Darf man Bücher zu Deko-Elementen degradieren?
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Darf man Bücher zu Deko-Elementen degradieren?

Natalie Hemengül
Zürich, am 22.06.2018
Man munkelt, Bücher seien zum Lesen da. Alles nur Gerüchte. Meine Theorie: Bücher sind Deko-Objekte – mit inneren Werten.

Es heisst, man solle ein Buch nie nach seinem Einband beurteilen. Aber genau das tue ich am liebsten. Für mich zählt das Erscheinungsbild eines Schmökers oder Magazins genauso sehr, wie die Message, die sich darin verbirgt. Ist es denn wirklich so falsch, sich lieber ein hübsches Buch ins Regal zu stellen, das sich stimmig in den Rest der Einrichtung fügt? Eines, das mir bei seinem blossen Anblick ein wohlig warmes Gefühl verleiht? Ich finde nicht. Mein Freund hingegen fasst sich häufig an den Kopf (gerne auch mit beiden Händen), wenn er sieht, dass ich ein Buch wieder zum Deko-Objekt degradiert habe. In seinen Augen sollten Bücher nur dem erhabenen Zweck der Bildung und oder Unterhaltung dienen. Sollten.

Sherlock und das Geheimnis der dicken Wälzer

Eine besonders grosse Schwäche hege ich für ledergebundene Klassiker. Sie versprühen einen unwiderstehlichen Charme und verleihen meinem Bücherregal das gewisse Etwas, welches ich nicht in Worte zu fassen vermag. Sie verkörpern das Alte in der Hülle von etwas Neuem. Zudem ist es etwas Grossartiges, so viele Abenteuer in greifbarer Nähe zu wissen.

Fun Fact: Meinen heiss geliebten 4-Kilo-Sherlock-Holmes-Sammelband kaufte ich mir in London im Sherlock Holmes Museum. Zurücklassen war keine Option. Schliesslich sah ich das gute Stück schon vor mir, wie es voller Stolz mein Bücherregal schmückt. Dass ich mir den Wälzer auch in der Schweiz einfach hätte bestellen können, fiel mir nicht ein. Wäre auch zu einfach gewesen – und mein Koffer zu leicht.

Mittlerweile findest du in meiner Wohnung aber leider mehr unberührte Bücher, als solche, die ich tatsächlich gelesen habe. Das macht mich nicht wirklich stolz, aber meine Wohnung auf jeden Fall ein Stück hübscher und – ganz wichtig – gemütlicher.

Drei meiner liebsten Exemplare in Action
Drei meiner liebsten Exemplare in Action

Da war ja noch was, ach ja, die inneren Werte ...

Wie bereits oben erwähnt, habe auch ich nichts gegen innere Werte – im Gegenteil, ich schätze sie sogar sehr. Aber vielleicht drücke ich meine Wertschätzung etwas anders aus, wie so manch anderer. Zum Beispiel in dem ich für mich bedeutungsvolle und zauberhaft illustrierte Seiten vorsichtig aus einem Buch heraustrenne, einrahme und dann aufhänge. Ich greife hierbei am liebsten zu alten Disney-Kinder-Büchern, die ich in der Brockenstube gefunden habe.

Fashionistas und Beauty-Gurus lesen nicht – oder doch?

Das Ganze «Bücher als Deko»-Ding lässt sich aber auch etwas weniger herb gestalten. So werden Beauty- und Style-Ratgeber, sowie Lifestyle-Magazine sehr häufig auf Nachttischchen, Regalen oder Couchtischen als dekorative Elemente eingesetzt. Aber wenn du mich fragst, kommen die nicht mal ansatzweise an meine dicken Wälzer ran ...

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Editor, Zürich
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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