Apple Keynote: Bilderrätsel – findest du den Fehler?
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Apple Keynote: Bilderrätsel – findest du den Fehler?

Pia Seidel
Zürich, am 28.04.2021
Beim letzten Apple-Event gab es einiges zu sehen – und zu rätseln. Als Interieur-Begeisterte habe ich mir die Kulissen genauer angeschaut. Wohnt dort wirklich jemand? Oder war alles nur für den Dreh inszeniert?

Es war ein kluger Schachzug von Apple, die Leute in der aktuellen Keynote wie in einem Video-Call von zu Hause aus vor der Kamera sprechen zu lassen. Das hatte etwas Vertrautes. In Zeiten des Social Distancings kennen wir diesen Blick auf Menschen nur zu gut. Und doch gab es abseits der Produktvorstellungen Risse im Bild. Die Neuheiten – darunter das iPhone 12 in Violett oder der neue iMac – wurden zwar kreativ vor-, aber auch künstlich dargestellt.

Während der AirTag in einem Kurzfilm mit Schauspielern gezeigt wird, kommentieren diverse Produktdesigner und Entwickler das iPad Pro und seine Features. Dabei sehen wir sie in ihrem Zuhause. Zumindest sollen wir das glauben. Bei genauem Hinsehen bemerke ich aber, dass sie auch lediglich vor einer Filmkulisse sitzen könnten. Um herauszufinden, ob in den Räumen wirklich jemand wohnt, schauen wir sie uns genauer an.

Cindy Lin – Director, Program Management, Media Products Engineering

Dieses Haus könnte aus dem Katalog sein. Es besitzt kein persönliches Souvenir.
Dieses Haus könnte aus dem Katalog sein. Es besitzt kein persönliches Souvenir.

Die Keynote beginnt im Headquarter. Bei Minute 14 schwenkt die Kamera dann als Erstes zu Cindy, die in ihrem Wohnzimmer steht. Dort steht die Lampe «Captain Flint», die vom Designer Michael Anastassiades für den italienischen Lampenhersteller Flos entworfen wurde. Mit einem vierstelligen Betrag ist sie eine bewusste Anschaffung. Was ich von den anderen Gegenständen im Raum nicht gerade behaupten kann. Ob die Vasen auf dem Tisch oder der kleine Kaktus – alles wirkt billig und beliebig. Das liegt auch an der unauthentischen Platzierung: Türkises Sofa, türkise Uhr, türkiser Blumentopf und türkise Yogamatte? Come on! Spätestens bei der Orchidee, die mich an meine Zahnarztpraxis erinnert, ist klar: Hier wohnt keiner. Das Haus stand wahrscheinlich nach dem Bau noch leer und wurde kurz vor der Filmaufnahme mit einigen Dingen gefüllt.

Michael Douse – Divinity: Original Sin 2

Selten gesehen: Ein Lautsprecher und eine Tischlampe auf der Abzugshaube.
Selten gesehen: Ein Lautsprecher und eine Tischlampe auf der Abzugshaube.

Später, ungefähr bei Minute 50, wird das neue iPad Pro in die Hände mehrerer Developers gegeben. Michael ist einer davon. Er steht in einer Küche. Anders als bei Cindy wirkt diese «echter». Warum? Ich denke, dass der Bose-Bluetooth-Lautsprecher links auf der Abzugshaube wohl kaum in einem Apple-Haus stehen würde. Stutzig macht mich aber die Pflanze vor der Mikrowelle. Entweder wärmt Michael nie Essen auf, oder aber jemand dachte, die Pflanze sei für den Dreh ein geeignetes Dekoobjekt. Denn wer würde sie ausgerechnet dort platzieren? Das Gleiche gilt für die verloren wirkende Stehleuchte im Hintergrund. Sie steht direkt vor einer Türe eines Regals. Ziemlich unpraktisch.

Swupnil Sahai – SwingVision

Dieser Raum wirkt so steril wie ein Wartezimmer einer zahnmedizinischen Praxis.
Dieser Raum wirkt so steril wie ein Wartezimmer einer zahnmedizinischen Praxis.

Auch der Gründer der mobilen KI-Plattform für Amateursportler*innen namens SwingVision ist entweder ein Minimalist, gerade erst eingezogen, oder aber nur zu Besuch. Der Raum wirkt wie ein Teil einer Musterwohnung, weil weder in der offenen Küche noch sonst irgendwo etwas herumliegt. Einzig der Schreibtisch deutet darauf hin, dass sich Swupnil hier seinen Arbeitsplatz eingerichtet hat. Ob das nur für den Dreh war, bleibt offen.

David William Hearn – Staff Pad

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Es gibt noch jemanden, der an einer Design-Ikone nicht vorbeigekommen zu sein scheint. Die weissen Rückenlehnen der Stühle in Davids Esszimmer deuten auf den berühmten Eames Shell Chair hin, der heute von der Firma Vitra vertrieben wird, und nicht ganz günstig ist. David ist der Erste in dieser Apple Keynote, der persönliche Bilder an der Wand hängen hat. Oder haben könnte. Das linke Bild, eine Schwarzweiss-Aufnahme, zeigt eine Frau. Weil sie aber nur von hinten und in der beliebten Hold-my-hand-Pose zu sehen ist, könnte das auch irgendwer sein. Nicht zuletzt, weil auch die anderen drei gerahmten Bilder wahllos wirken. Zwei davon haben eine ähnliche Aufschrift. Das deutet darauf hin, dass es sich hier um Stock Photos handelt, Bilder aus Datenbanken im Internet. Die einzigen Objekte, die mich glauben lassen, dass David hier wohnt, sind die angezündeten Stumpenkerzen auf dem Esstisch sowie der Wasserkrug im Regal. Dieser trägt den Namen Gluckigluck. Ein unwissender Stylist hätte wahrscheinlich einen beliebigen fischförmigen Krug wie den von der Marke Serax genommen, weil’s schön aussieht. Kenner*innen entscheiden sich jedoch für das Original aus den 1870er-Jahren; erfunden und so wunderbar benannt von der britischen Firma Thomas Forester & Sons, weil es beim Ausschenken gluckert.

Sahar Fakouhi – ARki

Viele Menschen bauen sich extra einen Kamin ein. Hier wird er mit einem Koffer blockiert.
Viele Menschen bauen sich extra einen Kamin ein. Hier wird er mit einem Koffer blockiert.

Die Entwicklerin Sahar scheint die Kunst der Platzierung von Deko besser zu beherrschen: Hier steht der frische Blumenstrauss nicht vor der Mikrowelle, sondern vor einer freien Wandfläche. Trotzdem ist etwas an diesem Raum komisch. Links im Bild ist ein Kamin zu sehen. Jede*r, der einen solchen besitzt, würde diesen wahrscheinlich gerne nutzen wollen. Hier ist er jedoch der Aufbewahrungsort für einen Koffer, der zwar hübsch, aber deplatziert wirkt. Mit Sicherheit gehört er Sahar. Ob ihr auch das Haus gehört, bezweifle ich.

Sebastian Buys – Line Break Studio

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Last but not least: Entwickler Sebastian ist der Einzige, dem ich zu hundert Prozent abnehme, dass er wirklich dort wohnt, wo er für die Apple Keynote gefilmt wurde. Zum einen, weil bei ihm die Dekoobjekte harmonischer positioniert sind. Zum anderen, weil hier Kabel von Soundsystem und Co. sichtbar sind. So wie in jeder «echten Wohnung». Darüber hinaus sind sie liebevoll aufgerollt. Vom hängenden leeren Blumentopf bis hin zur winkenden Katze – dieses Wohnzimmer wirkt authentischer. Oder übersehe ich etwas?

Finde den Fehler – Lass michin den Kommentaren wissen, was dich noch alles skeptisch macht und viel Spass beim Bilderrätseln.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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