Der neue «WandaVision»-Trailer: Was verrät er uns?
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Der neue «WandaVision»-Trailer: Was verrät er uns?

Luca Fontana
Zürich, am 21.09.2020
Der erste richtige Trailer zu «WandaVision», der ersten TV-Serie aus dem Hause Marvel Studios, ist da. Kurzfazit: Wirr, surreal und äusserst clever. Denn in den knapp 80 Trailer-Sekunden erfahren wir mehr als gedacht.

Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) befinden sich in einer abstrusen Sitcom-Welt. Spielen das perfekte Ehepaar. Das Bild ist schwarz-weiss. Und alle ungewöhnlich gut gelaunt.

«Wir sind schon ein ungewöhnliches Paar», sagt Wanda.

«Das stand niemals in Frage», antwortet Vision.

Konserven-Lacher.

Wir Fans kratzen uns den Kopf. Denn wir wissen: Vision starb bereits in «Avengers: Infinity War». Dürfte eigentlich gar nicht mehr am leben sein. Und was hat es mit Wandas Glückseligkeit auf sich, die eigentlich den Verlust ihres Geliebten zu betrauern hätte?

Etwas stimmt nicht. Der neue «WandaVision»-Teaser-Trailer macht Bock auf mehr.

Worum geht’s in «WandaVision»?

Die Welt in «WandaVision» scheint es nicht so recht mit der Realität zu haben. Vision lebt, erinnert sich aber kaum an irgendwas. Oder daran, dass er tot ist. Das Setting ändert im Sekundentakt. Von einer Schwarz-Weiss-Umgebung à la «Bewitched» zu einer in Farbe getauchter 1980er-Jahre-Sitcom à la «Full House».

Sieh selbst.

Was will uns der Teaser-Trailer verraten? Spielt «WandaVision» tatsächlich in einer parallelen Welt? Oder in einer anderen Dimension? Da ist ja diese Szene. Ein Ehepaar zu Besuch bei Casa Wanda-Vision. Die wollen wissen, woher das offenbar frisch verheiratete Wanda-Vision-Pärchen stammt. Wann sie geheiratet hätten. Beide wollen Antwort geben. Keiner kriegt es hin. Zweifelnde Minen. Fehlende Worte. Steigendes Misstrauen. Dann bröckelt die Realität. Und plötzlich baut sie sich neu auf. Dieses Mal in Farbe. Wanda und Vision wieder voll happy.

Was geht hier vor sich?

Ein genauer Blick könnte wichtige Hinweise preisgeben. Besonders dieser Shot, in der Wanda leere Weingläser dank Zauberei mit schwebenden Weinflaschen auffüllt. Das Etikett auf der Weinflasche: «Maison du Mépris». Zu Deutsch: «Haus der Verachtung». Verachtung. Kein zufällig gewähltes Wort. Bestimmt nicht. Verachtet da jemand die Realität?

Das Etikett – Hinweis oder Easter Egg?
Das Etikett – Hinweis oder Easter Egg?

Viel interessanter ist aber die englische Übersetzung des Etiketts: «House of Mépris». Ziemlich wahrscheinlich ein Fingerzeig in Richtung «House of M», einem Event in den Comics aus dem Jahr 2005, geschrieben von Brian Michael Bendis und illustriert von Olivier Coipel.

«House of M» erzählt im Wesentlichen die Geschichte einer vor Kummer verrückt gewordenen Wanda, die ihre ermordeten Kinder betrauert. Dank ihrer Kräfte verändert sie das gesamte Gefüge der Realität so, dass ihre Kinder wieder zum Leben erweckt werden – mit verheerenden Auswirkungen auf die Realität aller Lebewesen auf der Erde.

Das Event dezimierte die Mutanten-Population von Tausenden auf ein paar wenige Hundert.
Das Event dezimierte die Mutanten-Population von Tausenden auf ein paar wenige Hundert.

«WandaVision» könnte demnach lose auf «House of M» basieren. Statt den Verlust ihrer Kinder betrauert sie den Verlust Visions. Und um ihn wieder zurückzuholen, erschafft sie neue Realitäten, in der es kein Leid und nur Glückseligkeit gibt. Etwa so wie in einer 1950er Sitcom-Serie.

Jup, das wirkt irgendwie total surreal.
Jup, das wirkt irgendwie total surreal.

Das Sitcom-Element scheint wiederum aus Tom Kings Comic-Serie «Vision» aus dem Jahr 2016 entliehen. Übrigens eine der besten Comic-Serien aus dem Hause Marvel, falls du es noch nicht gelesen hast. Darin will sich Vision seinen Herzenswunsch, ein ganz normaler Mensch zu sein, erfüllen. Er selbst ist ja ursprünglich von Bösewicht Ultron als Waffe erschaffen worden. Seine ursprüngliche Mission: Die Vernichtung der Menschheit. Dann hat Vision rebelliert und seinen Erbauer vernichtet. Seit dem ist der Synthezoid, der kein Mensch ist, aber menschliche Gefühle entwickelt, auf Identitätssuche.

Im Comic «Vision» jedenfalls erschafft sich Vision eine eigene Familie mit Frau und Kinder. Sie sehen aus wie er. Haben dieselben Fähigkeiten wie er. Und wollen ein ganz normales, spiessbürgerliches Vorstadt-Leben leben wie er. Die Comic-Reihe stellt dabei immer wieder die Frage: Was heisst es, Mensch zu sein? Aber die Bilder, die Zeichner Gabriel Hernandez Walta erschafft, sind mittlerweile nicht nur ikonisch, sondern erinnern auch stark an die Serie «WandaVision».

Vision: Für einmal ganz normal.
Vision: Für einmal ganz normal.

Natürlich artet die Sache in «Vision» aus. Irgendwann bekämpft Vision gar die Avengers, um seine eigene Familie zu beschützen. Ähnliches ist auch im «WandaVision»-Trailer zu sehen.

Dazu komme ich noch.

Wer ist die mysteriöse, schwarzhaarige Frau?

Wanda und Vision scheinen die einzigen Konstanten in einer sich ständig verändernden Realität zu sein. Da ist aber noch was. Oder jemand. Diese Frau. Schwarzhaarig und von Kathryn Hahn gespielt. Die Schauspielerin selbst sagte vergangenen Oktober noch, nur als «nosy neighbor» engangiert worden zu sein.

Ja, sie «sieht» schon recht noisy aus.
Ja, sie «sieht» schon recht noisy aus.

Die neugierige Nachbarin taucht in jeder Version der «WandaVision»-Realitäten auf. Scheint mehr zu wissen als die zwei Hauptprotagonisten. Etwa, dass Vision eigentlich tot ist. Nämlich in jener Szene, in der sie im Auto in einem Hexen-Halloween-Kostüm steckt.

Dieses Kostüm. Für viele Fans eine indirekte Bestätigung dessen, was sie schon vermutet hatten: Kathryn Hahn würde demnach Agatha Harkness spielen, eine uralte, mächtige Hexe, die in den Comics als Mentorin Wandas fungierte. In der Vorgeschichte zu «House of M» ist sie es, die Wanda jene Magie beibringt, mit der sie ihre Kinder erschaffen hat – jene Kinder, die später starben und damit die Ereignisse von «House of M» einleiteten.

Was führt die Hexe im Schilde?
Was führt die Hexe im Schilde?

In «WandaVision» könnte sich Wanda womöglich Agatha zugewandt haben, um Vision zurück ins Leben zu rufen. Oder zumindest eine Realität, in der er noch lebt. Vielleicht wird Wanda dabei von Agatha ausgetrickst. Schliesslich ist Wanda in jenen Szenen, in der die Realität bröckelt, genauso verwirrt wie Vision.

Haben wir unsere Antagonistin?

Monica Rambeau und das Militär

Zum Schluss des Trailers birst die Falsche-Realität-Blase vollends. Eine Frau wird rücklings aus dem geschleudert, was wohl die von Wandas Fähigkeiten geschaffene Realität ist.

Wohl nicht mehr erwünscht in Wandas Vision: Monica Rambeau
Wohl nicht mehr erwünscht in Wandas Vision: Monica Rambeau

Was wir bereits wissen: Die Frau ist Monica Rambeau, und gespielt wird sie von Teyonah Parris.

Gespielt wird Rambeau von Teyonah Parris.
Gespielt wird Rambeau von Teyonah Parris.

Es ist nicht das erste Mal, dass Monica Rambeau im Marvel Cinematic Universe auftaucht. Tatsächlich haben wir sie bereits als Kind gesehen. Nämlich in «Captain Marvel», gespielt von Akira Akbar. In den Comics verfügt Rambeau über ähnliche Fähigkeiten wie Carol Danvers aka Captain Marvel. Im Film hingegen noch nicht. Zumindest nicht als Kind. Wer weiss, ob Rambeau nicht gar just in jener Szene grad zu ihren übermenschlichen Fähigkeiten kommt.

Die Realitätsblase jedenfalls scheint dem Militär Sorgen zu bereiten. Das verraten diese letzten Trailer-Sekunden, in der Monica Rambeau auf dem Boden vor einem Militärlager aufprallt, das wie eine Belagerung aussieht.

Zum ersten Mal im Trailer scheinen wir die Realitäts-Blase zu verlassen.
Zum ersten Mal im Trailer scheinen wir die Realitäts-Blase zu verlassen.

Ähnlich wie in «House of M» droht Wandas Realitätskonstrukt Auswirkungen ungeahnten Ausmasses auf den Rest der Menschheit zu haben. Das muss verhindert werden. Wohl mit Hilfe Monica Rambeaus.

Wann und wo können wir «WandaVision» gucken?

Offiziell ist bisher nur, dass «WandaVision» Ende Jahr und exklusiv auf Disney+ erscheint. Ich tippe auf Dezember. Die zweite Staffel von «The Mandalorian» – hast du den Trailer schon gesehen? Richtig geil – geht ja am 30. Oktober los. Bei acht Mandalorian-Folgen wäre damit der 25. Dezember das nächstbeste Datum für einen «WandaVision»-Start.

Ein schönes Weihnachtsgeschenk.


Habe ich was vergessen? Ich meine nicht. Falls dir im Teaser-Trailer aber noch mehr Details als mir, dann schreib sie in die Kommentare. Bin gespannt.

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Luca Fontana
Luca Fontana

Editor, Zürich

Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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