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Der «Fourth Wing»-Cast steht – und ihr benehmt euch daneben

Carmen Baumann
23.10.2026

Kaum wird der Cast einer Buchverfilmung bekannt, geht das Geschimpfe los. Neuestes Beispiel: Esther McGregor («Babygirl») und Emilio Sakraya («Warrior Nun») spielen Violet Sorrengail und Xaden Riorson, die Hauptfiguren der «Fourth Wing»-Reihe von Rebecca Yarros. Kritik am Casting ist legitim. Der Hass gegen die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht.

Unter dem Post von Deadline auf Instagram sind die meisten der 6000 Kommentare ablehnend. Fans der Romantasy-Buchreihe zeigen sich enttäuscht und frustriert: «Das muss wohl ein Scherz sein», «Das ist nicht Violet», «Das ist eine enttäuschende Ankündigung». Sogar das schauspielerische Talent der beiden Hauptdarstellenden wird infrage gestellt. Mittlerweile hat Prime Video das Casting offiziell bestätigt. Unter diesem Post halten sich die Tiraden (bislang) in Grenzen.

Esther McGregor spielt Violet Sorrengail ...
Esther McGregor spielt Violet Sorrengail ...
Quelle: Instagram/Prime Video
... und Emilio Sakraya verkörpert Xaden Riorson.
... und Emilio Sakraya verkörpert Xaden Riorson.
Quelle: Instagram/Prime Video

Und doch geht diese Castingkritik über die neueste Ankündigung hinaus und ist etwas, das ich schon länger beobachte. Ein prominenter Fall ist das Casting für die «Boys of Tommen»-Reihe der irischen Autorin Chloe Walsh. Die ersten beiden Bücher werden ebenfalls für Prime Video verfilmt.

«Boys of Tommen» als Paradebeispiel des Phänomens

Der Ankündigungspost für's Casting hat sage und schreibe 12 000 Kommentare. Wer durchscrollt, findet überwiegend Kritik: «Haben wir das gleiche Buch gelesen, was soll das?», «Ich wusste, dass diese Show schlecht wird», «Ich hoffe, das ist ein später Aprilscherz» etc. Damit nicht genug. Fans der Reihe haben mehrere Petitionen lanciert, um die Verfilmung zu stoppen, mit rund 3000 Unterschriften. Es geht ihnen hier nicht prinzipiell ums Casting – obwohl sie auch das als Grund angeben: «Die Fangemeinde hat ganz bestimmte Vorstellungen von den Figuren entwickelt. Die Besetzung wird mit ziemlicher Sicherheit einen Grossteil der Leser enttäuschen.» Hauptargument der Petition sind die Themen, die in der Reihe thematisiert werden: «Viele der Bücher behandeln sensible Themen wie Missbrauch, Selbstverletzung, Essstörungen und Sucht. Es besteht die reale Gefahr, dass diese Themen zur Unterhaltung sensationsorientiert dargestellt oder verharmlost werden.» Ich gebe den Initianten bei der Sensibilität recht, denn es sind nicht umsonst Triggerwarnungen in den Büchern enthalten. Umso wichtiger ist es, dass sensible Themen nicht verharmlosend dargestellt werden. Aber deshalb gleich den Produktionsstopp zu fordern, geht zu weit.

Was der Hype mit dieser Debatte zu tun hat

Die «Fourth Wing»- und «Boys of Tommen»-Fälle haben einen grossen gemeinsamen Nenner: Je gehypter die Bücher, desto grösser der Aufschrei. Die Romantasy-Reihe wurde über 12 Millionen Mal verkauft, in über 40 Sprachen übersetzt, und allein auf Goodreads haben die vier Bände fast 10 Millionen Bewertungen. Kurz gesagt: ein weltweites Phänomen. Entsprechend viele Fancastings, also Vorschläge der Leserschaft, gab es für Protagonistin Violet Sorrengail und für Xaden Riorson, den sogenannten «Shadow Daddy»: moralisch grau, harte Schale, (einigermassen) weicher Kern.

Casting ist mehr als Aussehen

Die richtigen Schauspielerinnen und Schauspieler zu finden, geht weit über das passende Aussehen hinaus. So simpel, wie es in den Kommentaren wirkt, ist es also nicht. Es geht um die Chemie zwischen den Darstellern, um schauspielerisches Talent und um Terminplanung. Bei mehreren Staffeln bedeutet das eine Verpflichtung über Jahre. Dass die Enttäuschung gross ist, wenn nicht «dein» Cast gewählt wurde, kann ich verstehen. Okay, nein, kann ich nicht ganz. Es ist doch genau das: ein Fancast. Jede Leserin und jeder Leser hat beim Lesen jemand anderen vor Augen.

Make-up, anyone?

Dafür, dass die Kritikerinnen und Kritiker mit «Fourth Wing» eine Fantasyreihe lesen, fehlt es ihnen manchmal an Fantasie. Klar schreit der Vokuhila von Esther McGregor auf dem Post von Deadline nicht nach dem braun-silbrigen Haar von Violet Sorrengail. Aber schon mal was von Make-up und Maske gehört? Erinnern wir uns: Auch Emma D’Arcy und Matt Smith trugen keine blonden Perücken, als sie als Rhaenyra und Daemon Targaryen für «House of the Dragon» angekündigt wurden. Heute sind wir uns sicher einig, dass dieses Casting kaum zu überbieten ist.

Der Vokuhila sorgt für Diskussionen.
Der Vokuhila sorgt für Diskussionen.
Quelle: Instagram/Deadline
Rhaenyra und Daemon Targaryen – Hair Goals!
Rhaenyra und Daemon Targaryen – Hair Goals!
Quelle: HBO/Theo Whiteman

Wehe, ihr bekommt die Drachen nicht hin

Beim Casting der «Fourth Wing»-Verfilmung habe ich also volles Vertrauen. Sorgenfalten bereiten mir die Drachen. Wenn die nicht so daherkommen wie Syrax, Caraxes & Co. bei «House of the Dragon», werde ich hässig. Aber ich fasse mich an die eigene Nase und sage: Trust the process, es kommt schon gut.

Nicht weniger als das erwarte ich von «Fourth Wing».
Nicht weniger als das erwarte ich von «Fourth Wing».
Quelle: HBO

Hinter jeder Rolle steckt ein Mensch

Und hier liegt für mich der Kern. Es ist okay zu denken: «Nicht mein Favorit.» Es ist nicht okay, Schauspielerinnen und Schauspieler persönlich anzugreifen, weil sie eine Rolle bekommen haben, auf die sie sich vermutlich seit Monaten vorbereitet haben. Hinter der Ankündigung, der Produktion und dem Post stehen echte Menschen, die keinen Hass verdienen – und auch keine bissigen Kommentare in den sozialen Medien.

Titelbild: Amazon News

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Leidenschaftliche Leserin und laute Lacherin. Ein Buch darf in meiner Tasche nie fehlen, und ja, immer ein physisches. Von Taylor Jenkins Reid über Kristin Hannah, von Biografien bis hin zu Sci-Fi und Fantasy: Wenn dich die Welt der Bücher interessiert, dann bist du hier richtig. 


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