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Inspiration 14

Atomic Blonde: Im Osten nichts Neues

Kalter Krieg, mitten im Sommer. Zugegeben, so warm ist der Sommer nun auch nicht mehr. Ein Grund mehr, ohne schlechtes Gewissen eineinhalb Stunden im Kino zu verbringen. Anlass ist «Atomic Blonde», Spionagethriller mit Charlize Theron als MI6-Agentin. Also lasst uns herausfinden, wie kalt der kalte Krieg in Berlin im Jahre 1989 tatsächlich noch ist.

Den Titel find’ ich ziemlich blöd. Das war mein erster Gedanke, als ich von Charlize Therons neuem Film «Atomic Blonde» gehört habe. Ihr Auftritt als Imperator Furiosa in «Mad Max: Fury Road» allerdings hat mich mehr als begeistert. Auch als «psychotic prom-queen bitch» in «Young Adult» fand ich sie grossartig. Und schliesslich macht ein Titel noch keinen Film. Ich beschloss also, der atomaren Blonden eine Chance zu geben. Immerhin sind Geschichten von Frauen, die kämpfen können und andere Frauen küssen, leider noch immer viel zu selten.

Hollywood scheint sich aber doch langsam an den Gedanken zu gewöhnen, dass auch Frauen hauen können. Eine dieser Frauen ist Charlize Theron. Sie wird von Schauspielkollege Chris Hemsworth (Thor, Black Hat) bereits als nächster Bond gehandelt. Ich spreche mich ja klar für Idris Elba als 007 aus, aber dies nur am Rande. Eine Agentin ist Theron in «Atomic Blonde» bereits, wer weiss also, was die Zukunft bringt. Der Film ist eine Adaption der Graphic Novel «The Coldest City» und spielt in Berlin, kurz vor dem Mauerfall anno 1989. Ein MI6-Agent wird ermordet. Dabei wird eine Liste entwendet. Diese ist wie der Koffer in Pulp Fiction: Alle wollen sie haben, niemand weiss genau, was sie enthält.

Klar ist nur, dass die Liste eine ganze Reihe von Doppelagenten enttarnen kann. Auftritt Charlize Theron als Lorraine Broughton, ebenfalls MI6-Agentin und wortkarge Protagonistin. Die titelgebende atomare Blonde. Ihr Auftrag: Das Wiederbeschaffen der Liste und den KGB aufmischen.

John le Carré trifft Stranger Things

Rein ästhetisch erinnert der Film mit seinem 1980er Flair an die Netflix-Serie «Stranger Things». Wenn Eleven (Millie Bobby Brown) einmal erwachsen ist, will sie aber nicht Lorraine werden, sondern wohl eher Imperator Furiosa. Auch die Filmmusik lässt die Ära von Schulterpolstern und Dauerwellen aufleben und macht grossen Spass. Von The Clash über Queen bis hin zu David Bowie und Siouxsie and the Banshees ist alles mit dabei.

Die Voraussetzungen sind also vielversprechend. Was dem Film aber in die Quere kommt, ist seine Handlung. Je länger der Plot vor sich hin mäandriert, desto mehr habe ich den Faden und die Geduld damit verloren. Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, was die allgemeine Verwirrung nur vergrössert. Die einzige Kontinuität bietet da Lorrains Haarfarbe. Ihre Mission ändert sich etwa alle 15 Minuten. Als klar wird, dass ein Maulwurf ihren Auftrag torpediert, sind wir immerhin wieder beim guten alten Spionagefilm. John le Carré lässt grüssen. Broughton prügelt sich brutal weiter durch Berlin und trifft dabei auf die französische Agentin Delphine Lasalle (Sofia Boutella), mit der sie eine Affäre beginnt. Diese wirkt leider etwas gar wie der Fiebertraum eines 13-jährigen. Ganz nach dem Motto «Wenn zwei sich küssen, freut sich der Dritte.»

Weil die Protagonistin ohne Vorgeschichte oder erkennbare Motivation auskommen muss, weckt sie auch wenig Sympathie oder Interesse. Dieses Schicksal teilt sie mit den anderen Figuren. So wird der komplizierte Plot von den fleischlosen Figuren auch nicht wirklich getragen.

Killer Queen Lorraine

Was dem Film in nachvollziehbarer Handlung und ausgearbeiteten Charakteren fehlt, macht er mit seinen Kampfszenen wett. Diese scheinen umso beeindruckender wenn man weiss, dass Charlize Theron einen Grossteil ihrer Stunts selbst dreht. Wenn sie sich über sieben Minuten ein Treppenhaus hochprügelt wird alles andere zweitrangig. Seinen Fokus hat Regisseur David Leitch (John Wick) ganz klar auf die diversen physischen Auseinandersetzungen gelegt. Diese Szenen sind durchdachter und spannender gestaltet, als die übrige Geschichte. Interessanterweise sind dies auch die Momente, wo am ehesten so etwas wie Lorraines Charakter sichtbar wird. Wenn sie ihren geschundenen Körper in einer Badewanne voller Eis entspannt und man ihm die Strapazen ihrer Kämpfe ansieht. Dadurch wird klar, dass sie trotz ihrer Unnahbarkeit und ihrer Stärke ein Mensch ist.

Mein Fazit ist dann auch, dass «Atomic Blonde» hauptsächlich ein Zeugnis von Charlize Therons beeindruckenden Kampfsportfähigkeiten ist. Wem der Sinn nach Agenten-Action steht, der ist hier absolut richtig. Wem das nicht reicht, der kann sich auf Taraji P. Hensons «Proud Mary» freuen. Der Film über die Auftragskillerin Mary kommt nächstes Jahr in die Kinos und der Trailer zumindest scheint vielversprechend.

Es bleibt also zu hoffen, dass Hollywood zukünftig vermehrt auf interessante Frauenfiguren setzt, die jedem gehörig in den Arsch treten, der ihnen in die Quere kommt.

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Als Autorin und leidenschaftliche Leserin gehört ein Grossteil meiner Zeit der Welt der Wörter. Ich bin gerne auf Reisen und entdecke die Welt, immer mit einem Buch im Gepäck. Sprachen aller Art begeistern mich, fast so sehr wie die Aussicht auf den nächsten Kaffee.

1 Kommentar

User Anonymous

Der selbe Regisseur wie der von John Wick? Da bin ich doch sofort dabei! Atomic Blonde, here I come!

25.08.2017
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