Der möchtegern Alleskönner: Epos H3Pro Hybrid im Test

Der möchtegern Alleskönner: Epos H3Pro Hybrid im Test

Kevin Hofer
Zürich, am 09.06.2022

Mit dem H3Pro Hybrid bringt Epos ein Gaming Headset im Business-Gewand. Es hat viele Features, macht aber nichts wirklich hervorragend.

Das H3Pro Hybrid wäre gerne eine eierlegende Wollmilchsau. Es sieht für ein Gaming-Headset sehr schlicht aus – als hätte es sich einen blauen Smoking übergezogen. Es soll sich dank Ansteck-Mikrofon als Headset zum Gamen sowie dank aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) als Over-Ear-Kopfhörer für unterwegs eignen. Leider sticht das Headset nirgends wirklich hervor.

Verbindungsmöglichkeiten: top

Bestes Feature des Headsets sind die Verbindungsmöglichkeiten. Du kannst es entweder kabelgebunden per USB oder 3,5-Millimeter-Kopfhörerkabel sowie Bluetooth 5.2 oder 2,4 Gigahertz Dongle betreiben. Das Coole: Bluetooth und die drahtlose Verbindung via Dongle können gleichzeitig genutzt werden. Du kannst also zocken und gleichzeitig Musik hören übers Smartphone. Sollte ein Anruf reinkommen, stellt die Audiowiedergabe automatisch ab.

Das Headset sieht mehr nach Business als Gaming aus.
Das Headset sieht mehr nach Business als Gaming aus.

Es gibt aber auch negative Punkte bei den Verbindungsmöglichkeiten. Bei der Bluetooth-Verbindung steht nur das SBC-Codec zur Verfügung und damit das absolute Minimum. Das Headset muss zudem ständig eingeschaltet sein – auch bei der Verbindung mit Kopfhörerkabel. Der Akku wird also konstant leergefressen.

Selbst wenn du das Headset per Audiokabel verbindest, muss es eingeschaltet sein.
Selbst wenn du das Headset per Audiokabel verbindest, muss es eingeschaltet sein.

Die Akkulaufzeit ist schwierig zu beziffern, da das Headset auf so viele Arten verbunden werden kann. Im besten Fall gibt Epos 38 Stunden – bei Bluetooth-Verbindung und ausgeschaltetem ANC –, im schlechtesten Fall 19 Stunden – bei Verbindung mit Dongle und aktiviertem ANC – an. Diese Laufzeiten decken sich etwa mit meinen Erfahrungen. Voll aufgeladen ist das Teil innert zwei Stunden.

Sound: okay

Die 40-Millimeter-Treiber verrichten beim Gamen einen guten Dienst. Actionlastige Spiele kommen dank wuchtigen Bässen mit extra Bombast. Stimmen sind dennoch gut verständlich. Das Headset ist tiefen- und mittenbetont. Die Höhen gehen etwas unter. Fürs Musik hören eignet sich das H3Pro Hybrid deshalb eher weniger. Ich kann zwar mit dem Equalizer der Epos Gaming Suite nachjustieren, aber ich bekomme den Klang nicht so hin, wie ich mir das wünsche.

Insgesamt entspricht der Klang dem, was ich von einem Gaming Headset erwarte. Auch der Raumklang macht ordentlich Laune in Games. Action-Streifen hören sich damit ebenfalls gut an. Aufgrund der Einschränkungen beim Musik hören würde ich das Headset dennoch eher als reines Gaming Headset einsetzen.

Das H3Pro Hybrid verfügt über 40-Millimeter-Treiber.
Das H3Pro Hybrid verfügt über 40-Millimeter-Treiber.

Die aktive Geräuschunterdrückung ist okay. Es ist jedoch kein Vergleich zu Kopfhörern von Sony, Bose und Co. Es dringt deutlich mehr Schall an mich als mit den In-Ears Linkbuds S von Sony, die ich derzeit teste. Die passive Dämmung der H3Pro Hybrid macht einiges mehr aus. Ich verspüre einen leichten Druck auf den Ohren, wenn die aktive Geräuschunterdrückung an ist. Immerhin ist das Grundrauschen, das bei vielen ANC-Kopfhörern zu hören ist, kaum vorhanden.

Das Mikrofon lässt sich dank magnetischer Befestigung schnell und einfach entfernen und wieder anbringen.
Das Mikrofon lässt sich dank magnetischer Befestigung schnell und einfach entfernen und wieder anbringen.

Das Mikrofon ist insgesamt gut. Es lässt sich dank Magneten schnell und einfach entfernen, wenn du es nicht brauchst. Um das klaffende Loch im Headset zu stopfen, legt Epos eine Kunststoff-Abdeckung bei. Falls du unterwegs dennoch telefonieren willst, hat das H3Pro Hybrid ebenfalls eine integrierte Lösung parat. Beide Mikrofone filtern Hintergrundgeräusche gut heraus.

Hier Hörproben der Mikrofone, ich lese User-Kommentare. Jeweils einmal mit Hintergrundgeräuschen und einmal ohne. Ich lasse einen Gameplay-Clip von «Call of Duty: Warzone» im Hintergrund laufen.

Sitz: bequem

Der Memory-Schaumstoff der Ohrhörer liegt angenehm auf den Ohren. Die Ummantelung ist jedoch nicht sonderlich atmungsaktiv – innert Kürze schwitze ich unter den Hörern. Da ich aber sowieso sehr hitzeempfindlich bin, ist das bei mir mit beinahe allen Over-Ear-Hörern der Fall.

Einzig das Kopfband ist aus Metall. Der Rest ist Kunststoff.
Einzig das Kopfband ist aus Metall. Der Rest ist Kunststoff.

Bei meiner Kopfform spüre ich das Kopfband ständig. Es fühlt sich nicht unangenehm an, aber bei anderen Hörern spüre ich es kaum oder vergesse es zumindest mit der Zeit. Das grössenverstellbare Headset rastet gut ein und verrutscht bei Gebrauch nicht.

Das Kopfband lässt einen Blick auf etwas anderes als Kunststoff zu, es ist nämlich aus Metall. Trotz des vielen Kunststoffs wirkt alles solide verarbeitet. Egal, wie ich das Headset drehe oder biege, nichts knarzt oder knackt.

Den Biegetest besteht das H3Pro Hybrid mit Bravour.
Den Biegetest besteht das H3Pro Hybrid mit Bravour.

Die Ohrmuscheln lassen sich leicht drehen und neigen. Deshalb sollten sie auf jede Kopfform passen.

Die Muscheln sind mit Steuer- und Verbindungselementen vollgepackt. Rechts ist das Lautstärkedrehrad, Bluetooth-Pairing-Knopf und Schalter für die aktive Geräuschunterdrückung . Links sind der Anschluss fürs Kopfhörerkabel, USB-C-Anschluss und Powerknopf. Daneben hat es auf dieser Seite noch ein Status-LED sowie das integrierte und das Ansteck-Mikrofon. Mit Ansteck-Mik wiegt das Headset etwas über 300 Gramm, ohne sind es etwas weniger.

Per Drehregler an der rechten Ohrmuschel verstellst du die Lautstärke.
Per Drehregler an der rechten Ohrmuschel verstellst du die Lautstärke.

Fazit: Ich weiss nicht so recht…

Das Epos H3Pro Hybrid lässt mich etwas ratlos zurück. Es kann zwar vieles, aber nichts wirklich gut. Mit diversen kabellosen und kabelgebunden Verbindungsmöglichkeiten lässt es sich praktisch beliebig verbinden, muss aber immer eingeschaltet bleiben und bietet bei den Codecs nur das Nötigste.

Dank aktiver Geräuschunterdrückung lässt es sich auch in lärmiger Umgebung oder unterwegs betreiben. Das ANC ist aber nicht so gut, wie ich mir das wünschte. Die Soundqualität beim Musikhören ist zudem eher schlecht als recht.

Immerhin sind das Mikrofon und die Soundqualität beim Gamen gut. Aber das reicht für mich nicht aus, um den hohen Preis von knapp 290 Franken zu rechtfertigen. Für den Preis findest du günstigere und bessere Gaming Headsets, die nur Gaming Headset sind und bessere Over-Ear-Kopfhörer mit ANC.

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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