Apple, ich hätte da ein paar Ideen

Apple, ich hätte da ein paar Ideen

David Lee
Zürich, am 02.12.2021

Der Apfel-Konzern könnte viel mehr aus seinen eigenen Computer-Chips machen. Zum Beispiel eine Höllenmaschine in Form eines Mac Mini oder einen günstigen Mikro-PC in der Grösse eines Apple TV. In Zukunft müssten sogar komplett neue Bauformen möglich sein.

Vor einem Jahr bin ich von Windows auf Mac umgestiegen. Die Idee von Apple, die Chip-Architektur der mobilen Geräte in Macs zu nutzen, halte ich für sehr schlau. Damit eröffnet sich ein riesiges Potenzial für Innovationen.

Ein Jahr später ist von grossartigen Innovationen aber noch nicht viel zu spüren. Apple hat zwar zwei neue, leistungsstarke Chips entwickelt – den M1 Pro und den M1 Max. Und neue Computer mit diesen Chips herausgebracht. Aber es sind gewöhnliche Notebooks. Das ist nicht das, wovon ich träume.

Ein Mac Mini mit Maxi-Leistung

Es wäre naheliegend gewesen, die starken Prozessoren in den Mac Mini einzubauen. In einem Desktop-Computer wären diese besonders sinnvoll. Schliesslich brauchen sie mehr Strom als der M1 von 2020, da sie mehr auf Leistung und weniger auf Akkulaufzeit getrimmt sind. Stattdessen hat Apple ausgerechnet in dem Computer, der keinen Akku hat, den Chip drin, der auf lange Akkuleistung ausgelegt ist. Das ist absurd.

Ich bin optimistisch, dass das noch kommt – vielleicht bereits im Frühling 2022. Es gibt eigentlich keinen Grund für Apple, den Mac Mini nicht aufzumotzen. Ausser vielleicht, dass der Mac Pro für 32 000 Franken damit überflüssig würde. Aber das ist er ja jetzt schon.

Mac Micro statt Mac Mini

Wenn schon ein Mac Mini mit Spar-Chip, warum nicht gleich einen Akku einbauen? Dadurch könnte der Computer im Ruhezustand bleiben und müsste nicht bei jedem Anschliessen neu aufgestartet werden. Und warum ihn nicht noch viel kleiner bauen, sodass er zum Transport schnell in den Rucksack oder sogar in die Jackentasche gesteckt werden kann? Technisch wäre das machbar, denn der aktuelle Mac Mini ist innen teilweise hohl. Apple hat die Gehäuseform von knapp 20 cm Seitenlänge beibehalten, obwohl die Innereien mit der M1-Architektur viel weniger Platz brauchen. Der Formfaktor des Apple TV (10 cm Seitenlänge) müsste mit einem halbwegs genügsamen Silicon-Chip drin liegen.

Ein Blick ins Innere des aktuellen Mac Mini. Da wäre noch mehr Hohlraum ohne den nie gebrauchten Lüfter. Das Teil könnte viel kleiner gebaut werden.
Ein Blick ins Innere des aktuellen Mac Mini. Da wäre noch mehr Hohlraum ohne den nie gebrauchten Lüfter. Das Teil könnte viel kleiner gebaut werden.
Bild: egpu.io

Warum ich das gern hätte? Ich brauche einen portablen Computer, aber es muss nicht unbedingt ein Notebook sein. Denn ich würde den Computer fast nur im Home Office und am Arbeitsplatz in Zürich benützen. An beiden Orten hat es externe Bildschirme, Tastatur und Maus zur Verfügung. Damit arbeite ich viel lieber. Das Erste, was ich im Büro mache, ist das Notebook an ein Dock anzuhängen. Das würde mit einem Mac Mini genauso gut gehen, eigentlich wäre er dafür sogar besser.

Ein solcher Micro-Mac wäre natürlich viel günstiger als ein MacBook, da Bildschirm, Tastatur, Mauspad und Kamera entfallen. Diese Dinge habe ich ja eh schon, sogar mehrfach, warum soll ich sie nochmals kaufen?

Endlose Möglichkeiten

Schaue ich ein bisschen weiter in die Zukunft, können vollwertige Computer so klein gebaut werden, dass sich völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Portable Geräte können ganz anders aussehen als ein Smartphone oder ein Notebook. Denkbar wäre zum Beispiel, einen vollwertigen Mac in eine Tastatur einzubauen. So wie beim Raspberry Pi 400.

Warum überhaupt? – Projekt *Raspberry Pi 400**, Folge 1Warum überhaupt? – Projekt *Raspberry Pi 400**, Folge 1
HintergrundComputing

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Oder noch cooler: Ein modulares System, bei dem der Computer ein Plättchen ist, das magnetisch an eine Tastatur, einen Bildschirm oder sonst etwas angeheftet werden kann und dann auch über Direktkontakte verbunden ist. So wie ich es kürzlich bei der DJI Action 2 gesehen habe.

Eine alte Idee könnte jetzt durchstarten: Das Smartphone andocken und es als PC verwenden. Bisherige Versuche, etwa Samsung Dex, kranken nicht nur an der Leistung, sondern auch daran, dass Desktop-Systeme anders funktionieren als mobile Systeme. Der M1 kann aber beide Systeme laufen lassen. Baut Apple einen solchen Chip ins iPhone ein, dürfte es nur noch ein kleiner Schritt zum macPhone sein.

Das sind nur ein paar spontane Ideen. Sicher ist: Das Potenzial für Innovationen ist so gross wie schon lange nicht mehr. Ich hoffe, dass Apple mehr Experimente wagt und uns wieder so überrascht wie früher unter Steve Jobs.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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