Viel Gepäck, viele Nerven: Acht Tipps für stressfreies Skifahren mit Kleinkindern

Viel Gepäck, viele Nerven: Acht Tipps für stressfreies Skifahren mit Kleinkindern

Katja Fischer
Zürich, am 06.01.2022

Bevor Kinder easy die Pisten runterbrettern, brauchen sie Übung. Und Eltern Nerven aus Stahl. Meine acht Erkenntnisse aus zahlreichen gelungenen und weniger gelungenen Skiausflügen.

Skifahren mit kleinen Kindern. Ich denke da sofort an: Trotzen, Tränen, Diskussionen. An viel Gepäck. Sehr viel Gepäck. Und noch viel mehr Stress.

Mein Wintersport liebender Mann sieht das anders. Hochmotiviert packt er jeweils Auto und Dachbox, um mit unseren beiden Kindern – zwei- und fünfjährig – einen kurzen Skiausflug zu unternehmen. Für zwei Stunden auf einem kleinen Skihügel ist unser Kombiwagen genauso voll wie für zwei Wochen Italien-Ferien im Sommer.

Proppenvoll – und das für nur einen Nachmittag.
Proppenvoll – und das für nur einen Nachmittag.

Mit Kind und Kegel, Sack und Pack fahren wir also am Wochenende regelmässig zum nächstgelegenen Zauberteppich. Um dort unseren zwei Töchtern hinterherzurennen oder -zufahren und ihnen Anweisungen zuzurufen, die sie sowieso nicht befolgen.

Genau wie es Dutzende andere Eltern-Coaches kleiner Skifahrerinnen und Skifahrer auch tun. «Langsam! Laaangsam!», «mach Pizzastücke», «Spitzli zusammen», «geh in die Hocke», «Hände auf die Knie» … Die Zurufe klingen überall gleich. Ich könnte an dieser Stelle auch ein Bullshit-Bingo liefern. Das wäre vielleicht lustig, würde aber wenig helfen.

Nach zahlreichen Skiausflügen mit schimpfenden Kleinkindern und genervten Eltern (oder umgekehrt) will ich stattdessen unsere selbst erprobten Hacks teilen. Zumindest bei uns halten sie die Stimmung hoch und das Stresslevel tief.

1. In wasserdichte Säcke packen

Skifahren beginnt mit der Materialschlacht zu Hause. Im besten Fall schon am Vorabend. Wir packen die Utensilien jeweils in mehrere – wasserdichte – Taschen, damit wir sie später mit einem Handgriff bereit haben. Ski- und Snowboardschuhe kommen in einen Plastiksack, Skijacken und -hosen in einen anderen. Helme und Zubehör wie Mützen, Handschuhe und Schal in einen weiteren. Auch Ersatzwäsche und trockene Kleider für die Heimfahrt deponieren wir separat in einer Tasche.

Snacks, Getränke, Sonnencreme und weiteren Dinge, die wir während dem Skifahren brauchen, nehmen wir in einem Plastiksack bis zum Hügel mit. Ein Rucksack ginge natürlich auch. Liegt er aber lange im Schnee, wird der Inhalt womöglich nass.

Für zwei Stunden Skispass kommen schnell mal vier Taschen zusammen. Mindestens.
Für zwei Stunden Skispass kommen schnell mal vier Taschen zusammen. Mindestens.

2. Nimm den Schlitten mit

Noch so ein grosses Gepäckstück. Ich habe mich lange gegen einen Schlitten gewehrt, wir gehen schliesslich Skifahren. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt. Haben die Kids nämlich mal die Schnauze voll von ihren Ski, bringt eine Schlittenfahrt die gute Laune zurück. Zudem dient das Gefährt als Pausen-Sitzbank für zwischendurch. Ein Schlitten oder Bob lohnt sich also mehrfach.

3. Snacks und Punsch als Muntermacher

Neben Schlittel-Intermezzi sorgen kleine Snacks für Energie. Wir packen zum Beispiel ein paar Sugus oder Traubenzucker in unsere Hosentaschen. Auch Riegel für zwischendurch haben sich bewährt. Zum Trinken haben wir eine Thermoskanne mit Punsch dabei. Das wärmt die Hände und hebt die Stimmung.

Für die Eltern darf’s ruhig mal ein Rumpunsch sein. Auch wir (oder gerade wir) brauchen schliesslich ab und an einen Stimmungsmacher. Ausser natürlich die Person, die das kürzere Streichholz gezogen hat und am Abend das Auto wieder nach Hause fährt.

4. Mit dem Zwiebellook fährst du am besten

Skihosen und -jacken sowie Fleecejacken für drunter ziehen wir den Kindern erst vor Ort an. Im Auto tragen sie nur Thermowäsche und einen Pulli, damit sie nicht zu warm beziehungsweise nachher zu kalt haben. Die unbequemen Skischuhe gibt’s ebenfalls erst, wenn wir angekommen sind. Für die Anfahrt haben sie ihre Schneestiefel an den Füssen.

Noch wichtiger: Zieh erst die Kinder an, dann dich selbst. Sonst kommst du unter Umständen schon ins Schwitzen, bevor der Skiplausch gestartet hat.

5. Parkiere so nahe am Pistenrand wie möglich

Drei Kriterien sind uns wichtig bei unseren sonntäglichen Kurzausflügen: Der Skiort muss innerhalb höchstens einer Stunde zu erreichen sein. Ein Zauberteppich oder ein Schlepplift sind Pflicht. Und die Parkplätze sollen möglichst nahe an der Kinderpiste sein (Geheimtipp: Gähwil im Toggenburg SG. Denn wenn du mit Kindern auf dem Schlitten, mehreren Ski und einem Plastiksack unter dem Arm noch eine Strecke marschieren musst, kommst du ins Stolpern und – wie bei Punkt vier – ins Schwitzen. Du verlierst also wertvolle Energie, die du später noch bitter nötig haben wirst.

6. Den frühzeitigen WC-Abstecher vergisst du nur einmal

Kaum sind Zwiebelschichten und Skischuhe am Kind, heisst es: «Bisle!» Vergiss deshalb niemals, mit den Kids noch aufs Klo zu gehen, bevor ihr euch in Vollmontur auf die Kinderpiste begebt. Du sparst Zeit, Schreikrämpfe und Nerven.

7. Ooohm … Bewahre Ruhe und kupfere ab

Apropos Nerven: Schone sie. Nimm’s möglichst gelassen. Wenn das Kind mal den ganzen Nachmittag partout nicht auf den Ski fahren will, ist es eben so. Manchmal nützen sämtliche Animationsbemühungen, Schoggi-Bestechungsversuche oder Fernsehentzug-Drohungen nichts. Dann hast du den Ausflug halt für einen Kafi am Pistenrand gemacht – ist toll und gemütlich, das sagte schliesslich schon Vreni Schneider. Zuschauen beziehungsweise abkupfern ist sowieso empfehlenswert. Nutze die Zeit und schaue Übungen und Anweisungen bei anderen Eltern oder Skilehrern ab.

Manchmal scheitern Eltern als Animateure. Dann wird halt nur zugeschaut.
Manchmal scheitern Eltern als Animateure. Dann wird halt nur zugeschaut.

8. Ein Skigurt spart viel Kraft

Skigurten als Lernhilfe sind umstritten, weil die Kinder damit nicht von Anfang an selbst bremsen und lenken müssen. Und sie deshalb laut Kritikern nicht richtig Skifahren lernen. Wir haben uns deshalb lange keinen angeschafft und unsere Mädchen stattdessen mit Skistöcken und Hula-Hoop-Reifen gezogen, stabilisiert und eingefangen.

Seit Kurzem besitzen wir nun einen Skigurt und fragen uns, warum wir ihn nicht schon längst gekauft haben.

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Das kleine Ding ist ein grosser Helfer auf der Piste: Es spart Kräfte und macht richtig Spass – für beide Seiten. Im Prinzip handelt es sich um ein Geschirr mit zwei Leinen. Die Kinder können vermeintlich frei fahren, die Eltern beeinflussen am Seil Tempo und Richtung.

Sogar das Hochkommen wird buchstäblich zum Kinderspiel. Die Seile nimmst du nach vorne und ziehst das Kind easy den Hügel hoch.

Schlangenstehen am Kinderlift erübrigt sich mit dem Gurt.
Schlangenstehen am Kinderlift erübrigt sich mit dem Gurt.

Hast du weitere Tipps fürs Skifahren mit Kleinkindern? Wie schaffst du es, cool zu bleiben? Hacks und Inspirationen sind willkommen – nutze dafür die Kommentarspalte unten.

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Katja Fischer
Katja Fischer

Senior Editor, Zürich

Anna-und Elsa-Mami, Apéro-Expertin, Gruppenfitness-Enthusiastin, Möchtegern-Ballerina und Gossip-Liebhaberin. Oft Hochleistungs-Multitaskerin und Alleshaben-Wollerin, manchmal Schoggi-Chefin und Sofa-Heldin.

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