Der Bau eines Spielekoffers – Teil 1
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Der Bau eines Spielekoffers – Teil 1

Alessandro Grieco
Zürich, am 10.06.2020
An Spieleabende nehme ich immer eine ordentliche Anzahl Brett- und Kartenspiele mit. Um diese einfach zu transportieren, habe ich einen Spezialkoffer. Dieser ist aber in die Jahre gekommen. Es ist also Zeit für den Spielekoffer 2.0.

Fast mein gesamtes Umfeld liebt Brettspiele. Die Geschmäcker sind jedoch verschieden und an den Spieleabenden sind nicht immer gleich viele Mitspieler anwesend. Mal geht es primär um die Gesellschaft, mal sollen es anspruchsvolle Spiele sein. Um eine Auswahl anzubieten, habe ich oft Kunststoffsäcke (Papiersäcke reissen bei dem Gewicht) randvoll mit möglichen Spielen dabei gehabt. Diese Säcke musste ich aber vor jedem Spieleabend reorganisieren. Das kostete Zeit. Eine Lösung musste her. Die Idee «Spielekoffer» war geboren. Und das bereits vor sechs Jahren.

Meine erste Version von einem Spielekoffer. Sieht gar nicht mal schlecht aus, oder?
Meine erste Version von einem Spielekoffer. Sieht gar nicht mal schlecht aus, oder?

Im Bild siehst du, wie ich für jedes Spiel und Zubehör eine Aussparung im Schaumstoff erstellt. Die dazugehörige Dokumentation war aber alles andere als übersichtlich, das möchte ich nun ändern.

Zeit für den Spielekoffer 2.0

Mein neuer Spielekoffer soll einfach aufgebaut sein und möglichst viele Spiele an ein Event transportieren können. Mit relativ hartem Schaumstoff, der beispielsweise bei Fotokamerakoffern eingesetzt wird, fixiere ich die Spiele im Koffer. Das Zubehör findet ebenfalls im Schaumstoff oder im Deckel Platz.

Auswahl der Spiele

Ich habe es mir bei der ersten Version relativ einfach gemacht, indem ich alle Spiele, die ich zu der Zeit besass, in den Koffer packte. Seither sind aber weitere hinzugekommen, die ebenfalls ein mobiles Zuhause wollen. Grundsätzlich optimal sind Kartenspiele, aber auch Brettspiele, die nicht zu viel Material haben. Hier eine Liste mit den Spielen, die ich in Version 2.0 unterbringen werde:

Activity Codeword, Agent Undercover, Bam, Bang, Blitzdings, Codenames und Codenames Undercover, Coup und Coup: Reformation, Crazy Time, Cro-Magnon, Decrypto, Der Kartograph, Die Crew, Exploding Kittens inkl. allen Erweiterungen, Frantic, Just One, Klattschen, Krasse Kacke, Krazy Wordz, Lucky Lachs, Meisterwerke, Munchkin, Music IQ und Beer IQ, Outburst, Paper Tales, Privacy Chilli und Numbers, Red 7, Saboteur 1 und 2, Sags mir: Filme, Skull King, Sticheln, Tempel des Schreckens, The Game, Top & Flop, Werwörter, Wordslam Midnight.

Auswahl des Koffers

Die Spiele sollen übersichtlich und einfach verstaubar sein, somit eignet sich ein Pilotenkoffer nicht. Ein normaler Reisekoffer ebenso wenig, da der «Umbau» mit einem enormen Aufwand verbunden wäre. Somit ist ein robuster Werkzeugkoffer aus glattem Aluminium oder Kunststoff mit verstärkten Kanten die ideale Grundlage. Die Grösse sollte nicht zu klein sein, sonst bringe ich nicht alle Spiele unter. Zu gross sollte er aber auch nicht sein, denn ich will nicht jedes Mal 20 kg mitschleppen. Etwas in dieser Richtung:

Ich habe meinen neuen Koffer in einem Geschäft für Baubedarf gefunden. Die gibt es fast überall und in allen möglichen Ausführungen zu kaufen. Er ist für Fotokameras konzipiert, 500 mm breit, 150 mm hoch und 400 mm tief. Der Schaumstoff ist schon drin. Den werde ich aber durch einen Neuen ersetzen.

Mein zweiter Spielekoffer, die Rohversion.
Mein zweiter Spielekoffer, die Rohversion.

Ausmessen der Spiele

Da die Massangaben zu den Spielen im Netz zu ungenau sind, muss eine Schieblehre her. Damit messe ich die Spiele auf einem Zehntelmillimeter genau aus und trage die Daten in einer Excel-Liste zusammen.

Im Excel habe ich eine Spieleliste mit den exakten Massen und Kommentaren erstellt
Im Excel habe ich eine Spieleliste mit den exakten Massen und Kommentaren erstellt

Gewisse Spiele haben zudem noch Zubehör oder brauchen zwei Aussparungen, das habe ich mir jeweils als Kommentar in der Tabelle notiert. Ausserdem habe ich schon beim ersten Koffer bemerkt, dass die Höhe nicht ganz irrelevant ist. Damit schlussendlich beim Transport nichts umherfliegt und durcheinanderkommt, nehme ich diese Ausmesserei ziemlich ernst. Momentan sieht mein Koffer also so aus:

Koffer mit den Spielen und dem noch ungenauen Schaumstoff
Koffer mit den Spielen und dem noch ungenauen Schaumstoff
Zubehör und Anleitungen, die in den Kofferdeckel müssen
Zubehör und Anleitungen, die in den Kofferdeckel müssen

Der personalisierte Schaumstoff

Beim Kauf vom Koffer war bereits eine Schaumstoffeinlage vorhanden. Diese ist jedoch standardisiert und nicht auf meine persönlichen Bedürfnisse ausgelegt. Daher muss eine individuelle Lösung her. Dafür muss ich aber erst mal eine Skizze für die Aussparungen erstellen. Da ich wie die meisten Menschen nur wenig Ahnung von CAD und DXF habe, verwendete ich kurzerhand Word für meine erste Skizze:

Erster Selbstversuch im Word mit exakten Breiten und Längen
Erster Selbstversuch im Word mit exakten Breiten und Längen

Sieht schon mal sehr gut aus, denke ich. Der Abstand von Spiel zu Spiel beträgt jeweils zehn Millimeter, dies geht aber nur mit relativ hartem Schaumstoff. Ein Dienstleister, der solche Koffereinlagen professionell herstellt, empfiehlt mir Plastazote LD 29. Die Aussparungen sollten dabei durchgängig sein, was die Einzelanfertigung günstiger macht. Ich werde vom Dienstleister die Ausschnitte verlangen, wodurch ich mit ein bisschen Handarbeit die Höhe selber «einstellen» kann. Der Dienstleister braucht aber ein PDF oder eine DXF-Datei, um es im Wasserstrahlschneider einzulesen. Das Word in ein PDF zu konvertieren hat nicht funktioniert, da danach die Masse nicht mehr stimmten. Wie komme ich also zu einem DXF mit korrekten Massen?

In unserer Firma gibt es CAD-Spezialisten, die ich ganz höflich um einen privaten Gefallen bitte. Zum Glück nimmt sich jemand die Zeit und wandelt meine Skizze in ein professionelles DXF um:

Danke R.B.! Zwar noch nicht definitiv, aber er hat sogar mehr Spiele «reingebracht» als ich und jedem Spiel eine Nummer verpasst.
Danke R.B.! Zwar noch nicht definitiv, aber er hat sogar mehr Spiele «reingebracht» als ich und jedem Spiel eine Nummer verpasst.

Das DXF sende ich nun an verschiedene Dienstleister und warte ihre Offerten ab.

Weiteres Vorgehen

Während ich auf den Schaumstoffzuschnitt warte, werde ich den Deckel und das Zubehör in Angriff nehmen. Wie genau das aussehen wird, weiss ich aktuell noch nicht. Für welche Variante ich mich entschieden werde, erfährst du in einem weiteren Beitrag. Teil zwei folgt also bald.

Hast du eventuell ein paar Tipps, die ich beachten sollte? Zum Beispiel wie ich den Deckel gestalten soll? Dann sag es mir doch bitte in den Kommentaren. Ich bin für jeden Input dankbar. Willst du den nächsten Schritt auf meinem Weg zum perfekten, selbst gemachten Spielekoffer 2.0 nicht verpassen? Dann folge mir mit einem Klick auf den «Autor folgen»-Button.

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Alessandro Grieco
Alessandro Grieco
Passionierter Brett- und Kartenspieler, Zürich
Ich organisiere in meinem privaten Umfeld wöchentlich Brettspielabende und bin für jedes Spiel offen. Ausserdem liebe ich Rätsel und Escape Rooms und scheue keine Herausforderung.

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