Das grosse Boxduell: Tiger vs. Tonie
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Das grosse Boxduell: Tiger vs. Tonie

Michael Restin
Zürich, am 09.01.2020
Der Markt für kindgerechte Soundsysteme wächst. Schöne Boxen, Figuren und Geschichten machen nicht nur dem Nachwuchs Spass. Wie schneidet die neue Tigerbox Touch im Vergleich mit der Toniebox ab?

«Kinder, ihr müsst mir bei der Arbeit helfen!» Selten hat dieser Satz für so viel Begeisterung gesorgt, wie an dem Tag, als ich die Tigerbox Touch mit nach Hause bringe. Dort warten ein vierjähriger Action-Experte und eine siebenjährige Spezialistin für Kinderhörspiele. Beide sind stolze Besitzer einer Toniebox. Ich bin Installateur und Wartungsfachmann. Auch den braucht es gelegentlich, da sich beide Systeme online nur konfigurieren lassen.

Der kluge Papi installiert vor

Als es zum fünften Mal «Nanananaaaaa!» macht und die Kinder immer ungeduldiger mitsingen, während das System neu startet, aber immer noch nicht betriebsbereit ist, wird mir klar, dass ich bei der Tigerbox Touch den Anfängerfehler schlechthin gemacht habe. Die goldene Regel lautet: Technik-Spielzeug immer erst aufladen und einrichten, bevor der Nachwuchs von dessen Existenz erfährt. Sonst hast du Stress. Zwickst mit wachsender Verzweiflung Tonieboxen in die Ohren oder patschst genervt auf Tigergesichtern herum, um die neue Entertainmentzentrale parat zu machen.

Nimm dir dafür ein paar ruhige Minuten, es lohnt sich. Kompliziert ist das Einrichten bei beiden Systemen nicht, doch Updates und Setup brauchen Zeit.

Die Toniebox (links) ist etwas grösser und dicker gepolstert. Bei der Tigerbox Touch steht das Display im Fokus.
Die Toniebox (links) ist etwas grösser und dicker gepolstert. Bei der Tigerbox Touch steht das Display im Fokus.

Beide Systeme verlangen nach dem Internet und beziehen neu gekaufte Inhalte aus der jeweiligen Cloud. Wenn alles eingerichtet und geladen ist, lassen sich die Geschichten später offline abspielen und die Kinder kommen wunderbar selbst damit klar. Dann kann weder Bandsalat noch eine zerkratzte CD für Wutanfälle sorgen. Und, besonders praktisch, Mami und Papi haben die Kontrolle über die Grundeinstellungen. Du kannst zum Beispiel die maximale Lautstärke definieren, was extrem nerven- und ohrenschonend ist. Damit kannst du dich trösten, wenn die erste Inbetriebnahme etwas mühsamer ist als früher, als du nur eine CD einlegen und Play drücken musstest.

Die Toniebox

Von diesem Hörwürfel mit den hübschen kleinen Figuren zu jeder Geschichte war ich sofort angetan und habe ihn meiner Tochter zum Geburtstag geschenkt. Klar, dass mein Sohn sich daraufhin auch eine Toniebox gewünscht hat. Sie zu bedienen gelingt praktisch jedem Kind, das greifen kann. Es muss zum Geschichten oder Lieder hören nur einen «Tonie», also eine der kleinen magnetischen Figuren, auf die Oberfläche stellen. Ist die Figur neu, muss die Box online sein. Beim ersten Hören werden die Inhalte per WLAN übertragen und lassen sich danach jederzeit offline abspielen.

Es gibt Klassiker wie Heidi, Benjamin, Arielle & Co. sowie Kreativ-Tonies, die mit allen möglichen Inhalten bespielt werden können. Über die App kannst du selbst etwas aufnehmen und so zum Beispiel aus der Ferne einen Gutenachtgruss auf die Figur schicken. Die gepolsterte Box ist robust, hübsch anzusehen und sie fühlt sich gut an. Statt auf ein Display zu starren, hantieren die Kinder mit den Figuren und auch die Details sind spielerisch gelöst. Um die Lautstärke zu regeln, werden die Ohren der Box gedrückt.

Kein Display, keine Reizüberflutung durch die Toniebox.
Kein Display, keine Reizüberflutung durch die Toniebox.
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Zum nächsten Song oder Kapitel kommt dein Kind, indem es auf die Seite der Box patscht. Neigt es die Toniebox etwas nach links oder rechts, spult sie im Schnelldurchlauf vor oder zurück. Bei zu viel Spulerei kannst du die Funktion deaktivieren. Wird die Figur heruntergenommen, herrscht Ruhe. Die Geschichte geht an der gleichen Stelle weiter, wenn das Kind die Figur wieder auf die Box stellt. Es sei denn, es greifst zwischendurch zu einem anderen Tonie. Gibt es ein Problem oder geht der Akku zur Neige, spricht die Box mit dem Kind und sagt, was Sache ist. Zusätzlich informiert die LED auf der Oberfläche über den jeweiligen Status. Alles hübsch gemacht, alles super. Aber auf Dauer recht teuer, wenn die Geschichten langweilig werden und neue Figuren angeschafft werden müssen. Meine Kinder haben irgendwann die Hörspiel-Vielfalt auf Spotify entdeckt und die Toniebox immer öfter links liegen gelassen. An diesem Punkt kommt die Tigerbox Touch ins Spiel.

Die Tigerbox Touch

Mit «Tigercards» und «Tigertickets» werden die Geschichten freigeschaltet.
Mit «Tigercards» und «Tigertickets» werden die Geschichten freigeschaltet.

Die Tigerbox Touch geht einen Schritt weiter. Du kannst sie auf zwei verschiedene Arten nutzen. Zum einen sind einzelne Geschichten auf «Tigercards» erhältlich, die zur Aktivierung hinten in die Box geschoben werden. Zum anderen gibt es «Tigertickets», die deinem Kind für einen gewissen Zeitraum das gesamte Streaming-Angebot mit etwa 3'000 Titeln freischalten. Ein Tigerticket für einen Monat ist im Lieferumfang enthalten.

Im Grunde bekommst du eine Art Spotify für Kinder mit voller Kostenkontrolle. Ist ein Tigerticket abgelaufen, verlängert sich das Abo nicht automatisch. Das ist interessant. Denn Spotify ist bei den Eltern zwar häufig schon installiert und abonniert, aber für Kinder nicht ideal. Du kannst zwar «unangemessene Inhalte» ausblenden, doch es ist schwierig, eine kindersichere Umgebung zu schaffen. Eigentlich bleibt nur die Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, offline verfügbar zu machen und dann die Netzverbindung zu kappen. Oder du behältst selbst die Kontrolle und wirst dafür alle paar Minuten gerufen, um eine andere Geschichte zu starten. Ansonsten ist es von den Teufelskickern zum Horror-Hörbuch nur ein Klick, die entsprechenden Vorschläge sind oft nichts für Kinderohren. Anders sieht es bei Tigertones aus, das sich an Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren richtet und die Bibliothek hinter der Box ist.

Die Android-basierte Tigerbox bietet mehr Möglichkeiten.
Die Android-basierte Tigerbox bietet mehr Möglichkeiten.

In der Tigerbox Touch werkelt Android und die Bedienung über das Display stellt selbst frisch den Windeln entwachsene Digital Natives kaum vor Probleme. Das gewünschte Cover antippen, Play drücken, fertig. Über die zugehörige App behältst du als Elternteil die Fäden in der Hand. Du kannst bei einem aktiven Abo beispielsweise definieren, für welchen Altersbereich die angezeigten Geschichten geeignet sein sollen oder für welche Themenbereiche sich dein Kind besonders interessiert. Pferdegeschichten? Piraten? Prinzessinnen? Einzelne Geschichten auszuwählen und als Favoriten auf der Box anzeigen zu lassen, ist ebenfalls möglich. Diese hat einen 8 GB grossen internen Speicher. Das hört sich nach wenig an, reicht aber aus, um viele Hörspiele offline verfügbar zu haben. Besonders praktisch ist für mich, dass sich über die Tigertones-App parallel eine zweite Geschichte abspielen lässt, falls sich die Kinder mal nicht einigen können. Ach ja, die Kinder. Es wird Zeit für ihre Meinung. Wobei die Tigerbox Touch den Vorteil hat, dass die Begeisterung für sie noch frisch ist.

Die Meinung der Kinder

Meine Tochter nimmt ihre Aufgabe als Testerin sehr ernst. Sie bittet mich, alles genau mitzuschreiben, als ich nach ihrer Meinung frage. Mein Sohn ist ihr Sidekick, der ab und zu etwas dazwischenruft. Also: Was ist an der Toniebox, was an der Tigerbox Touch besser?

Tochter: «An der Toniebox ist cooler, dass man die Figuren einfach nehmen und draufstellen kann. Bei der Tigerbox muss man es immer so suchen (wischt mit dem Finger durch die Luft). An der Tigerbox ist cooler, dass man nicht jede einzelne Figur haben muss.»

Sohn (weinerlich): «Ich habe nicht so viele Tonies. Sie hat viiiiiel mehr! (Wieder fröhlich) Die Tigerbox ist schöner, weil der Tiger da drauf ist.»

Das Tigerlogo ist beleuchtet, dazu gibt es an der Unterkante noch eine LED-Leiste, die passend zum Sound aufblinken oder als Nachtlicht eingeschaltet werden kann. Beide Lichter lassen sich konfigurieren und kommen bei den Kindern sehr gut an.

Tochter: «An der Tigerbox finde ich cooler, dass es so leuchtet, der Tiger und das unten. Und dass es so ein bisschen im Takt ist.» Meine Tochter kontrolliert, was ich schreibe, und ist zufrieden. «Richtig.» Das Zitat ist autorisiert. Weiter im Text.

Tochter: «Bei der Toniebox finde ich ganz gut, dass wenn sie runterfällt, sie nicht gleich kaputt geht. Weil sie ist schon oft runtergefallen.»

Sohn: «Die Tigerbox ist nur einmal runtergefallen! In meinem Zimmer.»

Das ist ein guter Punkt. Die Toniebox ist rundum gepolstert und verzeiht es, häufiger mal durch die Gegend gewürfelt zu werden. Die Tigerbox Touch hat ein Display und Bambusholz auf der Oberseite. Ob die dünne Silikonhülle an den Kanten einen heftigen Sturz entscheidend abmildern kann, will ich lieber nicht ausprobieren.

Tochter: «Ich finde das Holz schöner als das Plastik. Und es ist gut, dass man bei der Tigerbox andere Geschichten dort weiterhören kann, wo man aufgehört hat.»

Nach Meinung der Kinder ist die Tigerbox Touch klarer Punktsieger.

Meine Meinung

So schön die Toniebox für Kleinkinder (und Eltern) ist – die Tigerbox-Touch ist durch das umfangreiche kindgerechte Streaming-Angebot auf lange Sicht interessanter. Zwar können wir in der Stadtbibliothek immer mal wieder neue Tonies ausleihen, aber das endlose Hörspiel-Angebot auf Spotify hat ihnen den Rang abgelaufen. Würde ich mir den Familienaccount dort sparen, käme mich das Abo mit den Tigertickets nicht viel teurer.

Sechs Monate Tigerticket oder fürs gleiche Geld drei bis vier neue Tonies?
Sechs Monate Tigerticket oder fürs gleiche Geld drei bis vier neue Tonies?

Was die Soundqualität angeht, nehmen sich die Systeme nicht viel. Die Toniebox liefert mono 1 x 3 Watt, die Tigerbox stereo 2 x 2,4 Watt. Beides ist okay und für mich kein Entscheidungskriterium. Das Beste ist ohnehin, dass du die maximale Lautstärke begrenzen kannst. Beide haben ausserdem einen Kopfhöreranschluss, den wir auf Autofahrten gelegentlich genutzt haben. Bei einer der Tonieboxen ist er leider nach innen gebrochen. Dazu kommt ein defekter Akku in der Garantiezeit, woraufhin das Gerät ersetzt wurde. Ansonsten macht die Toniebox seit anderthalb Jahren alles mit und muss seltener geladen werden. Zwar sollte die Tigerbox mit acht Stunden sogar etwas länger durchhalten, aber da die Kinder praktisch pausenlos über das Display wischen, geht ihr in der Regel schneller der Saft aus. Während die Toniebox eine eigene Ladestation hat, befindet sich an der Tigerbox Touch ein USB-C-Anschluss. Um dessen Unversehrtheit mache ich mir ebenso Sorgen wie um das 3,9" Touchdisplay.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

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