Review

Die halbe Pyramide von Lego

Ramon Schneider
15.06.2022

Die Architecture-Serie von Lego erhält Zuwachs in Form eines Weltwunders: der Cheops-Pyramide. Baulich nur mässig ansprechend, dafür nicht nur optisch eine Wucht.

Einer meiner Traumberufe als kleiner Junge waren Archäologe und Schatzsucher. Irgendwie naheliegend, wenn man mit Filmen wie «Indiana Jones», «Die Mumie» und «Lara Croft: Tomb Raider» aufwächst. Dementsprechend höher hat mein in die Jahre gekommenes Möchtegern-Archäologen-Herz geschlagen, als ich die Cheops-Pyramide von Lego in die Hände bekam. Aus mir ist zwar kein Wissenschaftler des Altertums geworden, doch beim Bau des 1476-Teile-grossen Lego-Sets werde ich wieder zu dem Jungen, der in einer imaginären Wüste (also Spielzimmer) etwas Grossartiges entdeckt.

LEGO Cheops-Pyramide (21058, LEGO Architecture)
–9%
102.–statt 112.–

LEGO Cheops-Pyramide

21058, LEGO Architecture

21058, LEGO Architecture

29

Stein um Stein wird die Pyramide gebaut

Der Zusammenbau des Dioramas ist in zwei Stadien gegliedert. Mit den Steinen aus den Beuteln eins bis vier werden das Grundgerüst, die Nebengebäude und das Nilufer gebaut. Mit den Beuteln fünf bis acht die Pyramide selbst.

Der Bauprozess erinnert mich an frühere Sets aus der Architecture-Serie. Das Grundgerüst besteht aus grossen Platten, langen Steinen und verschiedenfarbigen Fliesen. Die Farben haben zu diesem Zeitpunkt zwar noch wenig mit einer Pyramide aus der Wüste zu tun, doch die Form des Dioramas kann ich bereits erkennen.

Das Grundgerüst erinnert noch wenig an eine Pyramide.
Das Grundgerüst erinnert noch wenig an eine Pyramide.

Nachdem das Grundgerüst steht, ist der «Vorgarten» an der Reihe. Auf der linken Seite befinden sich zwei kleine Pyramiden mit je einem Sarkophag im Inneren. Auf der rechten Seite steht ein kleines Dorf. Getrennt sind die beiden «Vorgärten» durch eine weisse Rampe und drei Sphinxe. Grosszügig übersät ist das Ganze mit subtropischer Vegetation in drei verschiedenen Grüntönen.

Ein Highlight in dieser Bauphase ist für mich der Nil. Die verschiedenfarbigen Steine, die sich unter blau-transparenten Kacheln befinden, verleihen dem Wasser eine optische Tiefe.

Vor der Pyramide ist der Nil und Palmen.
Vor der Pyramide ist der Nil und Palmen.

Nachdem ich den Vorgarten gebaut habe, geht es ans eigentliche Werk: die grosse Pyramide. Trotz dem langweiligen Stapeln von braunen Steinen hat mich dieser Bauschritt unerwartet positiv überrascht. Die Pyramide wird nämlich so gebaut, als würde sie sich selbst noch im Bau befinden. Sie besitzt Gerüste, Kräne und in der Mitte eine abgewinkelte Rampe, auf welcher die Spitze der Pyramide mit einer Seilwinde nach oben gezogen wird. Historiker sind sich zwar bis heute noch immer nicht sicher, wie genau die Pyramiden erbaut wurden. Doch so könnte der Bau in der vierten Dynastie im alten Reich ausgesehen haben.

Noch befindet sich die Cheops-Pyramide im Bau.
Noch befindet sich die Cheops-Pyramide im Bau.

Zu guter Letzt baue ich eine abnehmbare weisse Fassade. Etliche weisse Steine werden treppenartig aufeinander geschichtet und über die im Bau befindende Pyramide gestülpt. Da dieser Deckel gross und hohl ist, brauchst du etwas Fingerspitzengefühl. Hin und wieder brechen mir bei zu viel Druck ein paar Treppenstufen ab, welche ich erneut platzieren muss.

Als Allerletztes kommen noch zwei kleine Segelboote auf den Nil und ein Obelisk ins Dorf auf der rechten Seite. Für den gesamten Bau habe ich alles in allem knapp vier Stunden gebraucht.

Irgendwie fehlt die Hälfte

Damit du nicht nur die weisse Aussenhülle betrachten musst, ist die Pyramide zur Hälfte aufgeschnitten. Gut ersichtlich ist dabei das Kammersystem im Inneren der Grabstätte. Ähnlich dem Original gibt es unter anderem die grosse Galerie, die Königskammer mit Sarkophag und mehrere Luftschächte. Wie zum Bau der Cheops-Pyramide sind auch zum Kammersystem noch viele Fragen unbeantwortet. Ägyptologen vermuten, dass die verschiedenen Räume religiöser Natur sind. Da leider fast keine textlichen Überlieferungen aus dieser Zeit vorhanden sind, bleibt vieles davon ein Rätsel. Vielleicht sogar für immer.

Falls dir die Innereien der Pyramide egal sind und du lieber eine vollständige Pyramide hast, musst du das Set zweimal kaufen. Diese lassen sich durch zwei Pins am unteren Teil des Dioramas miteinander verbinden. Falls gewollt, kannst du auch die eine Hälfte der Pyramide ohne Deckel bauen und sozusagen «im Bau» belassen.

Das Kammersystem im Inneren der Pyramide.
Das Kammersystem im Inneren der Pyramide.

Fazit

Die Pyramide ist ein schönes Diorama und ein Modell voller Details. Die Formen und Farben im «Vorgarten» lassen das Set lebendig wirken. Die glatten und weissen Steine der Pyramide stehen in einem spannenden Kontrast dazu. Die Dimension des Sets irritiert mich jedoch ein wenig. Es ist um einiges grösser als frühere Sets der Architecture-Serie und zugleich kleiner als die Gebäude der Creator-Expert-Reihe. Für Fans, die bereits eine ordentliche Gebäude-Sammlung besitzen, wird es schwierig, die Pyramide darin unterzubringen.

Neben Lego-Fans ist die Pyramide aber auch für eine weitere Zielgruppe geeignet. Wo frühere Architecture-Sets vor allem auf das Endergebnis fokussiert waren, vermittelt der Bau der Pyramide Wissen über die damalige Zeit. Der Zusammenbau erzählt eine Geschichte, was für Lehrpersonen an Schulen von Interesse sein könnte. Ich für meinen Teil hätte es geliebt, wenn mein damaliger Geschichtslehrer dieses Set mit mir als kleiner Möchtegern-Archäologe zusammengebaut hätte.

Auch aus der Vogelperspektive sieht die Pyramide toll aus.
Auch aus der Vogelperspektive sieht die Pyramide toll aus.

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Bezahlt werde ich dafür, von früh bis spät mit Spielwaren Humbug zu betreiben.


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