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Computex: 660 Tonnen trotzen jährlich über 4000 Erdbeben

Es ist zwar keine Neuheit, aber dennoch ein Meisterwerk der Technologie und Baukunst. Mit einem Besuch des mächtigsten Tilgerpendels der Welt verabschieden wir uns von der Computex 2019 und Taipeh.

Ein Gewicht von etwa 132 Elefanten hängt zwischen dem 88. und 92. Stockwerk des einst grössten Wolkenkratzers der Welt: 660 Tonnen wiegt das vergoldete Stahlpendel des 508 Meter hohen Wolkenkratzers Taipei 101. Es soll den Turm stabilisieren.

Normalerweise benötigt es viel Geduld, um das Tilgerpendel zu besuchen. Kevin und ich haben uns glücklicherweise gut informiert: Punkt 9 Uhr sind wir vor dem Gebäude und müssen nicht anstehen. Eine halbe Stunde später wartest du bereits über 30 Minuten – ab Mittag noch länger.

Mit dem Lift fahren wir mit bis zu 60 km/h ins 89. Stockwerk. Es kribbelt im Bauch und knackt in den Ohren. Zu Fuss geht’s auf die Aussichtsplattform des 91. Stockwerks. Die Aussicht ist eindrücklich, auch wenn der Smog den Weitblick – wie man ihn in der Schweiz auf die Alpen geniessen könnte – verhindert.

Taiwan ist jährlich von über 4000 Erdbeben und bis zu neun Taifunen betroffen – jedes fünfte Jahr gar von einem schweren Erdbeben. Da braucht es Mut respektive die richtige Technologie, um einen Wolkenkratzer wie den Taipei 101 zu bauen. Der war übrigens bis 2007 der grösste Wolkenkratzer der Welt, Antennen und Masten ausgenommen.

Taipei 101, derzeit das zweithöchste Bürogebäude der Welt, hat fünf unterirdische und 101 überirdische Stockwerke. Die Konstruktion ist einem Bambus nachempfunden. Gestützt wird der 101 mit 557 Betonpfeilern. Zur Stabilisierung befinden sich in den Antennen zwei 4.5 Tonnen schwere Dämpfer. Und dann ist da dieser mächtige Pendel mit seinen fünf Metern Durchmesser.

Die mächtige Kugel besteht aus 41 massiven Stahlplatten verschiedener Durchmesser. Sie sind jeweils 12.5 cm dick und fest miteinander verschweisst.

16 Stahlseile, die jeweils aus mehr als 2000 verwebten Stahlsträngen bestehen und ein Gesamtgewicht von 20 Tonnen aufweisen, tragen den Dämpfer. Der schwingt wenn nötig bis zu 1.5 Metern auf die Seite. Am Boden unterhalb der Kugel befinden sich jeweils acht schräge und horizontale hydraulische Dämpfer. Die Konstruktion mit der 660 Tonnen schweren Kugel hilft dem Taipei 101 die Gebäudevibration um bis zu 40 Prozent zu reduzieren. Nebst dem Schutz vor Erdbeben und Taifunen reduziert das Teil auch normale, windbedingte Schwankungen und stabilisiert den Turm.

Übrigens: Tilgerpendel wie im 101 können sonst nirgendwo auf der Welt öffentlich besucht werden. Schade, denn so ein Teil mit eigenen Augen zu sehen ist beeindruckend und die Technologie dahinter umso mehr.

Damit beenden wir unsere Berichterstattung aus Taipeh. Wie fandest du unsere Beiträge zur Computex? Sollen wir nächstes Jahr wieder gehen? Was müssen wir – nebst unserem Englisch – verbessern? Schreib’s in die Kommentarspalte.

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Martin Jud, Zürich

  • Editor
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

5 Kommentare

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Vielen Dank für den abschliessenden Artikel, spannend.
Habe die News zur Computex immer gerne gelesen und würde mich auch bei der nächsten Computex freuen, wieder was von euch darüber zu lesen.

01.06.2019
User daccurda

Jährlich 4000 Erdbeben wären ja fast 11 Erdbeben am Tag. Bist du dir sicher? :D

03.06.2019
User Anonymous

Ein Erdbeben muss nicht immer gleich spürbar sein. Auf der Richterskala gelten Erdbeben bis zur Magnitude 3.0 als nicht spürbar, trotzdem werden all diese von Seismographen aufgezeichnet. Ich denke schon, dass 4000 Erdbeben locker in einem Jahr vonstatten gehen können.

03.06.2019
User lukee910

Sogar in der Schweiz gibt es einige Erdbeben, ein kurzes Googeln ergab einen Schnitt von 23 im Jahr, die zumindest ein bisschen spürbar sind. Hier ein Dokument der ETH dazu: seismo.ethz.ch/export/sites...
Da kann ich mir gut vorstellen, dass es in einem stark gefährdeten Land wie Taiwan immer irgendwo bebt.

07.06.2019
Antworten
User Neistat

Ich habe mir Deine Frage zum Artikel überlegt und keine Antwort gefunden.

12.06.2019