk sein. Die Simpsons haben immer die Auswüchse der amerikanischen Kultur behandelt. Und Trump ist genau das.»

Homer sah es kommen, aber niemand wollte ihm zuhören.

Auch Barack Obama schaffte es mit seiner fehlerhaften Wahlmaschine in eine Simpsons-Folge. 2008 wollte Homer für Obama stimmen, die Wahlmaschine ordnete seine Stimme jedoch einem anderen Kandidaten zu. Vier Jahre später musste tatsächlich eine Maschine ausgetauscht werden, da sie die Stimmen für Obama seinem Gegner, Mitt Romney, gutgeschrieben hatte.

Doch nicht nur Präsidenten konnten die Simpsons lesen wie ein offenes Buch – auch Krankheiten oder Bauarbeiten erschienen in ihrer Glaskugel. So konnte der bis dato schlimmste Ebola-Ausbruch 2014 bereits 1997 vorhergesagt werden. Auch der sogenannte «Shard», ein Wolkenkratzer in London, ist bereits 1995 in einer Simpsons-Folge aufgetaucht, während die Bauarbeiten dazu erst 14 Jahre später aufgenommen worden sind.

Der Bildausschnitt ist zwar nicht exakt derselbe, aber die Ähnlichkeit ist dennoch frappant.

1993 zerfleischte Tiger Anastasia in einer Simpsons-Folge seine Dompteure, die beiden Magier Siegfried und Roy. 10 Jahre danach wurde Roy tatsächlich in einer Zaubershow von einem der weissen Tiger angegriffen. Im Gegensatz zu seiner Zeichentrick-Kopie überlebte er, erlitt aber zahlreiche Verletzungen.

Ich bin der Überzeugung, dass dies alles nicht wirklich Vorhersagen sind. Vielmehr haben die Simpsons derart viele Menschen inspiriert, ein Gebäude zu bauen, fehlerhafte Wahlmaschinen zu produzieren oder gar Präsident zu werden. Hey, wenn's in den Simpsons klappt, warum dann auch nicht im echten Leben? Und da soll noch einer sagen, das Fernsehen habe Amerika nicht wegweisend beeinflusst.

Ach, wie gut, dass niemand weiss...

  • Die Simpsons haben seit 2000 einen eigenen Stern auf dem Walk of Fame
  • Dem Koloristen Gyorgyi Peluce ist es zu verdanken, dass die Simpsons gelb sind – zudem fallen sie dir dadurch beim Zappen eher auf
  • In der Einleitung kostet Maggie an der Kasse 847.63 Dollar – dies waren 1989 die geschätzten Kosten, um ein Baby für einen Monat versorgen zu können
  • Immer, wenn Bart bei Moe in der Bar einen Scherzanruf macht, wählt er die Nummer 764-84377 – in Buchstaben heisst dies «SMITHERS»
  • In der arabischen Version der Simpsons heisst Homer Omar Shamshoom, trinkt Soda anstelle von Bier und isst ägyptische Rinderwurst statt Hot Dogs
  • Es dauert zwischen sechs und acht Monaten, um eine Episode zu kreieren
  • Dem Geräusch des Schnullers von Maggie gibt Matt Groening höchstpersönlich seine Stimme
  • Viele Nachnamen von weiteren Simpsons-Charakteren stammen von Strassennamen aus Portland, Oregon, der Heimatstadt von Groening
  • Schauspielerin Nancy Cartwright – also eine Frau – spricht die Texte von Bart
  • Maggies Stofftier-Hase ist die Hauptfigur aus Matt Groenings «Life in Hell»-Comics
  • Nur zwei Simpsons-Figuren haben fünf Finger: Gott und Jesus
  • 1998 ernannte das Time Magazine Bart Simpson zu einer der einflussreichsten Personen des Jahrhunderts
  • An Homers Theorie, dass das Universum die Form eines Donuts habe, ist tatsächlich etwas Wahres dran
  • Nur Bruce Springsteen, Bob Dylan, Michael Caine, Tom Cruise, Clint Eastwood, Anthony Hopkins, Quentin Tarantino und Prince haben bisher einen Gastauftritt bei den Simpsons abgelehnt
  • 2009 war Marge Simpsons auf dem Cover des Playboy-Magazins
  • Homers Email-Adresse, ChunkyLover53@aol.com, ist tatsächlich gültig und du erhältst auch eine Antwort, wenn du ihm schreibst
  • Bisher sind in den Simpsons insgesamt 837 verschiedene Charaktere aufgetaucht
  • #FFD90F ist der hexadezimale Farbcode für die gelbe Farbe der Simpsons
  • Das Bier, das Homer regelmässig trinkt, heisst Duff – übersetzt heisst dies wertlos, inkompetent oder dumm
  • Die Simpsons brachten 1990 ein Album auf den Markt, wobei der Song «Do The Bartman» von Michael Jackson koproduziert worden ist und zum Hit wurde

Das Gelbe vom Ei

War das jetzt alles viel Lärm um nichts? Denn Kritiker sagen der Serie ein baldiges Ende voraus, weil die Einschaltquoten von Staffel zu Staffel sinken. Das störte die Springfielder bisher jedoch nicht gross: Das Guinness-Buch der Rekorde meint, dass es die am längsten laufende Primetime-Zeichentrickserie sei – in your face! Ideenlosigkeit, Wiederholungen und Kreativitätsmangel werden den Machern vorgeworfen. Bei den Simpsons gibt es einige Déjà-Vus, ja. Aber: Bei keiner einzigen Szene hatte ich je das Gefühl, es sei eine Kopie oder eine Wiederholung. Denn entweder greifen die Producer eine Geschichte bewusst erneut auf oder aber versuchen, dieselbe Situation mit anderen Sprüchen, Aktionen und Humor darzulegen. Hiervon könnte sich so manch ein Produzent eine dicke, fette Scheibe abschneiden.

Die Simpsons seien krank, künstlich und alles andere als eine Vorzeigefamilie. Ausgelutscht, wiederholend und langweilig. Krank sind sie, definitiv. Eine Spielwiese für jeden Psychologen. Durchgeknallt, verwirrend und abgedreht – zeige mir eine Familie, die das nicht ist. Quod erat demonstrandum, Besserwisser. Die Simpsons wären nur etwas für Kinder: nein, nope, nä-äh. Sie seien einfach nur noch doof. Wer hat das behauptet? Spass beiseite: Ich habe mich teilweise auch schon gefragt, was das soll. Aber auch hier stellte ich spätestens am Ende der Folge fest, dass jede noch so infantile Szene schlussendlich eben doch wie die Faust aufs Auge passt. Bei den Simpsons wird nichts dem Zufall überlassen.

«Die Serie ist eine mitunter bösartige, hoch zynische Abrechnung mit dem American Way of Life und den Idealen des American Dream. Viele Folgen stecken voller Anspielungen und sind gespickt mit Seitenhieben auf die US-amerikanische Alltagskultur. Und Groening nimmt sie alle aufs Korn – Fitness-Gurus, religiöse Eiferer, Waffennarren, Konsumverrückte, Fernsehjunkies, Fast-Food-Opfer, Fortschrittsgläubige, Spiesser, Radikalfeministinnen und dergleichen mehr.»
Tim Schleider, Journalist

In den USA läuft derzeit die 29. Staffel, wobei beispielsweise die elfte Episode alleine 8.04 Millionen Zuschauer hatte. Zufall, denkst du? Siehe oben, sage ich. Wer hier von schlechter Qualität und fehlendem Interesse spricht, hat schlichtweg keine Ahnung. By the way: Bei der ersten Folge sassen unglaubliche 27 Millionen Menschen vor der Glotze.

Und, wie das neueste Beispiel zeigt, sind sie anscheinend auch rassistisch. Ja, das sind sie. Aber, in welcher Welt lebst du, wenn du denkst, dass Rassismus ausgestorben sei? Klar, er soll nicht verherrlicht werden. Jedoch auch nicht ignoriert. Fact ist, dass es nur eine einzige Familie gibt, die darauf angemessen zu reagieren weiss: die Simpsons.

Kein Grund für einen Rückzug: Die Simpsons sind legen... wait for it... där!

Die Simpsons passen überall. Immer und zu jeder Zeit. Du brauchst kein Vorwissen, um eine einzelne Episode sinnvoll verfolgen und nachvollziehen zu können. Kein Know-How oder Fachkenntnisse. Die Figuren alleine unterhalten Kleinkinder, die Dialoge und tieferen Messages bringen Erwachsene zum Grübeln. Einige Anspielungen ergeben keinen Sinn, Handlungen sind teilweise frei erfunden und Ereignisse wirken manchmal zufällig. Und dennoch verstecken sich in den Aussagen, den Taten und bewegten Bildern mehr Wahrheit, Sinn und Tiefe, als du denkst. Es ist an der Zeit, dass du dein Weltbild überdenkst. Denn die gelbe Farbe muss darin definitiv dominieren.

All dies macht sie derart speziell – abartig, eigenartig und einzigartig. Da die perfekte Familie auf dieser Welt nicht und nirgends existiert, erkennst bestimmt auch du dich in der einen oder anderen Episode wieder. Ist dem nichts so, lügst du. Und schon sind wir wieder mitten in einer Simpsons-Episode. Wahrheitsverdrehung, Lügen und Erpressung. Auch das sind die Simpsons.

Es zwingt dich niemand, sie zu schauen. Du musst sie nicht idealisieren. Du musst sie nicht einmal kennen. Aber dann verpasst du etwas vom Besten, was das Fernsehen zu bieten hatte, zu bieten hat und wohl jemals bieten können wird. Yellow is the new black.

Und, noch viel wichtiger: Wenn du die Simpsons nicht magst, hast du sie nicht verstanden.

Now that's what we're talking about... exakt meine Meinung, Homer!

Galaxus für dreiäugige Fische, crazy Katzenladies und spanische Alleinunterhalter

Auch wenn ich persönlich nicht daran glaube, sind laut Experten die Simpsons in diesen schwierigen Zeiten auf dich angewiesen. Bekämpfe ihre angebliche Baisse mit sinnlosen Merchandise-Käufen – exakt so, wie es dir in zahlreichen Episoden vorgelebt wird. Der amerikanische Traum par excellence. Logisch, ich will ja schliesslich, dass du soeben etwas gelernt hast. D'oh!

Und spätestens am 17. Dezember 2019, wenn die Simpsons in ihrer jetzigen Serien-Form ihren 30. Geburtstag feiern werden, kannst du all das Zeug fürs Doppelte und Dreifache wieder verschleudern. Oder aber, du behältst die Ware. So, wie es ein waschechter Sammler und Fan tun würde. Ay, caramba...

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Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug. Die Musik ist mein steter Begleiter. Und als Feinschmecker probiere ich oft neue Rezepte aus. Auch exotische Reisen, bergige Rennrad-Touren und intensive Langlauf-Sessions gehören zu meinen Hobbys.

10 Kommentare

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User Christian Walker

Brüder und Schwestern sind von Natur aus Feinde. Wie Engländer und Schotten. Oder Waliser und Schotten. Oder Japaner und Schotten. Oder Schotten und andere Schotten! Verdammte Schotten!! Die haben Schottland ruiniert!!

12.04.2018
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User Raphael Knecht

Du sprichst mir aus dem Herzen! <3

12.04.2018
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User flex1987

Auf zum Atem!

12.04.2018
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User Anonymous

Er ist gezeichnet hehehe...

12.04.2018
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User @instadroned

...
Skinner: "Ihr Schotten seid streitsüchtige Menschen.."
Willie: "Jetzt haben sie einen Feind fürs Leben!" :,D

18.04.2018
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User blackgecko

Aufwendiger Artikel. Tolle Zusammenfassung. Leider fehlen jedoch Itchy und Scratchy!

17.04.2018
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User Raphael Knecht

Danke, danke. Was nicht ist, kann ja noch werden. Stay tuned for some more Simpsons-Action! ;)

18.04.2018
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User hosae

Hier hat noch niemand mit "Duff" geantwortet: galaxus.ch/de/s2/ProductTyp...

12.04.2018
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User Raphael Knecht

Duff Man... says a lot of things! Oh, yeah!

12.04.2018
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