"The Pokémon Company / Nintendo"
Hintergrund

«Animal Crossing» und «Minecraft» haben ein Baby und es heisst «Pokémon Pokopia»

Ich habe das cozy «Pokémon»-Spinoff «Pokopia» gespielt. Nach rund zwei Stunden mit dem Game bin ich mir sicher: Das wird ein süchtig machender Zeitfresser.

Ich liebe «Pokémon». Kaum eine andere Spieleserie hat mich in meiner Kindheit so geprägt wie die Taschenmonster. Und kaum eine andere Spieleserie hat mich in den vergangenen Jahren so oft enttäuscht.

Entsprechend skeptisch gehe ich zum zweistündigen Anspieltermin des Spinoffs «Pokémon Pokopia» bei Nintendo. Das von Koei Tecmo entwickelte Spiel verspricht entspanntes Gameplay, irgendwo zwischen «Animal Crossing» und «Minecraft».

Redaktionskollegin und «Cozy Game»-Aficionada Michelle hat mich nach meinem Besuch bei Nintendo mit Fragen ausgequetscht. So viel vorweg: Ich bin vorsichtig optimistisch. Im besten Fall erwartet mich ein süchtig machender Zeitfresser, der mich lange begleiten wird.

Michelle: Wie hat dir die Preview gefallen?

Domagoj: Überraschend gut. Ich habe rund zwei Stunden mit dem Spiel verbracht und hätte gerne weitergezockt. «Pokémon Pokopia» ist ein gemütliches Aufbauspiel, in dem ich versuche, Pokémon auf meine Insel zu locken. Ich mag den stetigen Fortschritt. Immer gibt es etwas zu tun, jedoch ohne Zeit- und Leistungsdruck.

Damit ich deine Meinung besser einschätzen kann: Magst du allgemein «cozy» Spiele?

Absolut. Zuletzt habe ich «Fantasy Life i: Die Zeitdiebin» gesuchtet. Davor war «Animal Crossing: New Horizons» mein grosser «cozy»-Zeitfresser. Ein «Pokémon»-Spiel in diesem Genre finde ich höchst interessant – vor allem, weil mich die jüngeren Mainline-Games enttäuscht haben.

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Was hast du in der Demo alles gesehen und gespielt?

Ich habe zwei Spielmodi getestet. Im Singleplayer-Modus erlebe ich den Anfang des Spiels. Ich wache als Ditto in einer Höhle auf und transformiere mich in einen Menschen – ich glaube, es ist der ehemalige Trainer des glibberigen Pokémon. Danach treffe ich auf ein Tangoloss, das sich als «Professor» ausgibt und mich in die Spielmechaniken einführt.

Die Spielwelt scheint ausgestorben. Eine desolate Wüstenlandschaft auf einer Insel ohne Menschen und Pokémon. Einige Häuserruinen deuten darauf hin, dass hier mal ein Dorf war. Der «Professor» schlägt vor, dass wir diese traurige Insel in ein Paradies verwandeln.

Das heisst: Aufräumen, neue Pokémon anlocken und Häuser bauen.

Tangoloss ist mein Tutorial-Partner. Danke, Herr Professor.
Tangoloss ist mein Tutorial-Partner. Danke, Herr Professor.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Im zweiten Teil der Demo spiele ich mit drei anderen Journalisten, die ebenfalls vor Ort sind. Hier kann ich eine neue Insel besuchen, auf der schon viel gebaut wurde. So bekomme ich ein Gefühl dafür, was mit dem Bausystem des Spiels möglich ist, wenn man viel Zeit investiert. Ich bin beeindruckt. Die Multiplayer-Landschaft wirkt im Vergleich zum rudimentären Anfangsgebiet wie eine Millionenmetropole aus der Zukunft.

Ein richtig cooles Feature: Sehe ich in einer fremden Stadt etwas Spannendes, kann ich es mit meiner Kamera fotografieren und auf meiner Insel mit einem 3D-Drucker replizieren. Wie geil ist das denn?

Stinknormale Selfies sind mit der Kamera auch möglich.
Stinknormale Selfies sind mit der Kamera auch möglich.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Wie kann ich mir den Gameplay-Loop des Spiels vorstellen?

Am Anfang des Spiels geht es darum, möglichst viele neue Pokémon anzulocken. Denn mit neuen Pokémon lernt mein Ditto auch neue Attacken. Von Schiggy lernt er «Aquaknarre», von Bisasam den «Rankenhieb», und so weiter.

Diese Fähigkeiten brauche ich nicht zum Kämpfen. Das wär gar nicht «cozy». Nein, die Attacken benutze ich, um die Umgebung zu transformieren. Um bei den zwei Beispielen zu bleiben: Mit der «Aquaknarre» bewässere ich vertrocknete Grünflächen und mit dem «Rankenhieb» pflanze ich Gras.

Pflanzen anbauen? Kein Problem.
Pflanzen anbauen? Kein Problem.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Neue Pokémon locke ich an, indem ich spezielle Habitate für sie baue. Zu Beginn sind das simple Kombinationen von Umgebungsobjekten. Vier saftig grüne Grasflächen unter einem Baum locken Sichlor an. Platziere ich drei Grasflächen neben einem Stein, erscheint Machollo. Mit der Zeit finde ich immer mehr «Rezepte» für Habitate, locke neue Pokémon an und schalte neue Attacken frei.

Im Spielverlauf werden die Habitate immer aufwendiger. Dann reicht es nicht mehr, bloss popelige Grasflächen zu platzieren. Seltenere Pokémon werden von bestimmten Items und komplexen Kombinationen angelockt.

Das Kampf-Pokémon Nokchan wünscht sich etwa eine Sitzbank und einen Boxsack. Um diese Items herzustellen, muss ich die entsprechenden Baupläne im Shop kaufen und fleissig Ressourcen sammeln. Nebenbei beschäftigt mich das Game auch mit Challenges, die im Hintergrund laufen («Locke zehn neue Pokémon an», «Baue ein neues Haus»).

An Werkbänken bastle ich neue Items.
An Werkbänken bastle ich neue Items.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Es gibt viele Systeme, die ineinandergreifen, und ständig gibt es was zu tun. Gestresst fühle ich mich nie, im Gegenteil. Ich komme in einen entspannten Flow, in dem ich gemütlich eine endlose Aufgabenliste abhake und sehe, wie meine Insel wächst und gedeiht.

Manchmal zwingt mich das Game, einen Gang herunterzuschalten. So dauert die Konstruktion eines Hauses eine Weile. Während meine Pokémon-Kumpels am Haus arbeiten (das mach ich doch nicht selbst), erkunde ich die Umgebung und entspanne mit den restlichen Monstern. Herrlich.

Auch um das Wohlbefinden der Viecher muss ich mich kümmern. Einige Pokémon wünschen sich mit der Zeit immer ausgefallenere Sachen für ihre Habitate.
Auch um das Wohlbefinden der Viecher muss ich mich kümmern. Einige Pokémon wünschen sich mit der Zeit immer ausgefallenere Sachen für ihre Habitate.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Wie unterscheidet sich der Multiplayer- vom Singleplayer-Modus?

Die Multiplayer-Session fühlt sich an, wie auf Speed. Alles passiert viermal schneller, weil vier Spieler gleichzeitig auf einer Insel herumlaufen. Ich werde ständig von Benachrichtigungen gestört. «Ein neues Habitat wurde gebaut», «ein Haus wurde errichtet», oder «ein neues Pokémon wurde auf die Insel gelockt.»

Das fühlt sich gar nicht «cozy» an. Mit dem Multiplayer werde ich warten, bis ich meine eigene kleine Welt kreiert habe und zufrieden damit bin. Danach kann ich Leute zu mir einladen oder andere Inseln besuchen. Aber zusammen eine aufbauen? Viel zu stressig.

Zu viert ist das Game viel schneller.
Zu viert ist das Game viel schneller.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Hat das Game überhaupt eine Story?

Erstaunlicherweise ja. Das Game deutet immer wieder an, dass hier etwas Schlimmes passiert ist. Die Atmosphäre fühlt sich postapokalyptisch an. Beim Erkunden entdecke ich immer wieder kleine Hinweise, wie es hier früher ausgesehen hat.

Wieso ist hier alles kaputt und trocken? Wo sind alle Pokémon hin? Und vor allem: Wo zum Teufel sind die Menschen? Ich hoffe sehr, dass das fertige Spiel mit diesen Mysterien spielt und Antworten liefert.

Gibt es sonst noch etwas, das dich überrascht hat?

Im Multiplayer-Teil hat mein Ditto bereits einige fortgeschrittene Moves erlernt. So kann es sich im Wasser in ein Lapras verwandeln. Mit einem Doppelsprung transformiert sich Ditto in ein Dragoran – so kann ich weite Strecken in der Luft zurücklegen und neue Inseln erkunden. Das macht erstaunlich viel Spass.

Ich hätte nicht gedacht, dass das Game einen so grossen Fokus auf die Exploration der benachbarten Inselgebiete legt. Das ist kein «Animal Crossing», bei dem du die meiste Zeit in deiner kleinen Inselwelt verbringst. Ich bin gespannt, wie das Erkunden der Welt im fertigen Spiel funktioniert.

So macht das Erkunden Spass.
So macht das Erkunden Spass.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Professor Tangoloss ist ziemlich präsent auf den Screenshots zum Spiel. Wie findest du ihn?

Professor Tangoloss ist der Boss. Er trägt eine zerbrochene Brille – wahrscheinlich gehörte sie seinem ehemaligen Trainer. Und auf dem Kopf hat er sich eine CD als Deko-Element aufgesetzt. Einfach, weil er es kann.

Seine Färbung ist anders als die von «normalen» Tangoloss (was ist eigentlich die Mehrzahl von «Tangoloss» – «Tangolossi»?). Im Spiel wird es weitere merkwürdige Pokémon geben, die visuell von ihren «normalen» Artgenossen abweichen. In einem Trailer ist beispielsweise auch ein Pikachu in Geisterform zu sehen. Und ein mit Moos bedecktes Relaxo.

Was es mit diesen speziellen Formen wohl auf sich hat?

Cooler Typ.
Cooler Typ.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Bereitet dir etwas an der Demo Bauchschmerzen?

Ja, die Menüführung. An einigen Stellen habe ich mir gedacht: «Das waren ein paar Klicks zu viel». Das ständige Navigieren durch Menüs, wenn ich Baupläne, Rezepte für Habitate oder Challenges durchsuche, könnte mit der Zeit auf die Nerven gehen. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass das Game darauf ausgelegt ist, sehr lange gespielt zu werden.

Nutzt das Spiel irgendwelche speziellen Funktionen der Switch 2 – Maus, Mikro, Kamera?

In meiner Demo nicht. Bisher wurde auch nicht kommuniziert, dass dies der Fall wäre. Ich würde nicht damit rechnen. Schade.

Wie gefällt dir der «eckige» Grafikstil?

Die Welt erinnert an «Minecraft». Sie besteht aus aufeinander gestapelten Würfeln. Das Game sieht okay aus, mehr nicht. Die Pokémon sind süss, aber nicht besonders detailliert. Hoch aufgelöst scheint das Spiel auch nicht zu sein. Ich schätze, dass es «nur» in 1080p läuft.

Seien wir ehrlich: Das Game könnte genauso gut auf einer Switch 1 erscheinen.

Generell finde ich es schade, dass mit dem «Pokémon»-Franchise visuell nicht mehr experimentiert wird. «Pokemon Legends: Arceus» hat gezeigt, dass die kleinen Viecher wunderbar mit einem stilisierten Cel-Shading-Look harmonieren. Besonders bei einem Spinoff wie «Pokopia» hätte man auch etwas mutiger sein können.

Schön ist anders.
Schön ist anders.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

Und zum Schluss: Auf welche drei Pokémon freust du dich besonders?

Das wichtigste Pokémon habe ich bereits getroffen: Glumanda. Ich hoffe, dass ich es mit der Zeit in ein Glurak weiterentwickeln kann.

Dann würde ich gerne Mew treffen. Es ist immer noch mein liebstes legendäres Pokémon. Lugia liegt mir auch am Herzen, weil «Pokémon Silber» immer noch das beste «Pokémon»-Spiel aller Zeiten ist (Facts!). Apropos: Am liebsten will ich alle Starter der zweiten Generation bei mir auf der Insel haben: Endivie, Feurigel und Karnimani. Für mich das beste Starter-Trio überhaupt. Dann fände ich es auch lustig, so riesige Brocken wie Wailord zu treffen. Einfach um zu sehen, wie sie in diese Spielwelt hineinpassen. Und wer weiss, vielleicht gibt es auch ein komplett neues Pokémon zu entdecken?

Das waren mehr als drei. Aber meine enthusiastische Antwort verdeutlicht gut, dass ich mich nach der Vorschau sehr auf den fertigen Release freue. Hoffentlich werde ich dieses Mal nicht enttäuscht.

Ich freue mich auf das fertige Spiel.
Ich freue mich auf das fertige Spiel.
Quelle: The Pokémon Company / Nintendo

«Pokémon Pokopia» erscheint am 5. März für die Switch 2. Nintendo hat mich zum Vorschau-Event eingeladen und die Reisekosten übernommen.

Titelbild: "The Pokémon Company / Nintendo"

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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