
Hintergrund
Vom Millionen-Slot zum Steam-Absturz: Der «Highguard»-Launch ist Drama pur
von Debora Pape

Das Studio hinter den gefeierten Remakes von «Demon's Souls» und «Shadow of the Colossus» gibt es nicht mehr. Seit Jahren gehört Bluepoint zu Sony, nun ist plötzlich Schluss. Eine Geschichte ohne Gewinner.
Was war das beste Launch-Game für die Playstation 5? Für viele ganz klar das «Demon's Souls»-Remake von Bluepoint Games.
Ursprünglich 2009 für die PS3 erschienen, legte From Softwares Action-RPG den Grundstein für das Soulslike-Genre, das später mit «Dark Souls» revolutioniert und mit «Elden Ring» perfektioniert wurde. 2020 erhielt «Demon’s Souls» vom texanischen Studio ein grafisches Glow-Up.
Bluepoint hatte bereits zwei Jahre zuvor Fans mit der famosen Neuauflagedes PS2-Kulthits «Shadow of the Colossus» beglückt. Davor begeisterten die Amerikaner mit Remaster-Collections von «Uncharted», «God of War» und «Metal Gear».
Nicht nur die Fans waren glücklich mit Bluepoint Games’ hervorragendem Output, auch Sony erkannte das Talent der Entwickler und kaufte das Studio im Jahr 2021.
Umso weniger kann ich nachvollziehen, dass der Playstation-Konzern am 20. Februar 2026 bekannt gab, dass Bluepoint Games geschlossen wird.

Die News kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Nicht, dass es jemals einen tollen Moment gäbe für solche Hiobsbotschaften, aber bei Sony brennt seit einer Weile die Hütte. Einige Fehlgriffe habe ich ausführlich in meinem Artikel zum fünfjährigen Geburtstag festgehalten. Die frustrierendsten wiederhole ich hier kurz:

Neben diesen gröberen Patzern kommt es immer wieder zu Kontroversen, mit denen die Marke kontinuierlich Goodwill verspielt. Etwa das vermeidbare Drama um den PSN-Zwang für PC-Spielerinnen und Spieler. Oder die Tatsache, dass bei Sony anscheinend niemand ruhig schlafen kann, wenn nicht mindestens alle zwei Wochen eine neue Version von «The Last of Us» erscheint.
Nun reiht sich die Schliessung von Bluepoint Games in dieses traurige Resümee ein. Fans und Medien bleiben ratlos zurück.
In den Worten des Angry Video Game Nerds: «What were they thinking?!»
Nach der Übernahme durch Sony arbeitete Bluepoint Games primär an einem Spiel: einem Live-Service-Ableger von «God Of War».
Hier fehlt mir jegliches Verständnis dafür, warum dieses Projekt durchgewinkt wurde. Wer hat jemals «God of War» gespielt und gedacht: «Ist ja cool, aber noch besser wär’s, wenn mir ein mies gelaunter Mitspieler ins Ohr schreien würde, dass er mit meiner Mutter geschlafen hat.»
Storytelling und Charakterentwicklung sind die DNA der Götter-Franchise. Eine Online-Version davon klingt bereits auf dem Papier wie eine unsägliche Idee.
Wie das Projekt auf dem Tisch des texanischen Studios landete, ist nicht bekannt. Unbestätigten Aussagen zufolge wollte Bluepoint Games raus aus der Remaster/Remake-Nische. Aber würde sich ein Team, das sich seiner eigenen Stärken bewusst ist, als Erstes für die Produktion eines Live-Service-Games entscheiden? Das ist nicht nur eine andere Art Spiel, das ist ein komplett neues Spielfeld.

Hinzu kommt, dass das Studio für diese Aufgabe zu klein gewesen wäre. Zuletzt arbeiteten knapp 80 Personen bei Bluepoint Games. Klar, auch 80 Personen ohne Live-Service-Erfahrung könnten theoretisch ein solches Projekt stemmen, aber die Erfolgschancen sind gering.
Zum Vergleich: An «Highguard», dem jüngsten Live-Service-Punching Bag des Internets, werkelten über 100 Leute. Geführt wurden sie von einem Team, bestehend aus Ex-«Apex Legends»-Entwicklern – den Machern von einem der besten Multiplayer-Shooter der letzten zehn Jahre. Trotz besserer Ausgangslage deutet derzeit alles darauf hin, dass auch «Highguard» scheitern wird.
Wie also war es je realistisch, dass ein kleineres Team ohne Genre-Background ein stimmiges Produkt abliefern sollte? Und selbst wenn der Anstoss dafür von Bluepoint selbst kam, wäre es nicht die Aufgabe eines guten Vorgesetzten, den Pitch auszuschlagen? Schuster und Leisten und so.
Ich kann ganz ordentlich schreiben, das bedeutet aber nicht, dass ich das Zeug habe, um Drehbücher zu verfassen (wobei: Seit Längerem schlummert eine Idee in mir. Ein Pantomime stellt fest, dass er Menschen in unsichtbaren Boxen einsperren kann und er nutzt dise Macht, um seine Geliebte für sich zu gewinnen. Eine erotische Komödie mit Nicolas Cage in der Hauptrolle und Idris Elba als seinem Gegenspieler. A24, ihr habt meine Nummer).
Playstation Co-CEO Herman Hulst begründet die Schliessung von Bluepoint Games mit «Herausforderungen der Branche», «verändertem Spielerverhalten» und «schwierigen Wirtschaftverhältnissen». Sein Statement liest sich wie ein Bullshit-Bingo der üblichen Tech-Konzern-Ausreden. Eigenverantwortung oder Selbstreflexion sucht man vergebens.
Fairerweise muss erwähnt werden, dass Hulst nicht als einziger Schuld an der Misere ist. Viele der oben erwähnten Punkte sind das Ergebnis von Jim Ryans Missmanagement. Hulsts Vorgänger hatte von 2019 bis 2024 die Sony-Zügel in der Hand und etablierte während dieser Zeit einen dogmatischen Live-Service-First-Ansatz.

Nun könnte man einwerfen: Live Service ist halt da, wo das Geld liegt. Und die Zahlen geben dem sogar recht – 53 Prozent des Playstation-Umsatzes werden von gerade mal zehn Titeln erwirtschaftet. Im Finanzjahr 2024 (endete im März 2025) waren das:

Dass Sony dieses Feld intensiv beackert, ist nachvollziehbar. Aber warum wirkt alles so planlos? Gibt es bei Sony überhaupt eine erkennbare Strategie oder wird einfach gewürfelt, welches Studio als nächstes ein Live-Service-Experiment ausbaden darf? Die vergangenen sechs Jahre legen Letzteres nahe.
Stossend finde ich zudem die Diskrepanz zwischen dem Erfolg von Playstation und der anhaltenden Reduktion des Personals. Zuletzt verbuchte Sony im Videospiel-Segment im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 9 Prozent – im selben Zeitraum wurden drei Studios geschlossen.
Als der «Concord»-Entwickler Firewalk Studios geschlossen wurde, überwog bei der Community die Schadenfreude. Bei Bluepoint Games ist das anders. Viele Fans machen sich gerade auf den Social-Media-Kanälen von Playstation Luft. «Ich habe jegliches Vertrauen verloren. Bluepoint war eins der talentiertesten Studios», lautet einer der wenigen Kommentare auf X, den ich hier unzensiert wiedergeben kann.

An Sonys Strategie wird die Aufregung wenig ändern. Ausserdem hat der Elektronikkonzern gerade ganz andere Sorgen: Gemäss verschiedener Quellen zwingt die KI-bedingte RAM-Knappheit Sony dazu, den Nachfolger der PS5 zu verschieben. Die PS6 soll frühestens im Jahr 2028 erscheinen. Eine Bestätigung steht noch aus.
Vielleicht wollen die Entscheidungsträger die bis dahin frei gewordene Zeit für ein bisschen Selbstfindung nutzen. Die Branche hätte es nötig – und Sony ganz besonders. Denn während der Konzern fleissig Quartalszahlen feiert, türmt sich im Hintergrund ein Scherbenhaufen aus geschlossenen Studios und frustrierten Konsumenten.
Abschliessender Fun Fact nach dieser tristen Analyse: Ich dachte bis heute, dass das Spiel «Demon Souls» heisst. Das Genitiv-s habe ich 16 Jahre lang überlesen. Ok, «fun» ist anders. Sorry.
In den frühen 90er-Jahren vererbte mir mein älterer Bruder sein NES mit «The Legend of Zelda» und startete damit eine Obsession, die bis heute anhält.
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