

Kinder-Kosmetik von Temu im SRF-Test – das Ergebnis ist ein Schock
Was steckt in günstigen chinesischen Kosmetikprodukten für Kinder? Der «Kassensturz» hat 15 Produkte bei Temu und Co. bestellt und untersucht. Egal ob Haarkreide, Nagellack oder Henna-Tatto-Set – kein einziges Produkt dürfte in der Schweiz verkauft werden.
Der Preis ist tief, die Verlockung gross. China-Shops wie Temu, Fruugo, Shein oder Aliexpress bieten Produkte, mit denen sich Kinder schminken können, unschlagbar günstig an. Das SRF-Magazin «Kassensturz» wollte wissen, ob das Zeug in Fläschchen, Tuben und Töpfchen von Kindern gefahrlos verwendet werden kann.
Insgesamt 15 Produkte hat die Redaktion bestellt und im Kantonslabor Basel-Stadt untersuchen lassen: vier Kosmetik-Köfferli, vier Henna-Tattoo-Sets, drei Gel-Nagellack-Sets und vier Haarfärbemittel, darunter Haarkreide für Strähnchen.
Die Tabellen mit den Auswertungen zeigen ein erschreckendes Bild. Kein einziges der 15 Produkte ist mit Schweizer Gesetzen konform. In 14 sind unerlaubte Substanzen enthalten, bei mehr als der Hälfte die Höchstwerte überschritten, bei zwölf Erzeugnissen ist ausserdem die Deklaration nicht in Ordnung, so das Fazit.
Testleiter Urs Hauri zeigt sich gegenüber dem SRF nicht überrascht. Er befasst sich seit über zehn Jahren mit Kosmetika und sagt:
«Gerade in Kosmetika aus Asien findet man extrem viele Stoffe, die nicht erlaubt oder sogar ausdrücklich verboten sind.»
Das Problem geht über den gesetzlichen Verstoss hinaus: Die Produkte enthalten allergieauslösende oder giftige Stoffe und können ein konkretes Gesundheitsrisiko darstellen. Alle Schminksachen aus dem Test dürften in Schweizer Läden nicht verkauft werden. «Kassensturz» hat die Lieferanten kontaktiert und auf die problematischen Inhaltsstoffe hingewiesen. Nur drei der 15 haben überhaupt reagiert und Besserung gelobt.
Behörden sind machtlos
Wer bei Temu und Co. bestellt, handelt rechtlich als privater Importeur. Die Vorschriften des SchweizerLebensmittelrechts (LMG) greifen hier nicht. Ursprünglich war die Ausnahme definiert worden, weil die Behörden nicht alles kontrollieren können, was jemand aus den Ferien in die Schweiz mitbringt.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit kann deshalb nicht viel mehr machen, als zu sensibilisieren: Wer etwas über internationale Onlineplattformen einkauft, ist selbst verantwortlich. Das Amt warnt davor, Kosmetik auf ausländischen Plattformen zu bestellen.
Wer auf der sicheren Seite sein will
Schweizer Shops unterliegen strengen Kontrollen, und sie haften für die Produkte, die es bei ihnen zu kaufen gibt. Bei Galaxus ist Kinderschminke ein eigener Produkttyp. Hier arbeiten wir nur mit einer kleinen Zahl ausgewählter und geprüfter Lieferanten zusammen.
Viele der Produkte werden nicht in China hergestellt, sondern stammen aus europäischer Produktion und erfüllen die Schweizer Anforderungen und sind nach EU-Kosmetikverordnung zertifiziert. Die Marken im Shop – zum Beispiel Eulenspiegel, Martinelia oder Namaki sind seit vielen Jahren und Jahrzehnten im Markt und machen zum Beispiel auf ihren Websites Angaben zur Produktion und zu Inhaltsstoffen.
In der «Kassensturz»-Sendung hat sich ein Reporter auch in einer Stadt in China umgesehen, in der ein grosser Teil der Kosmetikproduktion des Landes angesiedelt ist. Ausserdem wird gezeigt, welche Erfahrungen ein Schweizer Händler beim Verkaufen via Temu gemacht hat.
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
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