Furry Luck Bali
Ratgeber

4 Tipps, mit denen du Strassentieren im Urlaub hilfst

Wer im Urlaub auf streunende Hunde oder Katzen trifft, möchte oft helfen. Doch worauf kommt es an? Auswanderer Reto Steimer und Expat Léa Vendrami geben praktische Tipps aus erster Hand.

Bali gilt für viele Reisende als das Paradies. Auch Léa Vendrami hat sich 2017 in die indonesische Vulkaninsel verliebt. Die 42-jährige Zürcher Trauma- und Nervensystem-Praktikerin sowie Yogalehrerin verbringt dort jedes Jahr mehrere Monate. Seit diesem Jahr lebt sie sogar ohne festes Rückkehrdatum auf der Insel.

Dabei entdeckt sie hinter der Postkartenkulisse zunehmend eine andere Seite.

Ein Problem spitzt sich zu

In letzter Zeit fallen ihr vermehrt verletzte und abgemagerte Tiere am Strassenrand auf. In der Nachbarschaft beobachtet sie immer häufiger, wie sich Katzen unkontrolliert fortpflanzen. Ein trächtiges Weibchen lässt ein Kitten allein in der prallen Sonne zurück. Léa bringt es zum Tierarzt, wie später auch viele weitere Tiere. Zwei Katzenbabys, die auf einer Müllhalde ausgesetzt werden, adoptiert sie.

Sie weiss: Das ist erst der Anfang.

«Mir wurde klar, dass Bali ein massives Problem mit Strassentieren hat. Neben meinen zwei Katzen gibt es noch tausende, die leiden. Ich wollte mehr bewirken.»
Léa mit einem ihrer zwei geretteten Kitten.
Léa mit einem ihrer zwei geretteten Kitten.
Quelle: Léa Vendrami

Hilfe vom Auswanderer

Dabei trifft sie Reto Steimer. Der 34-jährige Aargauer lebt seit 2022 auf Bali. Im selben Jahr eröffnete er ein Tierheim für Strassentiere. 3+ berichtete in der Auswanderer-Sendung «Adieu Heimat» darüber. Seither ist er mit seiner Frau – einer Tierärztin – und seiner eigenen Tierschutzorganisation Furry Luck Bali rund um die Uhr im Einsatz. Unter anderem füttert er täglich etwa 70 Strassenhunde und führt regelmässig Massenkastrationen durch. «Sie sind das mit Abstand wirksamste Mittel», sagt er.

Reto Steimers unermüdliches Engagement lohnt sich: Hunde genesen und geniessen ihr Leben.
Reto Steimers unermüdliches Engagement lohnt sich: Hunde genesen und geniessen ihr Leben.
Quelle: Furry Luck Bali

Und ein dringend nötiges: Gemäss Reto schätzen Tierschutzorganisationen die balinesischen Strassentiere auf rund eine Million. Auch wenn andere Quellen nur von etwa 350 000 Strassenhunden sprechen. Konkrete Zahlen zu Katzen fehlen. Doch Reto weiss: «Es gibt in Bali 24/7 etwas zu tun.» Da zählt jede helfende Hand.

4 Tipps, die einen Unterschied machen

Léa gehört seit einigen Monaten dazu. Sie hat gelernt, wie Touristen Strassentieren helfen können und hatte eine Erkenntnis: «Es braucht gar nicht viel. Schon kleine Gesten und ein paar Franken helfen.» Reto stimmt ihr zu. Die beiden haben folgende Tipps – die du auch an anderen Feriendestinationen beherzigen kannst:

1. Futter und Wasser

In Supermärkten kostet ein Kilo Trockenfutter in den meisten südlichen Ferienregionen nur ein paar Franken. Es verdirbt bei hohen Temperaturen auch weniger schnell als Nassfutter. Ähnlich gut lässt sich Wasser aufbewahren. Léa sagt:

«Am besten bewahrst du Trockenfutter und Wasser in deinem Hotelzimmer auf und nimmst immer etwas mit, wenn du unterwegs bist. So hast du beides sofort zur Stelle, wenn du ein dürres oder geschwächtes Tier antriffst.»

Futter kannst du direkt auf eine saubere Stelle auf den Boden leeren, Wasser in einen aufgeschnittenen PET-Flaschenboden oder einen ausgespülten Becher.

Aber Achtung: Halte genug Abstand zu den Strassentieren. Tollwut ist vielerorts weit verbreitet. Bedränge die Tiere nicht und fasse sie nicht an. Wirst du gebissen oder gekratzt, solltest du sofort medizinische Hilfe aufsuchen.

2. Tabletten

Viele Strassentiere kämpfen mit Haarausfall und Hautkrankheiten. Zum Beispiel aufgrund von Krätze oder anderen Parasiten. In Petshops sind Medikamente günstig: Entwurmungstabletten erhältst du auf Bali zum Beispiel für 1,50 bis 2,50 Franken, Zeckentabletten (Symbarica, Pravecto oder Revolution) für 6 bis 20 Franken. Reto sagt:

«Wenn du unsicher bei der Wahl eines Präparats oder der Dosierung bist, frage in einer Tierarztpraxis oder bei einer lokalen Tierschutzorganisation nach.»

3. Impfungen und Kastrationen

Wenn du beobachtest, dass in einer Gegend viele Jungtiere auf die Welt kommen, ist es hilfreich, sich umzuhören und die Besitzenden ausfindig zu machen. Viele Einheimische haben zu wenig Geld für Tierarztbesuche oder Medikamente. Oder sie wissen nicht, wie sich die unkontrollierte Vermehrung auswirkt.

Deshalb kannst du sie beispielsweise fragen, ob du für eine Kastration bezahlen kannst. Diese kostet beim balinesischen Tierarzt beispielsweise rund 30 bis 70 Franken. An Massenkastrationstagen 25 Franken. Impfungen gegen Tollwut kosten 6 bis 9 Franken. Wichtig ist, dass du das Geld nicht den Einheimischen gibst, sondern die Rechnung direkt vor Ort begleichst. So stellst du sicher, dass das Geld beim Tier landet. Reto betont:

«Du musst dich nicht scheuen, Einheimische anzusprechen. Wenn du freundlich fragst, sind viele sogar sehr froh um Hilfe.»
An Kastrationstagen finden durchschnittlich 50 bis 100 Kastrationen statt.
An Kastrationstagen finden durchschnittlich 50 bis 100 Kastrationen statt.
Quelle: Furry Luck Bali

4. Hilfe von Organisationen

Triffst du auf ein Tier, das verletzt oder kaum noch bei Bewusstsein ist, ist es sinnvoll, möglichst schnell eine ansässige Tierschutzorganisation zu kontaktieren und ihr den Standort mitzuteilen. Tierschutzorganisationen und Tierheime sind auch immer um Geld- und Sachspenden wie Futter, Leinen oder Körbchen froh.

Wegschauen geht nicht

Zurück nach Bali. Nicht für alle Touristen ist das Tierleid so offensichtlich wie für Léa und Reto. Léa glaubt auch: «Viele Menschen blenden das Leid bewusst aus, weil sie ihre Zeit geniessen wollen. Das ist auch menschlich.» Aus den Augen, aus dem Sinn – das gilt überall auf der Welt.

Für die beiden Tierfreunde ist jedoch klar: Wegsehen geht nicht. Nicht, wenn sie täglich auf Tiere treffen, die mit Frittieröl übergossen oder halb tot geschlagen werden. Nicht, wenn immer wieder Giftanschläge verübt werden. Und erst recht nicht, wenn es zwischen all dem Leid immer wieder Erfolgsgeschichten gibt.

Eine handelt vom Welpen Spirit. Reto fand ihn vor knapp zwei Monaten am Strassenrand. Nur noch Haut und Knochen, am Virus Staupe erkrankt und schwer traumatisiert, stiess er Schreie aus, die durch Mark und Bein gingen. «Seine Blutwerte waren so schlecht, dass er eigentlich eine Bluttransfusion gebraucht hätte. Aber sein Körper war zu schwach dafür. Wir dachten, er sei ein hoffnungsloser Fall», erinnert sich Reto. Mehrmals kollabierte der Welpe. Doch er überlebte, gegen alle Erwartungen.

Spirit, wie Reto ihn aufgefunden hat ...
Spirit, wie Reto ihn aufgefunden hat ...
Quelle: Furry Luck Bali
... und Spirit heute.
... und Spirit heute.
Quelle: Furry Luck Bali

Geschichten wie diese spornen Reto und Léa immer wieder an, weiterzumachen. Sie zeigen, dass ihr Einsatz etwas bewirken kann. Und sie hoffen, dass dieser Funke auch auf andere Tierfreunde überspringt. Léa sagt:

«Auch wenn du nur kurz Ferien machst: Ein paar Minuten und Franken hast du immer übrig. Und danach kannst du den Urlaub umso mehr geniessen.»

Weitere Infos zur Adoption von Auslandstieren findest du hier:

Hilfst du in den Ferien Strassentieren? Wenn ja, wie?

Titelbild: Furry Luck Bali

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Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen. 


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