Ein Blick in die Glaskugel

Ein Blick in die Glaskugel

Pia Seidel
Zürich, am 27.10.2020
Philips Hue hat es auf designaffine Leute wie mich abgesehen. Die neue Lampe «Hue Iris BT» ist eleganter als ihre Vorgänger und lässt sich per Bluetooth bedienen.

Die Iris BT soll in der Inneneinrichtung für Akzente sorgen. Sie ergänzt die fast zehn Jahre alte Philips-Hue-Iris-Reihe und kann in ein bestehendes Hue-System mit Bridge integriert werden. Viel spannender ist für mich, dass diese Iris-Variante einem Designobjekt gleicht und nicht mehr so technisch aussieht. Ein Grund auszuprobieren, wie gut sie sich als Hintergrundbeleuchtung macht.

Weg vom Plastik-Look

Das neue Design ist dank reduzierter Formen ruhig, aber gleichzeitig ausdrucksstark. Die perfekte Halbkugel aus Kunststoff wirft einen weichen Lichtkegel an die Wand. Anders als die letzte Iris-Version, bei der die Verstrebungen für meinen Geschmack zu unruhig waren, besitzt diese lediglich einen Metallstab im Innern. Es gibt die Iris BT in Weiss und Schwarz sowie in limitierter Auflage in den Farben Gold, Kupfer, Rosa und Silber. Bei meinem goldenen Modell ist der Stab aus einem legierten Aluminium. Um ihn herum befindet sich eine transparente Kunststoff-Kuppel, die die Tischlampe optisch zart und physisch zum Fliegengewicht macht.

Metallische Details wie der goldene Ring machen Iris BT zum Hingucker.
Metallische Details wie der goldene Ring machen Iris BT zum Hingucker.
Der Karton ist auf die Lampe abgestimmt. Er enthält eine Bedienungsanleitung sowie ein Netzteil.
Der Karton ist auf die Lampe abgestimmt. Er enthält eine Bedienungsanleitung sowie ein Netzteil.

Gelingt auch ohne Vorwissen

Da ich kein bestehendes Philips Hue habe, fange ich ganz von vorne an. Nach dem Download der App und Einrichten des Kontos schalte ich Bluetooth und GPS an. Kurz darauf erscheint die Lampe in der App. Mit einem Klick ist sie verbunden und einsatzbereit. Das Menü zum Auswählen der Farben und Helligkeit ist simpel aufgebaut. Ich kann alles intuitiv bedienen.

Ausser einer kurzen Wartezeit, bis sich die diskrete Lampe anstellen lässt, habe ich nichts zu bemängeln. Im Gegenteil: Ich finde Gefallen an den kreativen Vorschlägen für unterschiedliche Lichtstimmungen mit Namen wie «Morgendämmerung am Meer» oder «Wintersonnenwende». Daneben bietet die App das Erstellen von «Routinen» an: Timer, Schlafen gehen und Natürliches Aufwachen, das jetzt schon zu meinen Favoriten in der dunklen Jahreszeit gehört, stehen zur Auswahl. Die einzige Voraussetzung für Letzteres ist, dass ich Bluetooth und GPS über Nacht auf dem Smartphone eingeschaltet lasse.

Die App macht unterschiedliche Vorschläge für Lichtfarben oder Möglichkeiten, Helligkeiten und Farbton zu verändern.
Die App macht unterschiedliche Vorschläge für Lichtfarben oder Möglichkeiten, Helligkeiten und Farbton zu verändern.
16 Millionen Farben lassen sich theoretisch über den Kreis bestimmen. Praktisch entscheidet dein Feingefühl über die Menge.
16 Millionen Farben lassen sich theoretisch über den Kreis bestimmen. Praktisch entscheidet dein Feingefühl über die Menge.

Um das Licht zu verändern, streiche ich mit dem Finger über einen Farbkreis. Dieser entfaltet sich über die gesamte Breite meines Smartphone-Bildschirms und sollte sich gut von Personen mit grossen Händen bedienen lassen. Die Steuerung ist von einem circa zwölf Meter entfernten Zimmer trotz zwei Wänden dazwischen möglich. Sie verläuft reibungslos. Das mag anders aussehen, wenn du mehrere Bluetooth-Lampen hinzufügst oder Räumlichkeiten besitzt. Im Rahmen meines Tests ohne Smarthome-System kann ich nur die Bluetooth-Steuerung einer einzigen Lampe beurteilen. Die Verbindung zu anderen Geräten wie Kopfhörer wird nicht unbeeinträchtigt.

Ein Stimmungsmacher

Im Vergleich mit ihren Vorgängern (210 Lumen) und der Reihe Bloom (120 Lumen) ist Iris BT mit 570 Lumen das «hellste Köpfchen». Obwohl es sich bei der Tischlampe um ein Akzentlicht handelt, kann ich sie bei einer Grundbeleuchtung mit der Einstellung «Arbeiten» oder «Konzentrieren» unterstützend als Leselampe nutzen. Das kühle Licht macht wach. Wenn die Scheibe nicht nur auf die Wand, sondern in die Raummitte zeigt, kann sie auf der hellsten Stufe sogar blenden. Auf der niedrigsten Stufe (1 Prozent) flackert nichts. So sanft wie der Lichtpunkt auf ihr ist, kann die Lampe im Schlaf- oder Kinderzimmer als Nachtlicht dienen.

Am Chamäleon-Effekt von Iris habe ich besonders Freude. Die Tischlampe passt sich an jeden Einrichtungsstil an und wirkt dank der vielen Farben immer wieder anders. Ihr Kabel ist auch lang genug, um es geschickt zu verstecken. Das ist neben der smarten Weckfunktion ein Grund mehr für mich, meine Meinung über Tischlampen mit Kabeln zu revidieren. Zugegeben war diese nicht ganz so festgefahren und im letzten Artikel über kabellose Tischlampen überspitzt dargestellt. Ich wollte herausfinden, für welches Produkt du das Verbauen von Akkus für gerechtfertigt hältst. «Für das Ebike, das Handy etc. macht das ja Sinn...für Lampen in der Wohnung wohl eher nicht,» schreibt ein anonymes Community-Mitglied damals in den Kommentaren. Dem kann ich nur zustimmen – vor allem, wenn der Blick in die Glaskugel so schön sein kann.

Behaglicher Verlauf: Unter 10 Prozent kann Iris ein Nachtlicht sein.
Behaglicher Verlauf: Unter 10 Prozent kann Iris ein Nachtlicht sein.
Je nach Farbe bekommt die Tischlampe einen ganz anderen Look.
Je nach Farbe bekommt die Tischlampe einen ganz anderen Look.

Fazit

Die Lampe Iris BT eignet sich für alle, die eine Schwäche für Design und atmosphärisches Licht haben. Sie kann mit dem Smartphone oder der Hue Bridge gekoppelt werden. Letzteres ziehe ich in Betracht, denn diese Tischlampe besitzt keinen herkömmlichen Schalter zum Ein- und Ausstellen. So könnte ich den zusätzlichen Griff nach dem Handy sowie häufiges Aufladen vermeiden. Nur der Preis wirft ein Fragezeichen auf. In Weiss ist die Bluetooth-Iris-Version um zehn Franken und in der limitierten Farbe Gold doppelt so teuer wie der Vorgänger. Es verwundert nicht, dass alte Modelle günstiger als die neuen sind. Trotzdem erscheint mir dieser Preisunterschied für beschichtetes Aluminium statt Plastik übertrieben. Es bleibt offen, ob ich hier das bisschen Material oder das «Exklusive» der limitierten Edition zahle. Philips Hue hat mit Iris dennoch bei mir als Ästhetin ins Schwarze getroffen. Für solch ein gelungenes Design bin ich bereit, mehr zu zahlen.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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