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Der Weg zum Titel: Fünf Tipps fürs Tippspiel

Meine Tippkarriere ist ein Trauerspiel. Der Kopf sagt 3:1, der Bauch fühlt ein 4:2, das Match endet 0:2. Damit es an der WM besser wird, muss eine neue Strategie her: gnadenlos rational. Die Emotionen spare ich mir für die Spiele.

Wer tippt und die Sache ernst nimmt, muss leidensfähig sein. Denn meistens geht es ja doch in die Hose. Zumindest bei mir. Während der letzten WM hat eine Kollegin bei allen Partien konsequent auf das für sie attraktivere Ferienland gesetzt und damit lange verdammt gut abgeschnitten. Wer sonst hätte schon Costa Rica im Viertelfinal vermutet? Ich sicher nicht. Aber diesmal wird bestimmt alles besser, denn ich lasse mein Bauchgefühl im Bauch und der Kopf wird vor dem Tippen mit allen verfügbaren Fakten gefüttert. Fünf Tipps werde ich beachten.

Tipp #1: Finger weg von Torfestivals

Sie sind schön, aber ziemlich selten: Tore! Beim Ausfüllen der Tippfelder ging bislang regelmässig die Fantasie mit mir durch. Kroatien – Nigeria? 4:2! Uruguay – Saudi-Arabien? 5:1! Spektakelspiele sind schön und gut, aber eben viel seltener als ich sie mir wünsche. Drum ist es an der Zeit, die Tipperei seriöser anzugehen. Oder besser gesagt: torärmer. Denn im Fussball kann zwar alles passieren – tut es in der Regel aber nicht. Die Ergebnis-Klassiker 1:0, 1:1 und 2:1 kommen schlicht und einfach am häufigsten vor. Im Durchschnitt fielen an der WM in Brasilien 2,7 Tore pro Spiel, und das war schon sehr viel. Mehr waren es zuletzt 1982 (2.8).

Spanien ist an der WM 2010 mit vier 1:0-Siegen in der K.O.-Runde Weltmeister geworden und hat dabei trotzdem alle schwindelig gespielt. Was mich oft von den 1:0-Tipps abhält, ist die Tatsache, dass sie schon nach der ersten Minute falsch sein können. Der Statistik ist dein persönlicher Spannungsbogen aber völlig egal. Die ganz wilden Tipps kannst du dann anbringen, wenn du mal wieder hoffnungslos ins Hintertreffen geraten bist oder Deutschland gegen Brasilien spielt.

Tipp #2: Elo-Weltrangliste und Geldrangliste

Die Weltrangliste der FIFA ist eine übersichtliche Sache und die Platzierungen sind beliebtes Kommentatorenfutter, sie werden ständig erwähnt. Aus Schweizer Sicht ist die Rangliste auch ziemlich attraktiv, denn die Nati steht auf einem starken sechsten Platz. Leider ist das noch kein Grund, sie spontan bis in den Viertel- oder Halbfinal zu tippen. Ich lasse mich nicht davon beeinflussen und auch die FIFA hat erkannt, dass ihr Ranking zu wenig Aussagekraft hat. Nach der WM wird es reformiert und dann auf der Elo-Zahl basieren, die vor allem aus dem Schach bekannt ist und die Spielstärke realistischer wiedergibt. Künftig könnte die Rangliste also ungefähr so aussehen – mit der Nati auf Rang 14. Ausserdem lohnt sich ein Blick auf die geschätzten Marktwerte der Kader, denn teure Beine schiessen in der Regel mehr Tore. Beste Aussichten für diese Milliardentruppen:

  • Frankreich (1,08 Mrd. Euro)
  • Spanien (1,03 Mrd. Euro)
  • Brasilien (981 Mio. Euro)

Tipp #3: Wettquoten und Prognosen studieren

Ja, es geht um viel Geld. Weniger für dich und mich im Tippspiel, dafür umso mehr für Spieler, Veranstalter – und Wettanbieter. Die tun alles dafür, dass möglichst viel davon bei ihnen bleibt und füttern ihre Computer deshalb mit Daten ohne Ende, um basierend auf den Tipps der Zocker für sie vorteilhafte Quoten zu errechnen. Ein Blick darauf zeigt also immer aktuell: Wo es weniger zu gewinnen gibt, liegst du mit deinem Tipp eher richtig. Nichts für Fussballromantiker, ich weiss. Aber auf dem Weg zum Tipptitel muss man mit der Zeit gehen und jedes Hilfsmittel nutzen.

Dazu zählen auch die vielen Prognosen, die zum Beispiel von den Rechnern der UBS (Deutschland ist mit einer Titelwahrscheinlichkeit von 24 % Favorit vor Brasilien mit 19.8 % und Spanien mit 16.1 %), bei KickForm (Brasilien gewinnt im Final 2:1 gegen Deutschland) oder auch von EA Sports in die Welt gesetzt werden: Der Game-Hersteller hat den Ausgang der WM mit FIFA 18 simuliert und dabei Frankreich als Weltmeister ausgespuckt. Auch das Team des Turniers steht schon fest – zumindest für den Netzwerk-Experten Luís Amaral, der vor zehn Jahren damit begann, den Einfluss einzelner Spieler innerhalb der Mannschaft zu messen und in ein «Average Footballer Rating» (AFR) zu übersetzen. Vor der EM 2008 identifizierte er Spanien als stärkstes Team und Xavi als einflussreichsten Spieler – und lag mit beidem goldrichtig. Dieses Mal hat er sein Dream Team 2018 der stärksten Feldspieler veröffentlicht, und darin stehen gleich vier Brasilianer: Dani Alves, Casemiro, Marcelo und Neymar. Den verletzungsbedingten Ausfall von Alves konnte auch der Professor nicht vorhersehen.

Tipp #4: Sicherheitsfussball – alles durchtippen!

Was der zu kurze Rückpass auf dem Rasen, ist das leere Ergebnisfeld im Tippspiel. Ein entscheidender Fehler, der mir schon mehr als einmal passiert ist und erst auffällt, wenn es schon zu spät ist. Klar ist es sinnvoll, aktuelle Eindrücke einfliessen zu lassen. Das ist die Kür, aber zuerst kommt die Pflicht. Drum lieber gleich überall ein schnelles 1:0 oder 0:1 eintragen und dich kurz vor Anpfiff nochmal fragen, ob es wirklich dabei bleiben soll. Wenn bei Spanien das Trainerchaos ausbricht oder Lionel Messi sich verletzt, bekommst du es mit und kannst reagieren. Das vielleicht schon bedeutungslos gewordene Gruppenspiel zwischen Panama und Tunesien dagegen... gefährlich! Wie viele Ich-tippe-erst-kurz-vor-dem-Anpfiff-Strategen haben sich schon aus dem Tipptitelrennen verabschiedet, weil eben doch noch ein paar entscheidende Felder leer geblieben sind? Eben.

Tipp #5: Geheimfavoriten rechtzeitig heimschicken

Vor jedem Turnier gibt es sie, die Teams, die diesmal aber wirklich bereit für den grossen Wurf und mit dem Label «Geheimfavorit» dekoriert sind. Goldene Generationen aus Portugal, Kroatien oder Belgien, mit denen du bei der Weltmeister-Frage sicher punkten und eine kleine Fachsimpelei lostreten kannst. Während Europameisterschaften offen für Überraschungen sind (siehe Portugal, Griechenland, Dänemark), waren Weltmeisterschaften bislang ziemlich konservativ. In der Regel fahren die hochgelobten Geheimfavoriten spätestens im Viertelfinal heim, also tippe ich sie nicht zu weit. Obwohl Belgien WIRKLICH einen starken Kader hat…

So sieht es bei mir nach der Vorrunde aus.

Bonustipp: Realität ignorieren (wenn nichts mehr hilft)

Mein Tipp: Schlussendlich ist mal wieder alles umsonst, ein neues Costa Rica straft jede Prognose Lügen und es gibt torreiche Spiele ohne Ende. Auch okay. Wenn WM und Tippspiel mal wieder komplett aus dem Ruder laufen, kannst du spontan auf das ganze System pfeifen und dich auf eine Parallelwelt besinnen. Zum Glück gibt es da noch die Unofficial Football World Championships (UFWC). Ihre Regeln sind so einfach und eindeutig wie beim Boxen: Wer den Champion schlägt, bekommt den Titel. Egal ob an einem Turnier oder offiziellen Freundschaftsspiel. Der Nati gelang das zuletzt an der WM 1994, wo sie sich durch das 4:1 gegen Rumänien krönte – und den Titel vier Tage später mit einem 0:2 gegen Kolumbien schon wieder verspielte. An der WM in Russland steigt mit Peru auch der aktuelle UFWC-Titelträger in den Ring. Mal sehen, wohin dieser Titel im Laufe des Turniers wandert. Vielleicht sage ich so wenigstens einen inoffiziellen Weltmeister richtig voraus.

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Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

2 Kommentare

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User silverskunkk

Guter Beitrag aber auf die Weltrangliste würde ich mich definitiv nicht verlassen:)

15.06.2018
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User Michael Restin

Zumindest nicht auf die derzeitige der FIFA, ja. Die Elo-Rangliste ist schon eher realistisch. Wirklich verlassen kann man sich natürlich auf nichts, das ist ja das Schöne. ;-)

15.06.2018
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