Der perfekte Gamer-TV: Darauf musst du achten

Der perfekte Gamer-TV: Darauf musst du achten

Luca Fontana
Zürich, am 26.09.2019
Der beste Fernseher für den Filmgenuss ist nicht zwingend der beste Fernseher für deine Gaming-Konsole. Auf drei Dinge musst du achten, um beim Kauf deiner nächsten Mattscheibe nichts falsch zu machen: Input-Lag, Game-Modus und Response Time.

Den richtigen TV zu finden, um beim Gamen nicht den Kürzeren zu ziehen, ist nicht einfach. Wer gibt schon gerne eine Stange Geld für einen neuen Fernseher aus, um bei «Apex Legends» trotzdem ständig abgeknallt zu werden, weil Gegner eine gefühlte Sekunde Vorsprung haben? Niemand will beim «Fifa»-Zocken einen ständig schmierenden Ball oder ein ruckelndes Bild bei jedem schnelleren Kameraschwenk haben. Niemand.

Keine Bange: Das wird dir nicht passieren. Denn hier erkläre ich dir, was du beim Kauf der neuen Gamer-Glotze beachten musst.

Erstens: Der Input-Lag

Auf den virtuellen Schlachtfeldern ständig unverschuldet abnibbeln: Nicht cool.

Für Online-Spieler ist der Input-Lag, zu Deutsch Eingabeverzögerung, der mit Abstand wichtigste Wert, den sie beim Kauf des Gamer-TVs beachten müssen. Er bezeichnet die Zeit, die dein TV benötigt, um Befehle, die es von einer externen Signalquelle empfängt, auf dem Bildschirm darzustellen – etwa von deiner PS4. Offensichtlich gilt: Je geringer die Verzögerung, desto besser.

Ein Beispiel: Wenn Gegner beim gepflegten «Fortnite»-Spielen Millisekunden später auf dem Bildschirm auftauchen, als sie eigentlich sollten, und dich bereits erledigt haben, bevor du’s gemerkt hast – dann nervt’s.

Auch bei Offline-Spielen kann ein mieser Input-Lag stören. Stell dir «Super Mario Bros.» vor. Wenn Mario bereits am Rande des Abgrunds steht, zeigt ihn dir dein Bildschirm wegen dem Input-Lag erst einige Schritte davor an. Konsequenz: Mario stürzt ab, obwohl du die Sprungtaste deiner Meinung nach rechtzeitig gedrückt hast.

Fuck.

Illustration, wie sich Input-Lag auswirken kann.
Illustration, wie sich Input-Lag auswirken kann.
Quelle: asset.msi.com/blog

Der Input-Lag ist also entscheidend. Klar, es geht um Sekundenbruchteile. Aber in einem Ego-Shooter kann das den entscheidenden Unterschied ausmachen. Wie hoch darf der Input-Lag bei einem Gamer-TV sein? Mittlerweile gelten 20-30 Millisekunden als akzeptabel, bei manchen ist das bereits grenzwertig. Alles, was darüber ist, mindert den Spielspass deutlich. Profis kaufen gar nur, was unter der 20-Millisekunden-Grenze liegt.

Zweitens: Der Game-Modus

Fernseher sind eigentlich nicht fürs Gaming ausgelegt. Eher für Kinofilme und Serien. Der Game-Modus ist es, der dafür sorgt, dass auf dem TV Input-Lags minimiert werden. Das funktioniert so:

Die Konsole übermittelt Signale an deinen Fernseher, die Informationen zur Farbdarstellung, Kantenglättung und zum Kontrastumfang enthalten. Je umfangreicher der Informationsgehalt der Signale, desto länger die Verarbeitungszeit. Dein TV nimmt diese Signale auf und schickt sie zusätzlich durch diverse Bildoptimierungs-Programme, bevor du das dargestellte Bild zu sehen kriegst.

Hier kommt der Game-Modus ins Spiel. Er verringert oder entfernt unnötiges Bildverbesserungs-Gedöns, das du zwar für den optimalen Heimkino- oder Serien-Genuss brauchst, allerdings nicht für eine ordentliche Runde «CS: Go» im Multiplayer-Modus. Somit verringert sich die Verarbeitungszeit des Prozessors – und folglich der Input-Lag.

Gutes Anschauungsmaterial bietet folgendes Video. Die erste Hälfte ist im Game-Modus, ab Minute 0:20 nicht mehr. Achte auf das Geräusch im Hintergrund beim Betätigen der Sprung-Taste. Bei aktiviertem Game-Modus springt Ratchet beinahe sofort hoch – ausserhalb des Game-Modus ist eine deutliche Verzögerung sichtbar.

Die erste Hälfte ist im Game-Modus, ab Minute 0:20 nicht mehr.

«Wofür kaufe ich mir eine teure Gaming-Konsole mit 4K-Auflösung und HDR-Unterstützung, wenn ich das Bild im Game-Modus wieder kastriere», magst du dich jetzt fragen.

Guter Einwand. Ein Gamer-Fernseher zeichnet sich dadurch aus, dass das Bild auch im Game-Modus gut aussieht. Der besagte Modus verringert oder entfernt unnötige Optimierungs-Routinen, behält aber das bei, was für deinen Game-Genuss nötig ist (siehe Video oben). Ein leistungsstarker TV-Prozessor ist darum wichtiger als dir vermutlich bewusst ist.

Drittens: Die Response Time

Reaktionszeit und Input-Lag werden oft verwechselt oder gar für dasselbe gehalten. Kein Wunder: Beide Werte werden in Millisekunden gemessen. Zudem implizieren beide Namen etwas mit – nun ja – verzögert reagieren oder antworten.

Die Reaktionszeit, zu Englisch Response Time, ist aber die Zeit, die ein einzelnes Pixel braucht, um seine Farbe zu wechseln. Das ist gerade bei schnellen Bewegungen, Actionszenen und Games wichtig. Denn: In deinem Fernseh-Display setzen sich millionen Pixel zu einem Gesamtbild zusammen. Wenn sich auf diesem Gesamtbild viel bewegt, müssen die einzelnen Pixel entsprechend rasch reagieren. Wechseln die Pixel ihre Farben nicht schnell genug, sieht das für dich so aus, als ob das Bild Schlieren ziehen würde.

Du hast dieses Schlieren womöglich schon gesehen. Beim Fussball- oder Tennis gucken zum Beispiel, wenn der Ball eine Art «Schweif» hinter sich herzieht. «Ghosting» wird das genannt. Stellst du auf Fussball- oder Sport-Modus um, müssten die Schlieren verschwinden. Oder wenigstens stark abnehmen.

Hier ein Extrem-Beispiel. Aber stell dir mal vor, das wäre dein Fadenkreuz...
Hier ein Extrem-Beispiel. Aber stell dir mal vor, das wäre dein Fadenkreuz...

Der Game-Modus wird die Schlieren nicht reduzieren. Unter Umständen begünstigt er sie sogar. Denn der Game-Modus fährt Optimierungsprozesse runter, welche den Input-Lag des Fernsehers verbessert. Das sorgt für schnellere Verarbeitungszeiten und damit einen geringeren Input-Lag.

Ich habe zwei Screenshots des «Ratchet and Clank»-Videos oben gemacht. Einmal mit Game-Modus, einmal ohne Game-Modus. Zwar ist bei aktiviertem Game-Modus der Input-Lag viel geringer, dafür ist im Hintergrund das Ghosting beim Kameraschwenk deutlich erkennbar:

Game-Modus eingeschaltet
Game-Modus eingeschaltet
Game-Modus ausgeschaltet
Game-Modus ausgeschaltet

Damit ein schmierendes Fadenkreuz in «Call of Duty» nicht zur Norm wird, sollte dein Gamer-TV von Haus aus eine so schnelle Reaktionszeit haben, dass selbst im Game-Modus keine Schlieren zu sehen sind. Das ist gegeben, wenn dein TV eine Reaktionszeit von unter 20 Millisekunden hat. Bei modernen TVs, die in der Regel eine Reaktionszeit von etwa 10 bis 20 Millisekunden haben, ist die Reaktionszeit meist kein Problem.

Die Bildrate – spielt sie auch eine Rolle?

Bildrate, Bildwiederholrate, Bildwiederholungsfrequenz – zu Englisch Refresh Rate – überall heisst es ein bisschen anders, überall bedeutet es aber das Gleiche: Es bezeichnet die Anzahl Einzelbilder, die pro Sekunde auf dem Bildschirm dargestellt werden. Je schneller einzelne Bilder kurz hintereinander zu sehen sind, desto mehr verschmelzen sie zu einer flüssigen Bewegung.

Gemessen wird die Bildrate in Hertz (Hz) oder in Bildern pro Sekunde (fps). Soll heissen: 60 Hz oder 60 fps – beides bedeutet im Grunde dasselbe. Ab 24 Bildern pro Sekunde empfindet das menschliche Auge eine Abfolge von Einzelbildern als «flüssig». Je höher die Bildrate, desto «flüssiger» das Bild.

Beide Videos laufen flüssig, doch läuft das Video links um ein vielfaches flüssiger. So sehen 30 fps Unterschied aus.

Je nach Empfinden gelten 30 fps als die untere Grenze für ein sauberes und ruckelfreies Gamen. Mehr als 60 fps kriegen aktuelle Konsolen wie die PS4 Pro oder die Xbox One X gar nicht hin.

Aktuelle Fernseher im Mittelklasse-Segment bieten meistens etwa 100 Hz Panels – und sind damit oft unterfordert. Es sei denn, du richtest deinen Blick in die Zukunft.

Die Zukunft: HDMI 2.1, VRR und ALLM

Etwa Ende 2020, vielleicht etwas später, sollen Xbox Project Scarlet und PS5 auf den Markt kommen, die Nachfolger der Xbox One und der PS4. Die Hersteller der Konsolen versprechen Bildraten von 120 Hz bei UHD-Auflösung – Microsoft redet gar von 8K-Auflösung für ihre Xbox. Für TV-Hersteller bedeutet das höhere Datenmengen, die innert nützlicher Frist von der Konsole zum Fernseher übertragen werden müssen.

Damit dein heute gekaufter Fernseher also zukunftsfähig ist, solltest du darauf achten, dass er eine HDMI-2.1-Schnittstelle besitzt. Sonst reicht die Bandbreite der Leitung zwischen TV und Konsole nicht aus, um die grossen Datenmengen schnell genug auszutauschen.

Überhaupt: Im HDMI-2.1-Standard sind zwei weitere Funktionen vordefiniert, die für Gamer besonders interessant sind:

  1. Variable Refresh-Raten (HDMI Forum VRR)
  2. Auto-Low-Latency-Modus (ALLM)

Grafikkarten besitzen variable Rendering-Raten. Die meisten Fernseher und Monitore hingegen eine fixe Bildrate. Sind diese beiden Raten nicht synchron, kommt’s zu Rucklern und «zerrissenen» Bildern – Tearing genannt. Erst dank VRR werden die beiden Frequenzen synchronisiert und besagte Probleme eliminiert. Die VRR-Technologie im HDMI-2.1-Standard ist HDMI Forum VRR.

Es gibt bereits jetzt Fernseher, die VRR via HDMI 2.0a ausgeben können. Das ist für PC-Gamer wichtig, weil es (noch) keine Grafikkarten mit HDMI-2.1-Ausgang gibt. Dafür muss der TV entweder Nvidia G-Sync für Nvidia-Grafikkarten oder AMD FreeSync für AMD- und neuere Nvidia-Grafikkarten unterstützen. Überprüfe also stets, ob deine Grafikkarte einen der obigen Standards unterstützt, bevor du extra mehr Geld ausgibst für einen Fernseher, dessen VRR du womöglich gar nicht nutzen könntest.

So sieht Tearing aus. Meist bei schnellen Kameraschwenks.
So sieht Tearing aus. Meist bei schnellen Kameraschwenks.

ALLM hingegen bedeutet, dass Game-Signale von angeschlossenen Geräten erkannt und sie dadurch in eine Art Game-Modus versetzt werden. Stell dir vor, die Spielkonsole ist an einem AV-Receiver oder einer Soundbar angeschlossen und von dort aus mit dem Fernseher verbunden. Unterstützen alle Geräte ALLM, dann werden unnötige Bildverarbeitungs-Algorithmen deaktiviert, damit das Bild mit einer so tiefen Latenz wie möglich von der Konsole bis zum TV gelangt. Das ist wiederum wichtig für einen niedrigen Input-Lag.

Zusammengefasst: Drei Merkmale des idealen Gamer-TVs

Ich fasse zusammen. Gute TVs fürs Heimkino sind nicht zwingend gut für Gamer geeignet – und umgekehrt. Als Gamer achtest du beim Kauf also auf folgende drei Dinge:

  1. Niedriger Input-Lag, maximal 20 Millisekunden – für eine geringe Eingabeverzögerung
  2. Game-Modus des Fernsehers aktivieren – das verringert den Input-Lag zusätzlich
  3. Kurze Reaktionszeit, maximal 20 Millisekunden – für ein Bild ohne Schlieren auch im Game-Modus

Die Bildrate spielt nur eine zweitrangige Rolle, weil die Quelle – also aktuelle Konsolen – nicht mehr Bilder pro Sekunde generieren als moderne TVs darstellen könnten. Willst du zukunftsfähiger einkaufen, solltest du dennoch auf eine HDMI-2.1-Schnittstelle achten. Die gibt’s aber nur bei sehr teuren TVs.

Falls du möchtest, kann ich dir einen Kaufratgeber mit geeigneten TVs zusammenstellen. Sag’s mir in den Kommentaren oder per E-Mail. Wenn die Nachfrage da ist, mach ich mich an die Arbeit und veröffentliche in Bälde einen Artikel dazu.

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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