
Autoplay, Endlosschleife, Algorithmus: Warum die EU TikTok ins Visier nimmt
Die EU-Kommission wirft Tiktok vor, mit seinem App-Design Suchtverhalten zu fördern. Nun prüft Brüssel mögliche Konsequenzen nach dem Digital Services Act.
Die Europäische Kommission hat festgestellt, dass die Social-Media-Plattform Tiktok in ihrer derzeitigen Form gegen europäisches Recht verstösst. Nach einer mehrjährigen Überprüfung kommt die Behörde zum Schluss, dass bestimmte technische Merkmale der App ein hohes Suchtpotenzial für Nutzerinnen und Nutzer bergen könnten. Was das für Konsequenzen haben könnte, soll nun im Rahmen des Digital Services Acts (DSA) überprüft werden.
Wo liegt das Problem?
Im Zentrum der EU-Kritik stehen mehrere technische Funktionen, die Tiktok standardmässig einsetzt.
- das sogenannte Infinite-Scroll-Feature, bei dem endlos neue Inhalte nachgeladen werden
- die automatische Video-Wiedergabe (Autoplay)
- personalisierte Empfehlungssysteme
- Push-Benachrichtigungen, die Nutzerinnen und Nutzer regelmässig in die App zurücklocken.
Nach Ansicht der Kommission schaffen diese Mechanismen ein Umfeld, in dem Gehirnprozesse «in einen Autopilot-Modus» übergehen – ein Zustand, in dem Nutzer und Nutzerinnen wiederholt und unbewusst Inhalte konsumieren. Diese Dynamik könne zwanghaftes Verhalten fördern und damit das körperliche und psychische Wohlbefinden beeinträchtigen. Die Behörde weist darauf hin, dass Tiktok bei der Bewertung der möglichen Risiken für Minderjährige und andere besonders empfindliche Nutzergruppen nicht ausreichend vorgegangen sei. Wichtige Indikatoren – etwa die nächtliche Nutzungsdauer Jugendlicher oder wie oft die App gestartet wird – seien bei der internen Risikoanalyse nicht bedacht worden.
Was soll sich ändern?
Die EU-Kommission fordert klare Anpassungen am grundlegenden Design der Plattform. Dazu zählen unter anderem:
- die Einführung zwingender Bildschirmzeit-Pausen
- wirksame Optionen zur Begrenzung der Nutzungsdauer
- Möglichkeiten, das Empfehlungssystem weniger persönlich zu gestalten
- langfristig sogar die Abschaltung von Funktionen wie «Infinite Scroll», die das ständige Weiterscrollen erleichtern.
Brüssel hält bestehende Tools von Tiktok für unzureichend. Demnach lassen sich Zeitbeschränkungen zu einfach umgehen und auch die vorhandenen Kontrollmechanismen wirken nicht effektiv genug, um die Nutzung tatsächlich zu begrenzen.
Tiktok widerspricht – was droht?
Tiktok hat die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen. Eine Unternehmenssprecherin erklärte, die vorläufigen Ergebnisse der EU-Kommission seien «kategorisch falsch und völlig haltlos». Man werde «alle notwendigen Schritte unternehmen, um diese Ergebnisse anzufechten».
Rechtlich gesehen hat das Unternehmen die Möglichkeit, gegen die Vorwürfe Stellung zu nehmen und Anpassungen vorzuschlagen. Kommt es zu keiner einvernehmlichen Lösung, könnte die Kommission formell einen Verstoss gegen den DSA feststellen. Dann droht eine Geldbusse von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des Konzerns – eine Summe, die im dreistelligen Millionen- bis Milliardenbereich liegen könnte.
Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.
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