Felix Ure
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99 Kilo Gaming-Power: Modder baut viktorianischen Heizkörper als Wasserkühlung um

Debora Pape
3.3.2026

Ein britischer Ingenieur kreuzt einen 100 Jahre alten Gusseisen-Heizkörper mit modernster Gaming-Hardware. Das 99 Kilogramm schwere Steampunk-Monster läuft trotz massiver Rost-Probleme im Inneren erstaunlich gut.

Zum Glück gibt’s das Internet. Sonst würden herrlich schräge Bastlerprojekte wie das folgende niemals bekannt werden. Der Brite Felix Ure – laut Website Erfinder und Ingenieur – zeigt auf YouTube, wie er drei Monate lang fast in Vollzeit einen Gaming-PC mit ganz besonderer Wasserkühlung baut: einem gusseisernen Heizkörper aus viktorianischer Zeit, in dem 18 Liter Kühlflüssigkeit zirkulieren. Vollständig aufgebaut wiegt der Computer 99 Kilogramm.

Felix ist Co-Gründer des auf personalisierte PC-Kühlung spezialisierten Unternehmens Billet Labs, das er mit seinem Schulfreund Sam Wood betreibt. Die beiden betrachten traditionelle PC-Builds kritisch und wollen neue, verbesserte Designs entwerfen. Die Heizkörper-Wasserkühlung lässt sich trotz der hübschen Optik nicht als praktikables Design bezeichnen. Sie dient als eine Art Showcase-Projekt. Der PC soll aber trotzdem praktisch und langfristig nutzbar sein.

Die Idee: ein funktionierender Steampunk-PC

Ein Heizkörper als Wasserkühlung entbehrt nicht einer gewissen Logik: Gaming-PCs produzieren unter Last so viel Hitze, dass sie selbst schon als teure Heizungen durchgehen. Warum also nicht das Offensichtliche realisieren?

Der rund 100 Jahre alte Radiator bietet sich zusammen mit analogen Temperatur- und Druckmessern ausgezeichnet für einen PC im Steampunk-Look an. Um diesen nicht durch moderne Computer-Komponenten zu zerstören, bringt Felix diese weitgehend unsichtbar an der Unterseite des Radiators an. Statt des üblichen Power-Schalters montiert Felix seitlich einen Hebel aus Metall.

Bei Steampunk-Optik gehören analoge Anzeigen und Rohrleitungen dazu. Links: Wasserdruck. Rechts: Wassertemperatur.
Bei Steampunk-Optik gehören analoge Anzeigen und Rohrleitungen dazu. Links: Wasserdruck. Rechts: Wassertemperatur.
Quelle: Felix Ure

Felix gibt an, dass sein Plan tatsächlich Vorteile hat: Die große thermische Masse von 18 Liter Wasser kann sehr viel Wärme aufnehmen und Heizkörper haben den Zweck, über ihre Oberfläche möglichst viel davon an die Umgebung abzugeben. Der Pumpkreislauf sorgt wie bei einer normalen Wasserkühlung dafür, dass kühles Wasser die Wärme der PC-Komponenten in die Heizung abführt.

Als effiziente Heizung hat die viktorianische Monstrosität aber ausgedient. Nach einer guten Stunde unter Volllast beträgt die Wassertemperatur im Radiator nur rund 29 Grad. Der PC läuft zudem sehr leise, weil die Pumpe nur anspringt, wenn die CPU-Temperatur auf über 50 Grad steigt, also nur unter Last.

Planung und Montage

Da es kein Datenblatt für den Heizkörper gibt, muss Felix die möglichen Kapazitäten selbst ausrechnen. Er nimmt an, dass der Radiator zwischen 200 und 400 Watt Wärme abgeben kann. Eine Grafikkarte der Größenordnung einer Nvidia RTX 5090 lasse sich damit nicht kühlen, gibt Felix an und greift daher zu einer RTX 5080 in Kombination mit einem AMD Ryzen 7 9800 X3D Prozessor, montiert auf ein Mini-ITX-Mainboard. Strom bekommen die Komponenten über das Flex-ATX-Netzteil mit 600 Watt.

Moderne Technik hilft: Ein selbst designtes Montagegestell lässt sich an den Heizrippen befestigen und nimmt die Computer-Hardware auf.
Moderne Technik hilft: Ein selbst designtes Montagegestell lässt sich an den Heizrippen befestigen und nimmt die Computer-Hardware auf.
Quelle: Felix Ure

Natürlich hat der viktorianische Heizungsbauer keine geraden Flächen oder Bohrlöcher zur späteren Montage eines Gaming-PCs vorgesehen. Deswegen fertigt Felix mittels Laserscan ein genaues 3D-Modell der Heizkörper-Unterseite an und entwirft mithilfe der Open-Source-Software Blender und dem CAD-Programm Fusion am Computer einen Montagerahmen. Der 3D-Drucker benötigt 30 Stunden, um das Objekt zu erstellen – aber der Aufwand lohnt sich: Das Gestell passt haargenau an die eiserne Unterlage und lässt sich dort ohne Spiel befestigen.

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Eine Pumpe für die Wasserkühlung ist das Herzstück des Designs. Sie ist dafür zuständig, das Wasser, das die Hitze von CPU und GPU wegführt, durch das Innere des Heizkörpers zu pumpen. Um die Pumpe mit dem Heizungsinhalt zu verbinden, nutzt Felix Kupferröhren, die er luftdicht verschweißt und die zudem sehr gut zu der Steampunk-Optik passen. Weil normale Wakü-Pumpen nicht für ein solches Volumen gedacht sind, muss Felix sie selbst an die Anforderungen anpassen.

Wochenlanges Trouble-Shooting

Nach der Montage fangen die richtigen Probleme erst an. Beim Füllen des Heizungskörpers stellt sich heraus, dass dieser zwar dicht ist, aber trotzdem immer wieder Blasen sowie winzige Kupferteilchen in die Pumpe gelangen. Das führt zu lauten, röchelnden Geräuschen und verringerter Effizienz. Zudem zirkuliert das Wasser viel zu langsam, sodass die Kühlung nicht richtig funktioniert.

So sehen das «Unterleben» und der Pumpkreislauf des Computers aus.
So sehen das «Unterleben» und der Pumpkreislauf des Computers aus.
Quelle: Felix Ure

Das Problem: Das Innenleben des Heizkörpers war vor dem Start des Projektes vollkommen verdreckt und mit Rost bedeckt. Trotz gründlicher Reinigung blieben Rückstände zurück. Ein winziger Filter mit 0,1 Millimeter Maschenweite vor der Pumpe soll Schmutzpartikel zurückhalten. Und das tut er. Felix findet den Filter schon nach kurzer Testlaufzeit des Rechners vollkommen mit «Schlamm» verdreckt.

An diesem Punkt, sagt er, hätte er das ganze Projekt fast aufgegeben, denn eine vollständige Reinigung des Innenlebens sei annähernd unmöglich. Zwei Wochen bringt er damit zu, das Wasser abzulassen, den Rechner teilweise wieder auseinanderzubauen, neues Wasser einzuleiten und trotzdem keinen gut funktionierenden Kreislauf zu bekommen.

Am Ende hilft nur noch ein 16 Meter langer Schlauch, den Felix mit dem Wasserkreislauf des Computers, Wasser-Hausanschluss und dem Abfluss verbindet. Damit kann er das System bei Bedarf durchspülen.

Ein leises Klicken oder Blubbern, wenn doch mal wieder ein Metallteilchen oder eine Blase durch die Pumpe schwimmt, lasse sich nicht vermeiden. Aber am Ende läuft der PC – und sieht klasse aus. Nochmal würde er einen solchen Computer aber nicht mehr bauen. Dafür war wohl zu viel Frust im Spiel.

Titelbild: Felix Ure

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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