Acer Swift 3 im Test: AMD vs. Intel

Acer Swift 3 im Test: AMD vs. Intel

Jan Johannsen
Zürich, am 12.11.2020
Das Acer Swift 3 gibt es in zwei Varianten. Die Notebooks sehen identisch aus, unterscheiden sich aber im Inneren an einem wichtigen Punkt: beim Prozessor. Der stammt entweder von Intel oder AMD. Welche Variante du nehmen solltest, kläre ich hier.

Jahrelang wurden die Ryzen-Prozessoren von AMD gefühlt mit Nichtbeachtung gestraft. Das hat sich Ende 2019 mit der vierten Generation geändert. Sie soll nicht nur zur zehnten Generation der Core-i-CPUs von Intel aufgeholt, sondern sie sogar hinter sich gelassen haben. Und was bietet sich besser zur Überprüfung an, als zwei Notebooks, die von den Chipsätzen und den integrierten SoC (System-on-a-Chip) abgesehen, identisch sind. Selbst wenn dich das Acer Swift 3 nicht interessiert, kann das Ergebnis des Tests für dich eine Hilfe sein. Auch bei anderen Hersteller kannst du inzwischen bei immer mehr Notebook-Modellen zwischen einem Innenleben von AMD oder Intel wählen.

Swift 3 – SF314-57-58BL (14 ", Intel Core i5-1035G1, 16 GB, 512 GB)
Acer Swift 3 – SF314-57-58BL (14 ", Intel Core i5-1035G1, 16 GB, 512 GB)
Swift 3 (14 ", AMD Ryzen 5 4500U, 8 GB, 1000 GB)
Acer Swift 3 (14 ", AMD Ryzen 5 4500U, 8 GB, 1000 GB)
Die beiden verlinkten Notebooks sind nur Beispiele mit CH-Tastatur. Die Tests habe ich an Modellen mit DE-Tastatur durchgeführt und versucht möglichst identische Modelle in der Schweiz zu finden. Bei der AMD-Variante ist es mir gelungen, bei der Intel-Variante nicht. Die hat 16 Gigabyte und nicht 8 Gigabyte wie mein Testgerät.

Die wichtigsten Specs der beiden Geräte im Überblick:

AMD-Version (SF314-41-R3C6)Intel-Version (SF3-14-57-50BR)
ProzessorRyzen 5 4500UCore i5-1035G1
GrafikchipAMD Radeon 6 Graphics (Renoir)Intel UHD Graphics (Ice Lake G1)
Arbeitsspeicher8 GB LPDDDR48 GB LPDDDR4
Datenspeicher512 GB SSD PCIe3x4/NVMe512 GB SSD PCIe3x4/NVMe
Display14 Zoll, 1920×1080 Pixel14 Zoll, 1920×1080 Pixel
AnschlüsseFingerabdrucksensor
1x USB 2.0
1x USB 3.0 Type A
1x USB3.1 Type C (Gen 2)
1x 3,5mm Audio
1x HDMI
Fingerabdrucksensor
1x USB 2.0
1x USB 3.0 Type A
1x USB3.1 Type C (Gen 2) - Thunderbolt 3
1x 3,5mm Audio
1x HDMI
WLAN802.11ax (WiFi 6)802.11ax (WiFi 6)
Bluetooth5.05.0
Akku48 Wh (Li-Ion)48 Wh (Li-Ion)
BetriebssystemWindows 10 HomeWindows 10 Home
Dimensionen (B x L x H)32,3 cm x 21,9 cm x 1,66 cm
1202 Gramm
31,9 cm x 21,7 cm x 1,59 cm
1129 Gramm

Der Blick auf die Tabelle macht klar: Abgesehen von Motherboard und SoC sind das zwei identische Notebooks. Dass die AMD-Variante geringfügig größer und schwerer ist, spielt für die Bewertung der Hardware keine Rolle.

Gehäuse, Display und Anschlüsse

Lass dich von der leicht unterschiedlichen Färbung nicht täuschen. Bei beiden Swift 3 besteht das Gehäuse aus Aluminium. Das fühlt sich robust und leicht zugleich an. Mängel an der Verarbeitung entdecke ich keine. Das gilt auch beim matten IPS-Display mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Es misst 14 Zoll und hat eine Auflösung von 1920×1080 Pixeln. Das reicht bei der Größe für eine hohe Detailgenauigkeit. Die Farbwiedergabe stellt mich zufrieden, soll aber auch keinen höheren Ansprüchen genügen. In der Wohnung lässt er sich gut benutzen, aber wenn die Sonne auf ihn scheint, kannst du kaum noch etwas auf dem Bildschirm erkennen. Randnotizen: Der Rahmen um das Display ist bei der AMD-Variante um wenige Millimeter dicker – was das minimal größere Gehäuse auch nahelegt.

Die Anschluss-Ausstattung ist fast identisch, auch wenn sie unterschiedlich angeordnet ist. Dich erwarten je ein USB-2.0-Type A-, USB-3-Type-A-, USB-3.1-Type-C-Gen-2-, HDMI- und ein 3,5-mm-Anschluss. Damit sind alle wichtigen Standardanschlüsse vorhanden. Der Unterschied findet sich bei der USB-C-Buchse, die beim Intel-Swift Thunderbolt unterstützt und bei der AMD-Version nicht.

Auf der linken Seite wechseln die Anschlüsse die Plätze und nur bei der Intel-Version gibt es Thunderbolt.
Auf der linken Seite wechseln die Anschlüsse die Plätze und nur bei der Intel-Version gibt es Thunderbolt.
Auf der rechten Seite gibt es nur minimale Verschiebungen.
Auf der rechten Seite gibt es nur minimale Verschiebungen.

Was wirklich zählt: Die inneren Werte

Genug Äußerlichkeiten, hier soll es ja hauptsächlich um die inneren Werte gehen. Und da treten vor allem zwei unterschiedlichen SoC gegeneinander an: AMD Ryzen 5 4500U vs. Intel Core i5-1035G1.

Prozessor und Grafikchip: Je kleiner, desto besser

Ein Blick auf die Datenblätter fördert mehrere Unterschiede bei den Prozessoren zu Tage. Der Intel Core i5-1035G1 hat vier Rechenkerne, die mit 1,00 GHz getaktet sind und im Turbomodus bis zu 3,6 GHz schaffen. Er unterstützt Hyperthreading und verfügt somit über acht Threads und wird im 10-Nanometer-Verfahren gefertigt. Der AMD Ryzen 5 4500U verfügt über sechs Rechenkerne, die mit 2,3 GHz höher getaktet sind und im Turbomodus bis zu 4 GHz schaffen. Allerdings unterstützt er kein Hyperthreading und verfügt damit auch nur über sechs Threads. Dafür ist er im 7-Nanometer-Verfahren hergestellt. Das ist wichtig, da Chips umso effizienter arbeiten, desto kleiner ihre Transistoren sind.

Falls du bei Begriffen wie Hyperthreading aussteigen willst, mein Kollege Martin Jud hat eine schöne Umschreibung dafür gefunden: «Du hast einen Intel-Prozessor mit vier Menschen (Kernen), die etwas schwächer sind, als andere Geschöpfe. Doch die vier Menschen können zwei Kurbeln gleichzeitig bedienen und somit parallel mehr Aufgaben erledigen. Wenn da nicht ein AMD-Prozessor mit sechs Ochsen wäre, die zwar jeweils nur eine Kurbel antreiben, dafür mit deutlich mehr Kraft.»

Jeder der SoC bringt seinen integrierten Grafikchip mit. Hier kann der AMD Radeon 6 Graphics ebenfalls mit einem 7-Nanometer-Verfahren gegenüber dem 10-Nanometer-Verfahren beim Intel UHD Graphics (Ice Lake G1) punkten. Dazu kommt mit bis zu 1,5 GHz noch eine deutlich höhere Taktfrequenz bei der AMD-Grafikeinheit. Intels Chip hat nur 0,3 GHz und bis zu 1,05 GHz, wenn der Turbo aktiv ist.

Benchmarks

Genug Theorie. Jetzt geht es an die Praxis – oder zumindest die simulierte Praxis. Ich lasse mehrere Testprogramme auf beiden Acer Swift 3 laufen.

Geekbench

Geekbench lässt sowohl den Prozessor als auch den Grafikchip verschiedene Berechnungen durchführen und gibt am Ende einen Zahlenwert aus, der für die Leistungsfähigkeit des Systems steht. Während beim Prozessor die Leistung mit einem oder mehreren Rechenkernen gemessen wird, stehen beim Grafikbenchmark die ältere «OpenCL»- und die neuere «Vulkan»-Schnittstelle zur Auswahl.

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Der CPU-Benchmark bringt noch kein eindeutiges Ergebnis. Im Single-Modus liegt das Swift 3 mit Intel-CPU vorne. 1192 Punkte sind ein kleiner Vorsprung auf die AMD-CPU mit 1078 Punkten. Im Multi-Modus sieht es anders aus. Der AMD-Chipsatz lässt den Core i5 mit 4152 Punkten gegenüber 3495 Punkten hinter sich.

Noch deutlicher werden die Leistungsunterschiede bei den Grafikchips. Sowohl mit OpenCL – 10.867 gegen 5749 Punkte – und Vulkan – 12.684 gegen 4985 Punkte – dominiert der AMD-Grafikchip die Intel-GPU.

Cinebench R20

Cinebench R20 ist ein Benchmark, der auf einem Programm zur Erstellung von 3D-Inhalten und Formen namens «Cinema 4D Suite» basiert. Im Multi-Core-Modus greift Cinebench auf alle CPU-Kerne zu und zieht einen großen Nutzen aus Hyperthreading. Im Single-Modus spielt das keine Rolle. Das Ergebnis ist eindeutig: Egal ob einer oder alle Rechenkerne gefordert sind, die AMD-Variante liegt vorne.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Mit einem Rechenkern steht es 424 zu 399 Punkte und bei Nutzung aller Rechenkerne vergrößert sich der Vorsprung des AMD Ryzen auf 1947 zu 1103 Punkten – und das obwohl der Intel Core i5 mit Hyperthreading hier eigentlich einen Vorteil haben müsste.

PCMark 10

PCMark prüft die Notebooks mit einem breiten Spektrum an Aufgaben. Am Ende stehen das Gesamtergebnis und drei Teilergebnisse. Zu den «Essentials» gehören Dinge wie Anwendungen starten, Videocalls und Web-Browsing. Bei der «Produktivität» prüft das Tool unter anderem Tabellenkalkulation und Texte schreiben. Der Bereich «Digital Content Creation» umfasst beispielsweise Foto- und Video-Bearbeitung sowie Rendering.

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Bei den Essentials liegen beide Versionen des Swift 3 noch gleichauf. Vereinfacht gesagt: In der Freizeit merkst du keinen Unterschied. Geht es dagegen an die Arbeit, kommst du mit der AMD-Variante des Notebooks schneller voran – zumindest, wenn du seine Rechenkraft benötigst. Sowohl bei der Produktivität als auch der Erschaffung von Inhalten, schneidet die Intel-Version schlechter ab.

SiSoftware Sandra

Sandra von SiSoftware ist eine Analyse-Tool für PCs und vergibt auch Indexwerte für Systeme. Beim Swift 3 stützt Sandra die Ergebnisse der anderen Benchmark-Tests. Insgesamt ist die AMD-Variante besser. Bei der CPU ist der Vorsprung gering, dafür bei der Grafik-Hardware umso deutlicher. Beim Computer-Leistungsindex steht es 2,39 kPT zu 1,95 kPT, beim Prozessor-Leistungsindex 3,56 kPT zu 3,34 kPT und beim Hardwarebeschleuniger-Leistungsindex 2,58 kPT zu 1,61 kPT.

Die Resultate der Benchmarks sind nicht nur graue Theorie, sondern haben spürbare Auswirkungen im Alltag. Zwar noch nicht beim Hochfahren der Rechner, aber bereits beim Starten von Programmen. Was beim Firefox-Browser nur etwa eine Sekunde Unterschied sind, summiert sich bei anderen Programmen schnell zu mehreren Sekunden Wartezeit. Diese Zeitersparnis durch die AMD-Variante setzt sich fort, wenn diese Programme aufwändigere Berechnungen vornehmen müssen.

Gleicher Akku, unterschiedliche Laufzeiten

In beiden Swift 3 steckt der gleiche Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 48 Wattstunden. Nur die Hardware von AMD und Intel sorgt für unterschiedliche Akkulaufzeiten. Also Bildschirmhelligkeit hochdrehen, Stromspareinstellungen ausschalten und ein langes Youtube-Video starten – schließlich will ich nicht ewig warten. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass du mit stromsparendem Verhalten noch längere Akkulaufzeiten erhältst.

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Das Ergebnis ist eindeutig: Während beim Swift 3 mit Intel-CPU bereits nach 5:40 Stunden der Bildschirm ausging, lief die AMD-Variante deutlich länger. Erst nach 9:09 Stunden war Schluss. Fast genau 3,5 Stunden mehr Akkulaufzeit nur durch den Chipsatz.

Fazit: AMD gewinnt

Wenn du die Wahl hast, solltest du aktuell zu Hardware von AMD greifen. Mehr Leistung, niedrigerer Preis und längere Akkulaufzeit. Mehr gibt es da nicht zu sagen. Das sollte nicht nur beim Swift 3 von Acer gelten, sondern auch bei Notebooks anderer Hersteller. Mir ist kein einziger Nachteil der AMD-Chips gegenüber den Intel-Chips aufgefallen. Falls du welche kennst, schreib sie mir in die Kommentare.

Swift 3 (14 ", AMD Ryzen 5 4500U, 8 GB, 1000 GB)
Acer Swift 3 (14 ", AMD Ryzen 5 4500U, 8 GB, 1000 GB)

Im Herbst 2020 hat Intel zwar schon seine elfte Prozessor-Generation vorgestellt, hier wurde ein Prozessor der zehnten getestet. Doch auch die neuen Tiger-Lake-Chips sind immer noch im 10-Nanometer-Verfahren gefertigt. Es sieht also nicht danach aus, als würden die Vorteile AMDs kurzfristig verschwinden. Erst wenn Intel auch auf 7 Nanometer umstellt, dürfte das Rennen wieder spannend werden.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Content Development Editor, Zürich


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