Akkus und Ladegeräte: Günstige Alternativen von Patona
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Akkus und Ladegeräte: Günstige Alternativen von Patona

David Lee
Zürich, am 02.07.2019
Es ist ein altes Phänomen: Originalakkus vom Hersteller sind relativ teuer, verglichen mit den viel billigeren Ersatzakkus von Drittherstellern. Es stellt sich die Frage, ob man wirklich zum Original greifen muss. Gibt es überhaupt Unterschiede?

Günstige Akkus von Drittherstellern bekommst du auch bei uns. Der Hersteller dieser Akkus ist Patona International S.L.U. mit Sitz in Deutschland. Von dieser Firma bieten wir auch Ladegeräte an. Auch die sind viel günstiger als die Original-Ladegeräte.

Es gibt zwei gängige Erklärungen dafür, wieso die Originalprodukte so viel teurer sind.

Erstens: Die Hersteller schlagen eine satte Marge drauf, weil sie wissen, dass die Kunden beim Zubehör weniger auf den Preis achten als beim Hauptprodukt (in diesem Fall: bei der Kamera). Das ist verständlich, da die Margen bei Elektronik meist brutal niedrig sind. Aber wenn das der einzige Grund wäre, könntest du bedenkenlos zum günstigeren Produkt greifen.

Zweitens: Es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen Originalteilen und Ware von Drittherstellern.

Ein genauerer Blick auf die Patona-Akkus

Redaktionskollege Kevin Hofer und ich haben uns spontan mit Reserveakkus für unsere Kameras eingedeckt. Kostet ja nix. Bei Kevin handelt es sich um folgenden Akku für Sony-Kameras.

Von den Specs her sind die günstigen Akkus mindestens gleichwertig. Der Patona-Akku für meine Nikon-Kamera ist vom Typ EN-EL15b, kann also in einer Nikon Z mit USB geladen werden. Er hat mit 2000 mAh etwas mehr als der Original-Akku mit seinen 1900 mAh. Auch der Akku für Kevins Sony-Kamera ist laut technischen Angaben mit 1030 mAh geringfügig besser als das Original mit 1020 mAh.

Links: Original mit 1900 mAh, rechts Patona mit 2000 mAh
Links: Original mit 1900 mAh, rechts Patona mit 2000 mAh

Aber stimmen diese Angaben? Ich habe beide Akkus von Kevin (Original und Patona-Akku) geleert und gemessen, wie viel Strom beim kompletten Aufladen durchfliesst. Beim praktisch nie gebrauchten Sony Originalakku waren es 1804 mAh, bei Patona 1354 mAh. Demnach speichert das Original deutlich mehr Strom als der Billigakku, doch auch dieser fasst mehr als angegeben.

Messung: Der Patona-Akku war nach 1354 mAh voll.
Messung: Der Patona-Akku war nach 1354 mAh voll.

Nicht überprüft habe ich, wie stark sich diese Werte im Lauf der Zeit ändern und wie gross die Streuung der einzelnen Exemplare ist. Eine Überladung der Akkus schliesse ich aus – die Batterien waren nach dem Aufladen nicht einmal warm.

An meiner Nikon D7500 konnte ich das Strommessgerät nicht verwenden, weil das Ladegerät nicht mit USB funktioniert. Aber ich musste über eine Stunde HD-Video aufzeichnen und 500 Fotos schiessen, um den Patona-Akku halbwegs leerzukriegen. Im Nikon-Kameramenü gibt es einen Punkt, der das Alter des Akkus anzeigt. Die Kamera stuft den Akku korrekt als neu ein.

Akkudiagnose in der Kamera
Akkudiagnose in der Kamera

Fazit: Als Zweitakkus sind die Billigprodukte sicher brauchbar, selbst wenn sie nicht dieselbe Kapazität und Lebensdauer aufweisen wie das Original.

Sind Dritthersteller-Ladegeräte sicher?

Kevin hat sich auch gleich ein Ladegerät besorgt. Nicht nur, weil es fast nichts kostet, sondern weil Sony gar kein Ladegerät mitliefert. Der Akku muss in der Kamera selbst geladen werden, was bedeutet, dass du nicht den einen Akku laden und die Kamera mit dem anderen benutzen kannst.

Das Patona-Ladegerät hat nur zwei Kontakte pro Akku, also Plus und Minus für den Strom. Das Sony-Ladegerät sowie die Akkus (auch von Patona) haben aber drei Kontakte.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Der zusätzliche Kontakt kann dazu dienen, Informationen über den Akku zu übertragen, etwa um welchen Typ es sich handelt. Oder er dient zur Ermittlung der Temperatur. Der Akku wird damit vor Überhitzung geschützt.

Überladung bei Lithium-Ionen-Akkus ist nicht ungefährlich. Hier ein Video der EMPA (Eidgenössische Materialprüfungsanstalt), bei dem ein Akku immer weiter geladen wird. Er bläht sich auf, explodiert und dann brennt er.

Bedeutet das nun, dass deine Akkus in Flammen aufgehen, wenn du sie in einem Patona-Ladegerät lädtst und nicht rechtzeitig den Stecker ziehst?

Nein. Es gibt auch andere Methoden, um sicherzustellen, dass der Akku nicht überladen wird. Ein Ladegerät kann auch den Spannungsverlauf und die Strommenge überwachen und daraus ableiten, wann der Akku voll ist und das Laden beendet werden muss.

In der Produktbeschreibung des Ladegeräts heisst es: «Die verbaute Ladetechnik ist Mikrocontroller gesteuert und verhindert Überladungen oder Überhitzung. Ausserdem erkennt sie automatisch die benötigte Spannung des eingelegten Akkus.»

Wir haben das Ladegerät geöffnet und sehen, dass da tatsächlich ein Mikrocontroller drin ist. Was der genau tut und wie, haben wir nicht herausgefunden. Aber prinzipiell kann die Spannung auch nur mit zwei Kontakten gemessen und mit entsprechender Elektronik auch der Verlauf bestimmt werden.

Die Platine im Innern des Patona-Ladegeräts
Die Platine im Innern des Patona-Ladegeräts

Für den europäischen Markt gibt es strenge Sicherheitsvorschriften. Ein Ladegerät ohne wirksamen Überladungsschutz würde mit Sicherheit das CE-Siegel nicht bekommen. Allenfalls ist der Schutz nicht ganz so präzise, was die Lebensdauer eines Akkus verkürzen würde.

Eine gute Ergänzung, aber wohl kein vollwertiger Ersatz

Patona-Akkus sind nicht genau gleich wie die Originalprodukte. In unserer Messung hatte der Original-Akku deutlich mehr Ladekapazität. Die Patona-Akkus sind aber brauchbar und ungefährlich.

Als ungefährlich stufe ich auch die Ladegeräte ein. Sie haben zwar nur zwei statt drei Kontakte, aber die interne Elektronik des Ladegeräts sollte zuverlässig vor Überladen schützen.

Ich empfehle, wann immer möglich den Originalakku und sofern vorhanden auch das Original-Ladegerät zu benutzen, die du mit der Kamera bekommen hast. Oder den Akku per USB in der Kamera zu laden. Die Patona-Produkte sind jedoch eine gute Ergänzung, falls du mal besonders viel Strom brauchst.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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