Dieser Wecker will helfen – aber Kinder haben ihren eigenen Kopf

Dieser Wecker will helfen – aber Kinder haben ihren eigenen Kopf

Martin Jungfer
Zürich, am 19.03.2021
Es soll der erste Wecker sein, der mit Kindern für Kinder entwickelt worden sein soll. Sagt der Hersteller. Was der Kid’Sleep wirklich kann, habe ich ausprobiert.

Wow, ein «pädagogischer Wecker»! Da hat das Marketing des Herstellers bei mir den richtigen Nerv getroffen, ich will schliesslich ein verantwortungsvoller Vater für meine Tochter sein. Also muss ich diesen Wecker haben. Für unser Kind nur das Beste!

Und so habe ich mir von unserer Einkäuferin den Kinderwecker Kid’Sleep der Firma Claessens’Kids besorgt. Ich will wissen, ob er die Versprechen einhält, die in blumiger Marketing-Sprache auf der Website aufgelistet sind. Oder wenigstens ein paar. Und ausserdem kostet der Wecker doch deutlich mehr als ein einfacher Zeitanzeiger mit Weckfunktion.

Was der Kid’Sleep kann, erfährst du in der Produktbeschreibung. Ich erkläre dir hier, was meine Erfahrungen mit dem Teil nach einigen Wochen sind. Wobei ich natürlich nicht alleine getestet habe, sondern auf die Mitwirkung einer mal besser, oft schlechter gelaunten Sechsjährigen angewiesen war, die der Wecker zum Aufstehen und Einschlafen bringen sollte.

Was zeigt der Wecker an?

Gemacht ist der Wecker für Kinder ab fünf Jahren, also für das Alter, in dem sie beginnen, die Uhrzeit zu lesen – eine komplexe Angelegenheit. Ein Tag hat 24 Stunden, eine Stunde 60 Minuten, und pro Tag macht der eine Zeiger zwei Runden, der andere 24. Es gibt «zehn nach», «viertel vor» und weitere Absonderlichkeiten. Wie gesagt, es ist kompliziert. Spätestens in der zweiten Klasse sollten es die Kinder hierzulande beherrschen. Falls du jetzt spontan Lust hast, mit deinem Kind üben zu wollen, gibt es hier fundiertes trockenes Lehrmaterial.

Die Produktentwicklerinnen bei Claessens’Kids waren sich der Komplexität offensichtlich bewusst. So gibt es eine klassische Analog-Uhr mit Zahlen für jede Stunde und Fünf-Minuten-Schritten. Und zusätzlich eine Digital-Anzeige. Rechts daneben soll eine Tag/Nacht-Darstellung mit Beleuchtung deinem Kind helfen bei der Beantwortung der Frage, ob es schon aus dem Bett klettern und die Eltern bespassen darf oder noch liegen bleiben sollte.

Der Kinderwecker hat eine gelungene Analoguhr, eine zu kleine digitale Uhr und die Anzeige, ob gerade Schlafens- oder Spielzeit ist.
Der Kinderwecker hat eine gelungene Analoguhr, eine zu kleine digitale Uhr und die Anzeige, ob gerade Schlafens- oder Spielzeit ist.

Dein Kind kann das Ziffernblatt und die digitale Anzeige unten hell erstrahlen lassen, wenn es einmal auf den Pilz-Knopf oben drückt. Fünf Sekunden Helligkeit müssen reichen, die Zeit abzulesen. Sonst: nochmal drücken.

Wie bedienst du den Wecker?

Die Fähigkeit, eine digitale Zeitanzeige einzustellen, ist eine der Kulturtechniken, die uns zusehends abhandenkommt. Funkuhren und Smartphones sei Dank. Beim Kinderwecker kannst du dein Wissen noch einmal anwenden. Zwei Sekunden lang auf «Set» drücken, die Stundenanzeige blinkt. Dann mit der kleinen Pfeiltaste so lange drücken, bis die Zeit stimmt. Wieder «Set» drücken, gleiches Spiel mit den Minuten. Zum Schluss wieder «Set». Schon fertig. Oder fast. So eine digitale Anzeige hat noch eine Tücke: den AM/PM-Modus. Du solltest darauf achten, den 24h-Modus zu wählen, damit die Weckzeit auch stimmt, die du mit dem Zeiger der analogen Uhr einstellst. Klingt kompliziert, ist es auch. Digitale und analoge Uhr sind übrigens auch nicht synchronisiert, weshalb es mit der Zeit kleinere Abweichungen gibt.

Sind die Uhrzeiten eingestellt, kannst du die Weckzeit einstellen. Dafür drehst du an der Rückseite den Knopf, bis der «Weckzeiger» auf der gewünschten Zeit steht, zu dem dein Kind erwachen möge. Bei der digitalen Uhr kannst du keine Weckzeit programmieren.

Dann noch zur Spielzeit-Schlafenszeit-Anzeige: Sie wird grundsätzlich aktiviert über reinen Schieberegler auf der Rückseite. Allerdings leuchtet das Schlafenszeit-Bild erst, wenn du auch den Wecker aktivierst, also einstellst, dass er am nächsten Morgen wieder klingeln soll. Klingt ebenfalls kompliziert, und ist es auch hier.

Daher schnell noch etwas leicht verständliches. Der Wecker hat eine Snooze-Funktion. Klingelt der Wecker am Morgen, kann dein Kind noch einmal drei Minuten Ruhe herausholen, bis zur nächsten Runde des Alarmsignals. Dafür drückt man auf den Pilz-Knopf, der sonst die Beleuchtung aktiviert.

Wie kling(el)t der Wecker?

Die drei Optionen des Wecktons erinnern mich an die schlimme Zeit der Jamba-Klingeltöne («SCHICKE JETZT 'FROSCH EINS' AN FÜNF MAL DIE DREI!!!»). Im Kid’Sleep hast du immerhin nur die Wahl aus drei Wecksignalen: Zug, Kuckuck und Vogelgezwitscher. Egal, welcher Ton es sein darf, es tönt fast schon infernalisch und blechern aus dem kleinen Lautsprecher auf der Rückseite. Da nervt der Kuckuck oder man glaubt am Vorabend neben dem Gleis am Güterbahnhof eingeschlafen zu sein. Für sanftes Erwachen ungeeignet.

Auf der Rückseite gibt es allerlei Drehknöpfe und Schiebeschalter, unter anderem auch jenen, mit dem du einen der Klingeltöne auswählen musst.
Auf der Rückseite gibt es allerlei Drehknöpfe und Schiebeschalter, unter anderem auch jenen, mit dem du einen der Klingeltöne auswählen musst.

Fazit

Vieles am Kinderwecker ist durchdacht und gut gemeint. Du kannst den Wecker an die Steckdose hängen, was einige Sätze Batterien spart. Die analoge Anzeige der Uhr liefert die Informationen, die Kinder zum Erlernen brauchen. Angenehm ist, dass der Wecker nicht hörbar tickt. Die Anzeige, ob gerade Schlafens- oder Aufstehzeit ist, kann Kindern helfen, die sich von einem hintergrundbeleuchteten Bildchen vorschreiben lassen, doch jetzt mal die Äuglein zu schliessen. (Die Sechsjährige im Test ignoriert solch schwache Autoritäten.)

Die Bedienung des Weckers ist alles andere als intuitiv. Du wirst also die Anleitung studieren müssen. Ist natürlich nicht sonderlich schlimm, aber ich bin mir sicher, dass das auch besser gelöst werden könnte. Statt blechern und zu laut tönenden Zügen oder Vögeln hätte ich mir für unsere Tochter als Weckton eine schöne Melodie aus einem einigermassen anständigen Lautsprecher gewünscht.

Claessens’Kids hat den Wecker bis vor Kurzem nur in Rosa und Blau angeboten, aber die Zeichen der Zeit doch erkannt. Mit einer Version in Grau gelingt der Ausbruch aus dem Gefängnis der Geschlechterklischees.

Bleibt noch die Frage zu klären, ob du mit dem Kauf dieses Weckers pädagogisch positiv aus der Eltern-Masse hervorstichst. Das kommt wohl auf dein Kind an. Unsere Tochter findet es ohnehin generell doof, aufstehen zu müssen für die Schule. Der Kinderwecker und seine unangenehme Klingelton-Trilogie verstärken den Frust eher. Am Wochenende dagegen wird das beleuchtete Schlafen-Symbol gerne ignoriert und frühzeitig wie eine Herde Elefanten durchs Kinderzimmer getrampelt.

Das sind die Alternativen

Wenn du ein Nachtlicht und einen Wecker brauchst, kannst du das auch getrennt kaufen. Bei uns ist zum Beispiel seit der Babyzeit schon ein Nachtlicht von Vava im Einsatz; das neueste Modell kann sogar noch einiges mehr. Günstigere Nachtlicht-Lösungen gibt es auch, wenn du eine Steckdose an einer geeigneten Stelle hast. Besonders beliebt ist das Nachtlicht von Yeeglight. Das gibt’s dann zu einem Drittel des Preises des Kinderweckers. Jetzt brauchst du noch einen Wecker. Hier ist die Auswahl überwältigend. Ich würde darauf achten, dass das Uhrwerk leise ist und mich für eine analoge Anzeige entscheiden. Der Rest ist dann eine Frage des Geschmacks und des Preises.

Aikus
Mengenrabatt
21.80
TFA Aikus
Hund Eliot
Mengenrabatt
23.70
Egmont Hund Eliot
Krone
Mengenrabatt
15.–
Hama Krone

Falls dir aber die Idee gefällt, dass ein Wecker deinem Kind signalisiert, ob es Zeit zum Aufstehen oder eben zum Einschlafen ist, lohnt sich vielleicht ein Blick auf Sam von Zazu. Das Schaf bringt wie der Wecker von Claessens’Kid auch ein integriertes Nachtlicht mit, verbindet ebenfalls digitale und analoge Anzeige der Uhrzeit, kann aber darüber hinaus noch punkten mit unterschiedlich beleuchteten Displays und einem Timer fürs Nachtlicht.

Ich glaube, den werde ich als nächstes testen. Und hoffen, dass er sich im Soundcheck besser hält.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer
Head of Content, Zürich
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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