Review

5 Games aus dem Apple-Arcade-Katalog, die ohne Controller Spass machen

Martin Jungfer
24.06.2022

Mit Arcade hat Apple ein eigenes Gaming-Angebot. Das kann nicht mit den grossen Plattformen wie Steam und Co. mithalten. Trotzdem finden sich auch hier einige interessante Games. Hier meine ganz subjektive Auswahl.

Die Gaming-Experten in unserer Redaktion nehmen mich sowieso nicht ernst. Spätestens, wenn sie mir einen Controller in die Hand drücken, bin ich enttarnt. Meine Gamer-Vergangenheit ist so lange her, ich komme aus der Joystick-Zeit, habe Flugsimulatoren wie Gunship von Microprose damit gespielt. Aber ich wurde früh zum Tastatur- und Maus-Spieler. Mehr war nicht nötig bei den Lemmingen, bei «Sim City», «Civilization», «Command & Conquer», «Monkey Island«, der «Anno»-Reihe oder der Fussballmanager-Simulation «Anstoss».

Jetzt weisst du in etwa, wie alt ich bin und was mein Geschmack beim Gamen ist. Das prägt auch folgende kleine Auswahl an Apple-Arcade-Spielen, die ich dir hier empfehle. Es sind allesamt Titel, die ich am Mac Mini spiele. Sie laufen zwar auch auf einem iPad oder dem iPhone, aber dort ist mir das dann tatsächlich auch schon wieder zu kompliziert in der Bedienung oder der Screen ist zu klein. Nach tausenden Stunden Scroll- und Tipparbeit sind mir Maus und Tastatur einfach am liebsten, wenn ich zur Zerstreuung zwischendurch oder nach getaner Arbeit ein Game brauche.

Kingdom Rush Frontiers

Bewaffnete Drachen, unsichtbare Wüstenwürmer oder mutierte Spinnen wollen deine Verteidigungslinie knacken – das ist die Storyline von «Kingdom Rush Frontiers» in etwa. In fünfzehn Runden hast du die Aufgabe, ein möglichst effizientes System aus Verteidigungsanlagen aufzubauen, um die Angriffswellen zu brechen und alle Gegner zu eliminieren. Für jeden zerstörten Feind gibt es Punkte, die du in Upgrades der Bogenschützentürme, Magier- oder Kanonentürme und Kasernen stecken kannst. Dazu gibt’s im Shop ein paar Sonderwaffen und einen Helden.

Das Spiel gefällt mir, weil es von mir taktisches Geschick verlangt und sich schnell zeigt, ob mein Plan aufgeht oder ich überrannt werde. Grafisch gefällt mir am erstmals 2013 releasten Spiel die Comic-Optik, inklusive Comic-Blut, und der gelungene atmosphärische Sound inklusive Wortmeldungen meiner aus der Kaserne hoppelnden Kampftruppe – «ready to rumble».

Genre: Echtzeit-/Aufbaustrategie
Zeitaufwand: ab 15 Minuten pro Runde
Geeignet für: Taktikfüchse mit Verteidigungshaltung

Butter Royale

Ich weiss, dass es Fortnite gibt. Und ich weiss, dass am Ende nur einer oder eine übrig bleibt und gewinnt – das Prinzip Battle Royale ist also bei mir angekommen. Bei Apple Arcade ist mein liebstes Battle Royale Game «Butter Royale». Und ja, der Titel hält, was der Kalauer verspricht. Du bewegst dich mit deinem Avatar durch eine städtische Landschaft, das Gelände eines Bauernhofs oder in einer Fabrik und erledigst die Gegner mit einer deiner «Nutritionally Operated Machines» (NOM), also zum Beispiel dem Mayonator. Dazu kommen von der Showmaster-Stimme Ansagen wie «Let’s get ready to scrumble!» oder «Time to ketchup!». Du spielst als Einzelspieler entweder gegen 31 andere oder bist Teil einer Vierergruppe, die den Sieg erringen will.

Warum es Spass macht? Mit den ASDW-Tasten steuere ich die Figur. Mit der linken Maustaste schiesse ich gezielt auf einen Gegner, mit der rechten visiert die Figur automatisch den Gegner an, der mir am nächsten ist. Das ist simpel und genau das Level an Herausforderung, das ich vertrage. And if I doughnut give up, maybe I will have butter luck next time.

Genre: Battle Royale
Zeitaufwand: ab 5 Minuten
Geeignet für: Lebensmittelverschwender mit Lust auf Sprachspielereien

The Oregon Trail

Vor Urzeiten, irgendwann vor der Jahrtausendwende, habe ich in der Programmiersprache Pascal einmal einen ersten (und einzigen) Versuch unternommen, Game-Designer zu sein. Einfache If-then-Anweisungen für die Nahrungsmittelversorgung eines Dorfes. Ein wenig erinnert mich «Oregon Trail» an diese Zeiten. Und tatsächlich ist das Game ein Klassiker der Computerspiel-Geschichte. Es lief in einer 8-Bit-Grafik auf dem Commodore 64, und noch früher, 1978, in einer Integer-Basic-Variante auf dem Apple II.

Seitdem gab es zahlreiche weitere Versionen, bis hin zu dem «Oregon Trail» von 2021, das jetzt im Arcade-Katalog zu finden ist. Damals wie heute geht es darum, eine Gruppe Siedler mit einem Planwagen von Missouri bis nach Oregon an die Westküste der USA zu bringen. Unterwegs lauern allerlei Gefahren, Aufgaben und Geschichten. Deine Siedler können sich ein Bein brechen, ihren Wagen beim Durchqueren eines Flusses verlieren, an der Ruhr erkranken, verhungern und verzweifeln. Du musst entscheiden, wie die Gruppe darauf reagiert. Oft geht es nur um die Frage, was das kleinere Übel ist. Das alles klingt jetzt nicht unbedingt nach Spass. Wenn du aber etwas über die amerikanische Geschichte um das Jahr 1850 lernen willst, ist «The Oregon Trail» trotzdem eine Empfehlung. Du kannst gut nachfühlen, welch Wagnis die frühen Siedler auf sich nahmen und welch schwierige Entscheidungen sie auf ihren Reisen oft treffen mussten. Kein Wunder, ist The Oregon Trail Pflichtstoff an US-amerikanischen Schulen und sind sogar Dutzende Schulen nach ihm benannt.

Genre: Edutainment\ Zeitaufwand: mindestens 60 Minuten\ Geeignet für: Geschichtsinteressierte

Outlanders

«Outlanders» ist eine Art «Die Siedler light», mit Beimischung von ein paar Elementen aus der «Anno»-Reihe und «Sim City». Dazu gibt’s eine ordentliche Prise Humor, ein anmutiges Design und stimmungsvollen Sound von der Zupfgitarre. Im Game musst du verschiedene Aufträge erfüllen, zu Beginn zum Beispiel 40 Bretter gewinnen, die zum Bau eines Schiffes nötig sind. Bretter kommen von den Bäumen, weshalb du vor einer Schreinerhütte erst einmal eine Holzfällerhütte errichten musst. In beiden Gebäuden müssen Bewohnerinnen und Bewohner ans Werk geschickt werden.

Wie in den meisten Aufbausimulationen geht es darum, Ressourcen einzusammeln, die Bürgerschaft satt und zufrieden zu halten und neue Gebäude zu errichten, die wieder Ressourcen brauchen, dafür aber die wachsende Schar der Einwohner glücklich und beschäftigt hält. Der Kreislauf für stundenlange Beschäftigung.

Soso, Sören ... Du hast also Angst vor Knöpfen. Solche Texte wecken in mir die Lust am Entdecken und vergrössern den Spielspass.
Soso, Sören ... Du hast also Angst vor Knöpfen. Solche Texte wecken in mir die Lust am Entdecken und vergrössern den Spielspass.

Bei «Outlanders», 2019 vom Studio Pomelo aus Uruguay erschaffen, ist das Gameplay einfach gehalten. So bleibt mir Zeit, mich an den kleinen Texten zu erfreuen, die es zu Gebäuden und Menschen in meinem kleinen Dorf gibt. Zum Beispiel erfahre ich über die sechsjährige Thyra, dass sie die Fähigkeit besitzt, die Zunge zu rollen und sich gerade von einem Zuckerschock erholt. Bei meiner Schreinerhütte heisst es: «Macht Bretter aus deinem Holz. Es ist so aufregend, wie es sich anhört.» Das ist genau mein Humor.

Genre: Städtebau
Zeitaufwand: mindestens 60 Minuten
Geeignet für: Sim-City-Fans und Naturfreunde

Hidden Folks

Lieben oder hassen – dieses Game wird dich in den Wahnsinn treiben oder bestens unterhalten. Vielleicht sogar beides. Dein Spielfeld bei «Hidden Folks» ist eine weisse Fläche, auf der sich ein scheinbar mittelmässiger Zeichner ausgetobt und allerlei Menschen, Tiere, Pflanzen und Gebäude gemalt hat. Du kannst alles anklicken, das meiste gibt dann irgendeinen Soundeffekt. Aber nicht einen elektronisch erzeugten oder gar einen realistischen, sondern einen allzu menschlichen. Das klingt dann wie eine Mischung aus zwei Dingen. Erstens: Ein Anderhalbjähriger macht «Vrrrrummm», wenn sein Spielzeugauto fährt. Zweitens: Michael Winslow, Mann der 1000 Soundeffekte, aus «Police Academy». Selbst beim Aufrufen der Menü-Punkte kommt ein «Pling», das jemand vorher ins Mikrofon gesprochen hat. Das ist erfrischend und macht Laune.

Auf den Wimmelbildern musst du jeweils verschiedene Aufgaben lösen. Am unteren Bildrand werden dir zum Beispiel Figuren oder Tiere gezeigt, die du auf der Fläche finden und anklicken musst. Stell dir «Where is Waldo» vor, nur ohne Farbe, dafür als interaktive Version mit Sound. Das ist «Hidden Folks».

Das 2017 erschienene Game hat in diesem Jahr eine ganze Reihe von Preise abgeräumt, unter anderem war es Apples «iPad Game of the Year». Es ist eine Co-Produktion des Game-Designers Adriaan de Jongh und der Künstlerin Sylvain Tegroeg, beide aus den Niederlanden.

Genre: Hidden Object Game
Zeitaufwand: ab 5 Minuten
Geeignet für: Fans von «Finde den Unterschied»-Bildern

200 Spiele mit Apple Arcade

Apple Arcade ist im App Store zu abonnieren; für derzeit 6 Franken im Monat in der Schweiz oder für 4,99 Euro in Deutschland und Österreich. Die über 200 Spiele auf der 2019 lancierten Plattform sind werbefrei und in der Regel ohne In-App-Käufe. Einige Games, die ich hier vorgestellt habe, sind auch auf anderen Plattformen verfügbar.

Welche Games sind deine Lieblinge? Welches würdest du mir empfehlen, jetzt nachdem ich mich und meine Auswahl für etwas Zeitvertreib offenbart habe? Lass es mich und die Community in den Kommentaren wissen.

23 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


Gaming
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • Skeleton Loader

    Skeleton Loader

  • Skeleton Loader

    Skeleton Loader

  • Skeleton Loader

    Skeleton Loader