Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Galaxus Logo
Hintergrund Fotografie925

Darum werden Firmware-Updates bei Kameras immer wichtiger

Früher erhielt die Kamera bestenfalls ein Update, wenn ein offensichtlicher Fehler behoben werden musste. Heute werden regelmässig neue Features wie ein besserer Autofokus nachgerüstet. Die Hintergründe einer erfreulichen Entwicklung.

In letzter Zeit sind diverse Meldungen zu Firmware-Updates auf mich eingeprasselt. Sony hat für die A7 III und für die A9 umfassende Updates geliefert. Sie verbessern den Autofokus, bringen aber auch neue Funktionen wie Intervallaufnahmen. Dieser Testbericht gibt einen Eindruck, wie umfangreich das Update zur Sony Alpha A9 ist.

Weitere aktuelle Beispiele: Fujifilm verbessert den Autofokus der X-T3 per Firmware-Update. Nikon hat für die spiegellosen Z-Kameras den Augen-Autofokus nachgeliefert. Weniger spektakulär, aber für mich persönlich wichtig war diese News: Die Nikon D5600, D7500 und D850 lassen sich jetzt endlich per Wi-Fi mit dem Smartphone verbinden.

Es ist ein Trend, der sich schon länger abzeichnet: Updates für Kameras werden zum Werbemittel.

Rechenleistung befeuert Software-Entwicklung

Firmware-Updates für Digicams gab es schon immer. Doch lange Zeit lieferten sie in erster Linie Fehlerbehebungen. Das ist heute anders. Viele Updates erweitern den Funktionsumfang der Kamera.

Das hat mit der technischen Entwicklung zu tun. Computer sind ein wichtiger Teil von Digicams. Die Fortschritte in der Rechenleistung sind seit langer Zeit viel grösser als in der Optik oder der Sensortechnik. Wenn die Entwickler diese Leistung mit fortschrittlicher Software nutzen, können sie eine Menge herausholen.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Autofokus. Der besteht zwar auch aus Hardware-Elementen, doch die Software wird immer wichtiger. Heutige Autofokus-Systeme stützen sich zu einem grossen Teil auf Echtzeit-Bildanalyse. Erst dadurch wird es möglich, den Fokus automatisch auf die Augen zu legen oder ein Motiv zu verfolgen, das sich bewegt. Dazu braucht es intelligente Software.

Hier ist eigentlich kein Gesicht zu sehen. Mit dem neusten Firmware-Update für die Sony Alpha A9 soll der Autofokus das Motiv trotzdem zuverlässig tracken.

Firmware-Updates als Wettbewerbsvorteil

Natürlich mögen die User kostenlose Firmware-Updates. Wenn ein Hersteller dafür bekannt ist, nicht mit Aktualisierungen zu geizen, kann das ein Wettbewerbsvorteil sein. Die Kamera veraltet weniger schnell. Umgekehrt schafft sich bestimmt keine Freunde, wer die Neuerungen nur für neue Kameras freigibt, obwohl es technisch einfach wäre, sie auch bei bestehenden Modellen nachzuliefern.

Das ist auch der Grund, wieso die Konzerne Firmware-Updates ankündigen, lange bevor sie überhaupt verfügbar sind. Sony hat für die A9 nicht nur die nächste, sondern auch schon die übernächste Version vorgestellt.

Nikon hat Augen-Autofokus für die Z6 und Z7 vorsorglich angekündigt – solche Infos können bei der Kaufüberlegung entscheidend sein.

Inoffizielle Firmware-Erweiterungen

Das Zurückhalten von Features kann so weit gehen, dass auch neue Geräte bestimmte Dinge nicht können, einfach nur, weil die Kamerasoftware die Funktion nicht freigibt. Das war früher oft der Fall bei Kompaktkameras, die keine RAW-Files speicherten. Eigentlich erzeugt jede Kamera Rohdaten; die Frage ist nur, ob dir die Software darauf Zugriff gibt oder nicht.

Bei Canon-Geräten lassen sich solche Beschränkungen mit dem Canon Hacker Development Kit aufheben und weitere Funktionen hinzufügen. Heute wichtiger ist Magic Lantern, eine Firmware-Erweiterung, welche wichtige Video-Funktionen von Canon-Kameras nachliefert.

Ein Kaufargument?

Für mich waren Firmware-Updates bislang nie entscheidend bei Kaufüberlegungen. Wenn die Entwicklung allerdings so weiter geht und die Firmen regelrechte Roadmaps herausbringen, könnte das für mich ein Kaufargument werden. Wie stehst du dazu?

Kamera-Updates
Sind Firmware-Updates für dich ein Kaufargument?

Mir ist das egal. Die Kamera muss von Anfang an perfekt für mich sein.

37%

Ich schaue genau darauf, ob ein Hersteller Updates liefert ode sogar angekündigt hat.

33%

Nicht wichtig, aber wenn ich unentschlossen bin, kann es das Zünglein an der Waage spielen.

28%

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

<strong>Sony Mobile</strong>: Ein Marketing-Märchen und ein Blick in eine unsichere Zukunft
HintergrundFotografie

Sony Mobile: Ein Marketing-Märchen und ein Blick in eine unsichere Zukunft

Das neue Kamerasystem <strong>Nikon Z</strong> kommt Ende September
Video
ProduktvorstellungFotografie

Das neue Kamerasystem Nikon Z kommt Ende September

Avatar

David Lee, Zürich

  • Senior Editor
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

9 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen

User urswuergler

Sehr interessanter Artikel. Software wird immer mehr zum Unterscheidungs-Merkmal zwischen den Herstellern und deshalb werden auch Firmware-Updates wichtiger. In meinem Fall würde das beispielsweise heissen, dass ich Richtung Sony driften könnte, wenn ich mich wieder stärker mit Vollformat-Kameras beschäftigen möchte (aktuell nicht geplant).
Unproblematisch sind die Updates nicht. Man kriegt bei eilig auf den Markt geworfenen Produkten mitunter den Eindruck, dass der Käufer in ein noch nicht fertiges Produkt investiert und dann hoffen muss, dass der Hersteller die Produktpflege ernst nimmt. Zudem fällt auf, dass solche nachgereichten Features (etwas anders als es im Artikel steht) eher diskret beworben werden: wenn man davon ausgehen muss, dass das Gros der Anwender sich nie die Zeit nehmen wird, etwa die Firmware eines Objektivs aufzufrischen, bewirbt der Hersteller lieber Eigenschaften, die alle Anwender tatsächlich einsetzen.
Was AI angeht: einer der wenigen Hersteller, der sich zum Thema explizit geäussert hat, ist Olympus. Man hat bekannt gegeben, das man bei der OM-D E-M1X ohne AI das Tracking von Motorrädern oder Zügen nie in der angebotenen Qualität hätte erriechen können. Und meine Panasonic G9 klebt derart an sich sehr schnell bewegenden Tennis-Rackets, dass es eine Freude ist. In der nächsten Version wird man wahrscheinlich nicht einmal mehr den Auslöser betätigen müssen ...

21.05.2019
User juerg.bernhard

Ist ja alles schön und gut mit den Einstellmöglichkeiten - die meisten Leute nutzen 90% davon nicht. Wohl weil es keinem wirklichen Bedürfnis entspricht. Ich will nichts schlechtmachen, begrüsse gerne technische Neuerungen und fotografiere seit langem digital (derzeit mit Begeisterung Nikon Z6), aber ich habe mit meiner F4 in den 90-er Jahren selten die „Augenschärfe“ nicht getroffen. Vielleicht liegt es an unserer Zeit, wo alles schnell und - unterstützt durch intelligente Elektronik - ohne viel eigenes Zutun im Ergebnis auf Anhieb perfekt herauskommen soll. Ich gestalte gerne selber, ohne fragwürdige „Dein Style“-Vorgaben aus der Werbewelt. Aber bitte, jedem das, was ihm am besten zusagt und am meisten Spass macht. Apropos Augenautofokus oder generell für Schärfentiefeprobleme: Wenn die Freistellung des Hintergrundes als Bildgestaltungsmittel keine Rolle spielt, gibt man der Kamera z.B. Blende 8 fix vor. Problem im Griff. Sagt meine Erfahrung. Auch digital natürlich. Keep it simple and stupid.....!

28.05.2019
User Anonymous

Das ist gerade eine gute Erinnerung daran....
Aber das mit Nikon und dem Augenfokus sieht mir nach einem kleinen "Betrug" aus. Für den Augenfokus muss die Hardware dafür ja schon eingebaut sein somit ist das wohl eher mit absicht so gemacht worden um nacher zu sagen ja wir bringen ja neue Sachen für bestehende Kameras.

21.05.2019
User Screwface

Der Augen-AF ist genaugenommen "nur" ein erweitertes AF-Tracking und beruht vorwiegend auf AI-Algorithmen und "Deep-Learning", welche in erster Linie durch die verfügbare Rechenleistung und die Geschwindigkeit, Genauigkeit/Empfindlichkeit, Verteilung und Anzahl Autofokuspunkte begrenzt wird. Die "Qualität" der Programmierung, bzw. den Programmcode an sich, lässt sich immer optimieren und falls Leistungsreserven verfügbar sind, auch erweitern, wie z.B. Sony dies unlängst mit dem Tieraugen-AF-Tracking gemacht hat. Würden die Hersteller damit warten, bis alle Möglichkeiten voll ausgeschöpft sind, würde die Kamera wohl nie auf den Markt kommen. Prinzipiell ist diese "Update-Willigkeit" zu begrüssen, da der Konkurrenzdruck für die Hersteller immer grösser wird und der Kuchen immer kleiner. Lange Zeit war dies nicht so, zumindest bei den Grossen in der Branche.

21.05.2019
User Anonymous

@Screwface Also entweder verstehe ich die funktion Augen AF falsch oder du hast nicht ganz verstanden was ich meine. Augen AF heisst für mich, dass das Auge getrackt wird und so der bereich scharfgestellt wird in den man schaut. und somit müsste ja ei Tracking des Augapfels vorhanden sein. AI Algorythmen haben für mich nicht viel damit zutun. Aber evtl verstehe ich da ja wirklich was falsch da ich mich noch nie mit einem Augen AF befast habe.

21.05.2019
User Anonymous

Ups jop da habe ich was falsch verstanden. Augen AF heisst für die Hersteller, dass die Augen erkannt werden und nicht, dass der AF auf das Auge des Fotografen reagiert. Allerdings zweifle ich stark an einer richtigen AI bei diesem Thema aber heute nennen die Hersteller alles AI auch wenn das meiste keine Artificial Intelligence ist.

21.05.2019
User Screwface

Darum auch "AI-Algorithmen" und nicht einfach eine voll umfängliche künstliche Intelligenz. Aber das mit dem Fokus-Punkt dort platzieren, wo man im Sucher hinschaut. wäre wirklich mal ein wünschenswertes Feature. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es im Kamerabereich so etwas, abseits von Tobii - Eye Tracking/Control, schon irgendwo gab, oder noch gibt.

21.05.2019
User Anonymous

Hmmm ich habe auch das Gefühl kann aber nicht sagen wo/welche Kamera. Ich weis nur, dass es solche Technologie für Streamer definitiv gibt wo dann den Leuten angezeigt wird wo der Streamer hinschaut. Habe das mal bei einem gesehen.

21.05.2019
Antworten