Seine Comicfiguren zieren die Plakate der Street Parade
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Seine Comicfiguren zieren die Plakate der Street Parade

Carolin Teufelberger
Zürich, am 08.08.2019
Bilder: Thomas Kunz
Der Grafiker Demian Vogler hat 2001 einen Webcomic um einen ägyptischen König herausgebracht. 18 Jahre später ziert diese Figur die Plakate der grössten Technoparade der Welt.

Ein König, dessen Lendenschurz von einem Kamel gefressen wird und danach in eine Odyssee auf der Suche nach seiner Kleidung gerät. Schon mit 19 Jahren hat Demian Vogler einzelne Elemente von «When I am King» im Kopf. Ein nackter König als Protagonist war eine der Ideen – und sie blieb. «Danach begann ein langer Entwicklungsprozess. Die Geschichte formte sich im Kopf und auf dem Computer, bis ich meinen Webcomic 2001 erstmals veröffentlichte», erzählt er.

Demian ist freischaffender Grafiker. Seine Arbeiten stechen in seinem Atelier in der Nähe der Zürcher Langstrasse gleich ins Auge. An den Wänden gerahmt, im Schaufenster ausgestellt oder als Flyer auf dem Tisch – überall sind seine Illustrationen zu sehen. Auch sein Comic liegt auf. «Letztes Jahr habe ich den Webcomic in Buchform herausgebracht.» Dafür hat er die virtuelle Version noch einmal kräftig überarbeitet und diverse Szenen hinzugefügt. Acht Jahre hat dieser Prozess gedauert. «Ein wenig länger, als ich mir vorgenommen habe, aber das Buch entstand komplett in meiner Freizeit», so Demian.

Der ursprüngliche Webcomic kann nun auch offline gelesen werden.
Der ursprüngliche Webcomic kann nun auch offline gelesen werden.

Der Comic zieht Kreise

Die investierte Zeit hat sich gelohnt. Letztes Jahr hat er im Rahmen der Grafik 18 Illustrationen und seinen gebundenen Comic ausgestellt. Den hat auch der Organisator der Street Parade gesehen und war begeistert. «Wir kamen ins Gespräch, wobei er mich fragte, ob ich Interesse an der Gestaltung des Eventplakats habe.» Hatte er. Nach einem weiteren Treffen war klar: Demians Comic-Protagonisten und weitere Figuren zieren Poster und Merchandise der diesjährigen Strassenparade. Im Januar präsentierte Demian erste Entwürfe. Zehn Charaktere, die die Vielschichtigkeit und Diversität des Fests widerspiegeln, mit denen in zehn Bildern eine kurze Geschichte erzählt wird. Die Idee mit der Bildgeschichte kam vom Veranstalter, der Rest von Demian. An dieser Idee wurde gemeinsam über Monate gefeilt. «Das Motto – Colours of Unity – wurde erst nach den ersten Entwürfen klar. Danach habe ich die Figuren bunter gemacht und mir erst dann eine definitive Geschichte überlegt.»

Für sein Buch wie auch das Plakat hat er auf einen alten Illustrationsstil zurückgegriffen. «Der Comic kam erstmals vor 18 Jahren raus, seitdem hat sich einiges verändert. Die technischen Möglichkeiten heute lassen viel komplexere Umsetzungen zu.» Demian sah diese Rückkehr zu den Wurzeln aber nicht als Einschränkung, im Gegenteil. «Mir hat es Spass gemacht, die Figuren von Hand auf dem iPad zu skizzieren und mich in diesen Stil einzufühlen.» Generell experimentiert er gerne mit verschiedenen Stilen und probiert einfach einmal aus.

Demian skizziert seine Figuren am liebsten vor.
Demian skizziert seine Figuren am liebsten vor.

Sprachlos glücklich

Auch bei «When I am King» hat er etwas ausprobiert: Der Comic kommt ganz ohne Wörter aus. «Das ist für mich hohe Kunst, da die Bilder so klar sein müssen, dass sie für sich sprechen.» Vor allem als Webcomic bringt das einen grossen Vorteil. «Jeder kann die Geschichte lesen, da die Sprachbarriere komplett wegfällt», erklärt Demian. Für den Titel musste er dann aber doch auf geschriebene Sprache zurückgreifen. «When I am King» ist eine Anlehnung an den Radiohead-Song «Paranoid Android», der sich wiederum auf Roboter Marvin aus dem Film «A Hitchhiker’s Guide to the Galaxy» bezieht.

Demian lässt Bilder sprechen. Text gibt's nicht.
Demian lässt Bilder sprechen. Text gibt's nicht.

Die Gitarre als Ausgleich

Ideen für einen neuen Comic hat er schon im Kopf. Dann voraussichtlich mit Text. Und vielleicht weder fürs Web noch als Buch, sondern in der Zeitung. «Das habe ich auch schon fürs Tagblatt gemacht. Jeder Leser konnte dem Protagonisten Blumhund schreiben und ich habe aus den Mails dann weitere Comics kreiert.» Dieses Jahr stehen aber erst andere Dinge an. Die Website muss zum Beispiel auf Vordermann gebracht werden. Und seine eigentliche Arbeit als freier Grafiker kommt auch noch hinzu. Ein ordentliches Pensum. Da muss der Kopf zwischendurch gelüftet werden. Dafür spielt er am liebsten ein paar Minuten auf der Gitarre. «In kreativen Berufen ist die grösste Schwierigkeit, fokussiert zu sein, ohne sich zu verkrampfen. Sonst läuft nichts mehr», meint Demian.

Erst ein paar Akkorde gespielt und schon zieht sich ein entspannter Ausdruck über sein Gesicht.
Erst ein paar Akkorde gespielt und schon zieht sich ein entspannter Ausdruck über sein Gesicht.

Vielleicht hilft dabei auch ein Blick auf seine Kunst, die nun in ganz Zürich hängt und am Event selbst am 10. August in Form von Animationen und Merchandise zu sehen sein wird. «Ich geh sicher vorbei und schaue mir mal an, wie alles umgesetzt wurde.» Denn auf alles andere ausser das Plakat hatte er nur bedingt Einfluss. Seine Figuren und damit sein gesamtes Vertrauen hat er dem Veranstalter als InDesign-Datei übergeben. «Diesen für einen Künstler mutigen Schritt habe ich bis jetzt nicht bereut.»

Das vollendete Werk hängt an so ziemlich jeder Strassenecke.
Das vollendete Werk hängt an so ziemlich jeder Strassenecke.

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Editor, Zürich
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Dinge kennenzulernen und zu erlernen. Neue Erfahrungen lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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