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WohnenNews & Trends 1830

Die Bürstenfalle

Mir graust es vor jedem Umzug. Nicht etwa wegen den logistischen Anforderungen, sondern wegen der Toilettenbürste. Genauer: der Toilettenbürste meiner Vormieter.

Beim ersten Putzen der Toilette zeigt sich, was für eine Bürste die Vormieter hatten: Findet man unter dem Rand braune Überbleibsel der Vorgänger, hatten diese sehr wahrscheinlich nur einen Borstenkopf auf der Bürste. Klingt eklig? Ist es auch. Und deshalb gehören solche Bürsten auch verboten! Schliesslich fasse ich bei der Wohnungsübergabe nicht unter den Rand, um zu kontrollieren, ob alles sauber ist. Mit der richtigen Bürste würde das nicht passieren (falls meine aktuellen Vormieter das lesen: Das bezieht sich nicht auf euch, ihr habt super geputzt.). Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es unter dem Rand von öffentlichen Toiletten aussieht, die mit einer Nein-Bürste gereinigt werden. Den Gedanken daran finde ich im wahrsten Sinne des Wortes scheisse. So, das war jetzt das erste und letzte Mal, dass ich dieses böse Wort verwende.

Links: Ja-Klobürstenkopf Rechts: Nein-Klobürstenkopf

Unverständnis

Während dem ich die Toilette schrubbe, stelle ich mir die Fragen: Wieso kaufen Menschen Toilettenbürsten ohne Borsten, um unter dem Rand zu säubern? Und noch wichtiger: Wer entwickelt/verkauft kopflose Bürsten, die zur Reinigung komplett unnütz sind? Aus ästhetischen Gründen stelle ich mir lieber Potpourri ins Bad, statt eines Stabs mit Borsten (die Zahnbürste bewahre ich aus hygienischen Gründen sowieso im Spiegelschrank auf).

Anscheinend ist auch Galaxus in die Bürstenfalle getappt. Ein Blick ins Sortiment zeigt: Die meisten Toilettenbürsten haben nur einen Bürstenkopf. Vor allem Produkte, die auf Design ausgelegt sind, verzichten auf den zusätzlichen Borstenkopf. Und die Dinger sind dann noch schweineteuer. Wenn es um Hygiene geht, sollte doch wirklich Funktion vor Form stehen.

Xylospongium

Man könnte meinen, dass die Toilettenbürsteningenieure wissen sollten, wie man unter dem Rand reinigt. Umso mehr, da die WC-Bürste eine lange Vergangenheit hat. Bereits in der Antike haben die Menschen das Xylospongium, der Vorreiter der Toilettenbürste, zum sekundären Reinigen ihrer Aborte benutzt. Es bestand aus einem Stock und einem Schwamm. Dass die korrekte Verwendung zu jener Zeit nicht jedem bewusst war, scheint einzuleuchten. So hat sich laut dem römischen Philosophen Seneca ein germanischer Gladiator das Leben genommen, indem er sich den Stecken in den Schlund trieb (mir wird nur schon beim Gedanken daran schlecht). Wie das Xylospongium verwendet wurde, war übrigens auch Thema wissenschaftlicher Debatten. Es wurde beispielsweise lange angenommen, dass es für die Reinigung des Allerwertesten gebraucht wurde. Wie dem auch sei, heute ist den meisten Menschen, zumindest in unseren Breitengraden, bewusst, wozu die WC-Bürste da ist. Obwohl gewisse Piktogramme auf Toiletten auch einen anderen Schluss zulassen.

Was hier fehlt: Bürste erst nach der Spülung brauchen, sonst klebt alles am Bürstenkopf.

Welche Toilettenbürste ist die richtige?

Wie man dem vorher Geschriebenen entnehmen kann, rate ich vom Kauf einer WC-Bürste ohne zusätzlichen Kopf ab. Wem es dennoch wichtig ist, eine stylishe Bürste in der Toilette stehen zu haben, kann sich ja für die korrekte Reinigung ein zusätzliches Exemplar kaufen. Obwohl, wo bewahrt man das Ding dann auf? Mich gruselt vor jedem Aufbewahrungsort, wenn nicht im Ständer. Deshalb: Lieber Funktion vor Form stellen. Auf was ich beim Kauf einer WC-Bürste sonst noch achte, verrate ich im Folgenden.

Unterschiedliche Borsten

Heutige Bürsten bestehen meistens aus Kunststoffborsten. Der Nachteil dieser Borsten ist – je nach Verarbeitung –, dass die Borsten schnell aus der Form geraten. Zudem verfangen sich in den Borsten gerne Klopapierreste und andere Rückstände. Von diesen sind Kunststoffborsten auch nur schwer zu reinigen. Da sie relativ günstig sind, ersetzt man sie dann einfach. Das macht sie nicht sonderlich umweltfreundlich. Früher wurden Borsten aus Wurzelholz hergestellt. Wo die Kunststoffborsten sündigen, glänzen die Wurzelborsten: Sie sind recyclierbar und können auch besser gereinigt werden. Weg vom Borstenprinzip gehen Silikonlamellen. In ihnen kann sich nichts verfangen und Silikon ist leicht zu reinigen. Sie sind wohl die mit Abstand hygienisten Köpfe.

Sti(e)lecht

Der richtige Grip ist beim Stiel Pflicht. Wer rutscht beim Toilettenputzen schon gerne ab und tüncht seine Hand in die Klobrühe? Der Stiel sollte zudem auch bruchfest sein. Wenn man mal etwas mehr Druck ausüben muss, sollte der Stengel schon was aushalten, sonst landet man kopfüber in der Toilettenschüssel. Ein bisschen beweglich sollte aber der Kopf sein, schliesslich will man auch weit entfernte Stellen in der Schüssel reinigen.

Halten was sie versprechen: Halterungen

Wie kann man sich bei der Toilettenbürste optisch am besten von der Masse abheben? Mit der Halterung. Hier machen viele Hersteller vieles falsch und setzen alles auf die Karte Design. Aber der Reihe nach. Es lassen sich zwei Grundtypen von Halterungen unterscheiden: Freistehende und fest gemachte. Vorteil der Freistehenden ist, dass man sie verschieben kann und auch öfter mal was Neues ins Bad stellen kann. Bei den festgemachten hat man diese Möglichkeit nicht. Dafür schweben die meisten festgemachten Halterungen in der Luft. Zum Putzen muss man sie also nicht jedes Mal wegräumen. Die Reinigung der festgemachten Halterungen ist je nach Modell nicht ganz einfach. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Designer auch bezüglich Reinigungsmöglichkeiten mitgedacht haben.

Die Halterungen können offen oder geschlossen sein. Geschlossene Behälter sind nicht ganz einfach zu reinigen. Durch den Deckel können sich unangenehme Gerüche stauen. Zudem stehen in einigen geschlossenen Behältern die Bürstenköpfe im Abwasser und wer steht schon gerne ungeschützt im Abwasser? Das ist ziemlich unhygienisch und entbehrt jeglicher Logik für die Reinigung, da Schmutz und Bakterien jedes Mal wieder schön verteilt werden. Besser sind offene Behälter. Hier können die Bürstenköpfe trocknen und abtropfen, wenn sie denn in eine Aufhängung gesteckt werden. Auch bei den offenen Halterungen gibt es Sünder, in denen die Köpfe im Abwasser vor sich hingammeln. Wenn sich die Abtropfschale separat zur Reinigung entfernen lässt, haben die Designer mitgedacht.

Fazit

Nehme ich mir alle diese Kriterien zu Herzen, bleiben nicht mehr viele potenzielle Toilettenbürsten aus dem Galaxus-Sortiment übrig. Vor allem die «Designer-Stücke» fallen alle weg. Die wenigen Modelle aus Silikon genügen meinen weiteren Ansprüchen nicht. Ich würde am ehesten zu einem klassischen Modell tendieren und in Bezug auf die Umweltverträglichkeit ein Auge zudrücken. Auf schönes Design muss ich leider verzichten, dafür hinterlasse ich meinen Nachmietern auch keine ungewollten Geschenke. Vielleicht sollte ich mir ein zweites Standbein als Toilettenbürsten-Designer aufbauen …

User
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

18 Kommentare

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User encinasr

Ich kann leider nichts mit dem Artikel anfangen und das ist eine Premiere auf dieser Seite. Man kann den Rand auch mit anderen Utensilien 1x wöchentlich reinigen, dabei kann man den Rand auch entkalken, was eine Bürste nur schwer vermag. Bei mir zu Hause steht mittlerweile eine Schüssel ohne Rand...

13.03.2018
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User pascalfurt

Aus verschiedensten Gründen kann ich Ihrem Artikel nichts ab. Das Stigmatisieren aller Menschen die nicht Ihre Meinung teilen, stört mich am Meisten. Haben Sie wirklich das Gefühl, Ihre Methode sei die einzig Wahre/Saubere? Ihr bevorzugtes Modell hat z.B. beträchtliche Defizite punkto Flexibilität.

13.03.2018
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User saskiatabea

So wahr. Beim Einzug in die neue Wohnung war der Dreck unter dem Rand unglaublich. Reiniger darunter reicht halt nicht. Wäre für mich wie Zähneputzen durch Mundspülung zu ersetzen. An die Randlos-WC-Besitzer: Nicht jeder kann sich seine eigene Schüssel, bzw. ein Eigenheim leisten!

15.03.2018
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User Digitalus

Genau

27.03.2018
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User Digitalus

Geschweige den,eine eigene Schüssel

27.03.2018
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User Anonymous

Nun, aus Sicht des Hauswartes: Die WC-Bürste ist eigentlich dazu gedacht, Fäkalienreste zu entfernen.
Das WC reinigt man (mit Gummi-Handschuhen) mit einem Schwamm. Reinigungsmittel (meist ein dickflüssiger Entkalker) genügend auf den Schwamm (Kein! Scheuerschwamm für kratzfesten Untergrund!) und gleichmässig, auch unter dem Rand verteilen, Nach 15 Minuten mit Schwamm nachreiben und spülen, fertig!

21.03.2018
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User Anonymous

Warum werden die Bürsten immer noch in der schlimmstmöglichen Farbe weiss hergestellt und auch gekauft?
Damit man sich noch mehr ekeln kann?

23.03.2018
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User Digitalus

EDITOR Kevin Hofer : Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. In dieser Weise und Richtung ? Ich weis wie man ein WC putzt und desinfiziert wie die meisten Erwachsenen (Ob man es richtig macht oder so olala ist eine Charakter-Frage).

27.03.2018
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User hilary pahud

Je suis entièrement d'accord avec tout ce qui est mise en évidence dans l'article. Il a y aussi des brosses noires qui servent à camoufler une certaine vérité ! Les brosses design sont nuls,trop étroites et baigne dans l'eau.

07.04.2018
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User Anonymous

Man kann den Artikel auch mit Humor lesen. Seid doch nicht alle so ernst. Was mich viel mehr stört, dass es solche Bürsten nicht in geschlossenen Behältern gibt und in schwarz. Voila.

13.04.2018
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User andreashil

lol...... wer in einer richtigen wohnung wohnt, hat ein modernes klo, ohne diesen „Scheiss“rand...... dieser artikel ist also überflüssig.

28.03.2018
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User rubric

Kann mit dem Text nicht viel anfangen. Die neuen Toilettenachüsseln sind heute meist ohne Rand gefertigt, sodass das Problem mit der Bürste gar nicht auftaucht. Auch kann man gut kontrollieren, ob unter dem Schüsselrand sauber ist (ohne reinzufassen). Beim Vormieter Nachreinigung fordern - finito

15.03.2018
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User Digitalus

- finito

27.03.2018
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