Produkttest

Das Oppo Find X9 Pro ist hervorragend – trotzdem würde ich es nicht kaufen

Offiziell ist Oppo nicht mehr in der Schweiz und anderen Ländern präsent. Das ist schade, denn der Hersteller baut weiterhin erstklassige Smartphones. Es gibt aber auch einen Haken.

Im Herbst 2023 war Schluss. Oppo Switzerland entliess alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellte den Vertrieb der Smartphones ein. Gleichzeitig gab es in anderen Ländern Probleme, etwa in Deutschland mit Verkaufsverboten wegen Patentstreitigkeiten.

Während bei unseren Nachbarn seit Anfang des Jahres wieder offiziell Oppo-Geräte angeboten werden, ist der chinesische Hersteller bisher nicht in die Schweiz zurückgekehrt. Importgeräte sind erhältlich (auch bei uns im Shop), die problemlos funktionieren. Wer heute ein Oppo kauft, entscheidet sich bewusst für einen Exoten. Gibt es gute Gründe dafür? Das wollte ich im Test des Find X9 Pro herausfinden.

Design, Haptik, Screen: hochwertig und hell

Der erste Eindruck ist ausgezeichnet. Ich habe mir das Testgerät in der Farbe «Titanium Charcoal» geholt, die deutlich weniger dunkel und brauner ist, als der Begriff Holzkohle suggeriert. Die Farbe wirkt sehr elegant und hochwertig.

Das Oppo Find X9 Pro sieht schick aus und ist erstklassig verarbeitet.
Das Oppo Find X9 Pro sieht schick aus und ist erstklassig verarbeitet.

Dieser Eindruck verfestigt sich im Test. Das Find X9 Pro ist erstklassig verarbeitet – auf einem Niveau mit den Topgeräten von Samsung und Apple. Das Smartphone liegt gut in der Hand. Mit einem Gewicht von 226 Gramm ist es allerdings schwer.

Der 6,78 Zoll grosse AMOLED-Bildschirm sticht mit leuchtenden Farben und scharfer Auflösung ins Auge. Zudem leuchtet der Screen hell. Der Hersteller misst 800 Nits bei normalem Gebrauch, 1800 Nits, bei voller Helligkeit, und 3600 Nits als maximalen Wert. Beim Samsung Galaxy S26 Ultra sind es 2600 Nits, beim Apple iPhone 17 Pro Max 3000 Nits.

Das Display sieht nicht nur gut aus, sondern bleibt auch jederzeit gut ablesbar. Ich habe das Gerät oft draussen bei schönem Wetter genutzt. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung sehe ich beim Fotografieren noch alle Details auf dem Screen.

Auch bei direkter Sonneneinstrahlung ist der Screen ablesbar.
Auch bei direkter Sonneneinstrahlung ist der Screen ablesbar.

Ausstattung und System: Schwäche behoben

Oppo liefert weiterhin einen Charger mit – das ist heute bei den Smartphone-Herstellern selten geworden. Nicht nur ein Ladegerät, sondern gleich einen 80-Watt-Brummer. Beeindruckend! Das ist aber noch nicht alles: Das Phone wird von einer perfekt angebrachten Bildschirm-Folie geschützt. Sogar eine Kunststoff-Hülle liegt in der Box. Die wirkt zwar nicht hochwertig, ist aber ultradünn und passt farblich zum Smartphone.

Schon früher setzte Oppo auf Vollausstattung. Allerdings blieb der Hersteller damals eher bei einem simplen Clear-Case – die ansprechende Hülle im Gerätedesign ist ein klares Upgrade.

Diese passende Kunststoff-Hülle liefert Oppo direkt mit.
Diese passende Kunststoff-Hülle liefert Oppo direkt mit.

Update 26. März: Je nach Herkunft der Importgeräte gehören Charger und Hülle nicht zum Lieferumfang.

Auch beim Betriebssystem ColorOS haben die Entwickler einen Schritt vorwärts gemacht. Vor einigen Jahren war dieses oft zu überladen – im Bemühen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Zu einer guten Idee kamen oft mehrere überflüssige Features, welche die Bedienung verkomplizierten oder das System träge machten.

Inzwischen hält sich Oppo stark zurück. ColorOS 16 wirkt grafisch eigenständig, die Unterschiede zum reinen Android von Google sind aber minimal. Die Oberfläche läuft flüssig, ist übersichtlich und gut bedienbar. Ein paar Spielereien hat der Hersteller dann doch eingebaut. Zum Beispiel die «Fluid Cloud», die klar an die «Dynamic Island» des iPhones angelehnt ist. Im Hintergrund laufende Apps wie die Stoppuhr oder Musikstreaming erscheinen oben in der Leiste. Klicke ich darauf, öffnet sich ein kleines Widget, in dem ich alles Wichtige bedienen kann.

Die laufende Stoppuhr wird oben rund um die Kameraaussparung angezeigt.
Die laufende Stoppuhr wird oben rund um die Kameraaussparung angezeigt.

Foto und Video: Software hält sich zurück

Eine grosse Stärke von Oppo war immer das Kamerasystem. Die technischen Details lesen sich auch beim Find X9 Pro beeindruckend. Zur Hauptkamera mit 50 Megapixeln kommen ein 50-Megapixel-Sensor mit Weitwinkel-Linse und ein 200-Megapixel-Sensor mit Periskop-Zoom und dreifacher optischer Vergrösserung dazu. Die Selfie-Cam löst ebenfalls mit 50 Megapixeln aus.

Doch wie sieht das im Alltag aus? Für den Fotovergleich habe ich das Google Pixel 10 Pro genommen, das ich für eines der besten Fotohandys auf dem Markt halte. Bewusst konzentriere ich mich hier im Test auf schwierige Lichtsituationen, wo die Unterschiede in der Kameraqualität besser sichtbar sind.

Gegenlicht: Das Find X9 Pro hellt deutlich weniger auf als das Google Pixel. Der Kontrast zwischen dunklem Geäst und hellem Himmel ist stärker, dafür sind weniger Details sichtbar. Was besser gefällt, ist Geschmackssache: Das Foto von Oppo wirkt natürlicher, jenes von Google sieht besser aus.

Weitwinkel Gegenlicht: Ich fotografiere mit der Weitwinkel-Linse gegen die Sonne. Auch hier hellt Google wieder stärker auf, allerdings gehen dadurch viele Details rund um die Sonne verloren. Das Resultat von Oppo wirkt ausgewogener.

10x Zoom: So unterschiedlich wie in diesem Vergleich sind die Aufnahmen sonst nicht. Auf den ersten Blick gefallen beide: Das Pixel ist viel heller, die Farben haben deutlich mehr Gelbanteil. Das Foto des Find X9 Pro wirkt kontrastreicher. Vergrössere ich die Bilder weiter, bröckelt der schöne Schein von Google. Durch die starke Softwarebearbeitung gehen viele Details verloren. Hier hat Oppo die Nase vorn.

Selfie: Google schmeichelt mir. Dank der geringeren Auflösung des Sensors glättet die Software mein Gesicht – und verleiht mir eine harmonische Bräune. Oppo ist knallhart realistisch: Jede Pore auf der Stirn und jede Bartstoppel sind bei Vergrösserung sichtbar. Auffallend auch, wie das Pixel den Himmel deutlich blauer macht als in der Realität. Das Resultat des Pixels ist Insta-ready, jenes von Oppo wirkt realitätsnaher und detailreicher.

Video: Bei der Tonqualität ist die Sache klar: Das Oppo nimmt Sprache klarer und deutlicher auf, beim Google klingt es gedämpft und gefiltert. Videos mit der Selfiecam wirken beim Find X9 Pro konstanter und das Gesicht kontrastreicher, aber der Hintergrund etwas überbelichtet. Das Pixel 10 Pro passt das Bild laufend an, das Gesicht wirkt geglättet, der Hintergrund ist deutlich erkennbar. Mit Hauptkamera und Weitwinkel dagegen kann Google den starken Kontrast und die Helligkeitsunterschiede besser ausgleichen.

Der Test zeigt, dass das Find X9 Pro mit den besten Handykameras auf dem Markt mithalten kann. Die Software greift sichtbar weniger ein, so dass die Aufnahmen sehr natürlich wirken. Mit etwas Nachbearbeitung hole ich das Optimum heraus, etwa um Bilder auf Social Media zu veröffentlichen.

Akku und Prozessor: einmal Topleistung, einmal okay

Eine Batterie mit 7700 mAh findet im Gehäuse des Find X9 Pro Platz. Dank der neuen Silicon-Carbon-Technik ist diese Kapazität auf kleinem Raum möglich. So ist das Smartphone mit 8,3 Millimetern nicht dicker als die Konkurrenz.

Dieser Akku ermöglicht rekordverdächtige Laufzeiten. Im «PCMark Work 3.0 Battery Life»-Test messe ich 28 Stunden mit halber Helligkeit. Das ist der höchste bisher erzielte Wert in unseren Tests. Im Alltag ist die Akkulaufzeit beeindruckend. Auch bei einem Vielnutzer wie mir hält das Oppo problemlos zwei Tage durch. Laden kann ich das Gerät mit 80 Watt am Kabel und 50 Watt drahtlos. Allerdings brauche ich dafür Ladegeräte, die Oppos schnellen Standard unterstützen.

Ultraschnell lädt das Oppo nur mit passendem Charger.
Ultraschnell lädt das Oppo nur mit passendem Charger.

Während Oppo bei Kamera, Display und Akku in der Champions League mitspielt, ist das beim Prozessor auf den ersten Blick nicht der Fall. Statt des neusten Snapdragon-Chips wie bei vielen Konkurrenten kommt der Mediatek Dimensity 9500 zum Einsatz. Dazu gibt es 16 GB Arbeitsspeicher und 512 GB Speicherplatz für Daten.

Die Benchmarks zeigen, dass andere Topmodelle von Samsung, Realme oder OnePlus bei Prozessor- und Grafikleistung mehr bieten. Die Unterschiede sind aber nicht gewaltig. Und Google zeigt auch, dass ein Gerät, das auf dem Papier deutlich weniger Leistung bietet, in dieser Preisklasse durchaus erfolgreich verkauft werden kann.

Im Alltag habe ich von der schwächeren Leistung nichts gemerkt. Das Oppo läuft flüssig, auch die KI-Bildbearbeitung klappt ohne Verzögerung. Viel wichtiger finde ich, dass Oppo fünf weitere Android-Versionen ausliefern wird. Das Find X9 Pro bekommt Upgrades bis Android 21. Sicherheitsupdates garantiert der Hersteller noch ein Jahr länger. Das ist okay, Google und Samsung bieten aber noch längeren Support.

Exot mit Qualitäten

Das Find X5 Pro war das letzte Gerät von Oppo, das ich ausführlich getestet habe. Es begleitete mich 2022 ein halbes Jahr durch den Alltag. Das X9 Pro hat viele positive Erinnerungen geweckt: die tolle Kamera, die gute Verarbeitungsqualität oder der ausdauernde Akku. Positiv überrascht hat mich, dass der chinesische Hersteller vom überladenen Betriebssystem abgekommen ist.

Reicht das aus, damit ich Oppo beim nächsten Smartphone-Kauf wieder in meine Überlegungen einbeziehe? Für mich nicht. Wenn ich über 1000 Franken oder Euro für ein Gerät bezahle, will ich den vollen Support des Herstellers mit Kundenservice und Reparaturen. Nicht nur heute, sondern auch morgen und die nächsten Jahre. Das Find X9 Pro ist zwar ein hervorragendes Smartphone, aber nicht so viel besser als die Konkurrenz, um es aus dem Exotenstatus herauszuholen. So bleibt das Oppo-Flaggschiff ein Geheimtipp für Fans der Marke.

Fazit

Viel Qualität zum hohen Preis

Das Find X9 Pro ist ein in allen Bereichen überzeugendes Smartphone: Das Kamerasystem gehört zu den besten auf dem Markt. Der Akku lädt ultraschnell mit 50 bis 80 Watt und hält locker zwei Tage. Der Screen ist scharf und hell – und fügt sich damit nahtlos in den Gesamteindruck eines rundum hochwertigen Geräts ein.

Allerdings hat die Technik ihren Preis. Das Oppo-Flaggschiff ist teuer. Das hängt auch damit zusammen, dass die Marke auf einigen Märkten wie der Schweiz nicht mehr präsent ist und Europa in den Überlegungen keine Priorität mehr hat.

Pro

  • vier ausgezeichnete Kameras
  • lange Akkulaufzeit
  • viel Zubehör inklusive
  • heller Bildschirm

Contra

  • hoher Preis
  • Prozessor nicht ganz auf Topniveau
OPPO Find X9 Pro (512 GB, Silk White, Weiss, White, 6.78", Dual SIM, 5G)
Smartphone
Energielabel A
CHF1090.34

OPPO Find X9 Pro

512 GB, Silk White, Weiss, White, 6.78", Dual SIM, 5G

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