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Köperanalysewaage im Test: Tanita RD-545

Heute misst deine Waage alles – von der Muskelmasse über das Viszeralfett bis zum Stoffwechselalter. Ach ja, und das Gewicht auch.

Schön blöd. Ich habe schlechte Gene, zumindest in Bezug auf mein Bauchfett. Geahnt habe ich das schon lange, nun habe ich es schwarz auf weiss. Mein Taille-Hüft-Verhältnis liegt über der Norm. Schuld ist das Viszeralfett. Es bezeichnet das in der freien Bauchhöhle eingelagerte Fett, das die inneren Organe umhüllt, allen voran das Verdauungssystem. Mist.

Neben der Glatze habe ich auch das von meinem Vater geerbt. Er war Zeit seines Lebens schlank, hatte nie Gewichtsprobleme, aber stets einen leichten Hang zum Schlabberbauch. Danke Papa. Egal, was ich auch dagegen unternehme: Die Gene sind stärker.

Im Trend: Körperanalysewaagen

Seit einigen Jahren steht in meinem Badezimmer eine Runtastic Libra. Diese Körperanalysewaage misst:

  • Körperfett
  • Muskelmasse
  • Knochenmasse
  • Gewebe
  • Wasseranteil

Die Daten, die solche Waagen mittels bioelektrischer Impedanzanalyse ermitteln, sind jedoch oft meilenweit von den tatsächlichen Werten entfernt. Der Kassensturz hat dies schon 2016 bemängelt. Nun teste ich ein Produkt, das nichts weniger als die Genauigkeit von professionellen medizinischen Waagen verspricht.

  • Segment-Körperanalysewaage RD-545 (Android, iOS, Gerätedisplay)
  • Segment-Körperanalysewaage RD-545 (Android, iOS, Gerätedisplay)
  • Segment-Körperanalysewaage RD-545 (Android, iOS, Gerätedisplay)
CHF 498.–
Tanita Segment-Körperanalysewaage RD-545 (Android, iOS, Gerätedisplay)
Körperanalysewaage im edlen Design für Sportler und Fitnessorientierte. Ermittelt 20 Körperwerte mit dem Genauigkeitsgrad von professionellen medizinischen Geräten. Arme, Beine und Rumpf werden separat gemessen, was eine noch genauere Analyse erlaubt.
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Ich bin skeptisch. Das Teil kostet knapp 500 Franken. Professionelle medizinische Waagen hingegen bewegen sich locker im fünfstelligen Bereich und müssen deshalb viel exakter sein. Oder nicht? Ich will es genau wissen und lasse mich in der SportClinic Zurich beim diplomierten Sportwissenschaftler Matthias Ludwig wiegen. Und zwar auf einer InBody 720. Diese Waage kostet rund 10 000 Franken. Die Daten dienen mir dann beim Vergleich mit der Tanita als Referenzgrösse. Zuerst jedoch ein bisschen Theorie

Auch die RD-545 liefert detaillierte Werte.

Wie funktioniert BIA?

Bei diesem Messverfahren wird ein schwacher Strom durch den Körper geschickt. Dadurch wird die Zusammensetzung des Körpers wie Muskel-, Fett- und Wasseranteil bestimmt. Die Bioelektrische Impedanzanalyse BIA macht sich die physiologischen Eigenschaften, vor allem die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von körpereigenem Gewebe und Wasser zunutze. Diese Leitfähigkeit von Körperflüssigkeiten sowie die Nicht-Leitfähigkeit beziehungsweise der hohe Widerstand (Impedanz) gegenüber elektrischem Strom bilden bei der BIA-Messmethode die Grundlage.

Der Strom fliesst über Hände und Füsse durch den Körper.

Der Strom fliesst dabei durch das Körperwasser, welches einen elektrischen Widerstand hat. Der Widerstand des Wassers nennt sich Resistanz. Im Körperwasser befinden sich zudem die ebenfalls mit Wasser gefüllten Zellen, deren Zellmembran dem Strom Widerstand leistet. Dieser Widerstand nennt sich Kapazitanz. Die BIA-Messung misst die Impedanz des menschlichen Körpers. Sie berechnet sich aus der Vektorsumme der Resistanz und der Kapazitanz.

Mittels der Impedanz ist es möglich, das Elektrolytvolumen eines mit Wasser gefüllten Zylinders zu berechnen. Dazu muss nur die Impedanz und die Höhe des Zylinders bekannt sein. Wenn der menschliche Körper als Zylinder betrachtet wird, kann man aus der gemessenen Impedanz und der bekannten Höhe (Körpergrösse) das Wasservolumen des Menschen berechnen.

Stunde der Wahrheit beim Sportwissenschaftler ...
... und zu Hause.

Das Setting

Damit die Werte vergleichbar und möglichst exakt sind, sieht das Setting für die beiden Tests jeweils wie folgt aus:

  • vormittags
  • auf nüchternen Magen
  • in Unterwäsche
  • nach der Morgentoilette
  • leichte Kost am Abend davor
  • InBody 720 in der SportClinic
  • Tanita RD-545 zu Hause
Diese Werte hat die Tanita RD-545 ermittelt.

Die App

Das Handling ist denkbar einfach. Die My Tanita – Healthcare App (iOS und Android) herunterladen und ein Profil anlegen. Anschliessend die RD-545 auswählen, über Bluetooth verbinden und loslegen.

Die Resultate im Vergleich

Ich nutze den Test gleich dazu, um die Daten der Runtatic Libra ebenfalls zu erheben und zu vergleichen:

Das Fazit

Wie bei der professionellen Waage, fliesst der Strom auch bei der Tanita sowohl durch Füsse und Hände. Die Messwerte sollten dadurch genauer sein als wenn der Strom nur von unten durch die Füsse kommt. Die gravierendste Abweichung betrifft das Körperfett. Hier gibt die Tanita RD-545 einen Wert von 21.6 Prozent an. Bei der InBody 720 sind es 17.8 Prozent. Beim Gewicht, dem BMI und dem Kalorienverbrauch sind die Werte sehr ähnlich. Grössere Differenzen gibt es hingegen beim Körperwasser, der Muskelmasse des Rumpfes und derjenigen in den Armen. Für die Beine messen sowohl Tanita wie auch InBody wiederum praktisch identische Werte. Beim Viszeralfett liege ich gemäss InBody leicht über, gemäss Tanita in der Norm.

Tanita verspricht die Genauigkeit professioneller medizinischer Waagen. Dieses Versprechen wird nur teilweise eingehalten. Gerade beim Körperfettanteil ist das schade. Und es macht schon einen Unterschied, ob mein Körper aus 14.3 (InBody) oder 17.2 (Tanita) Kilogramm Fett besteht. Da reagiere wohl nicht nur ich leicht allergisch auf eine falsche Messung. Und starte entsprechend gut oder schlecht gelaunt in den Tag.

Super finde ich bei der Tanita RD-545 hingegen die segmentale Aufteilung in Arme, Beine und Rumpf. Speziell in Bezug auf die Qualität der Muskeln ist dies interessant. Diese Funktion der Waage ist mein Lieblingstool. So wird nicht nur die reine Muskelmasse gemessen, sondern auch die Muskelqualität. Die Waage unterscheidet hier zwischen sogenanntem kontraktilem Muskelgewebe, sowie Bindegewebe und Fett in der Muskulatur. Nice.

Und jetzt?

Bleibt die Frage, ob ich bereit bin, fast 500 Franken auszugeben und was ich anschliessend mit den ganzen Daten anfange? Lassen wir mal offen, wie genau solche Waagen messen. Denn auch wenn alle Daten falsch wären: Solange sie immer gleich falsch gemessen werden, sehe ich auf jeden Fall, wie sich die einzelnen Segmente entwickeln. Aber klar, ganz kann die Tanita RD-545 mit einer professionellen medizinischen Waage nicht mithalten. Diese kostet auch rund 20 mal mehr. Darum zum Schluss dann doch noch der Vergleich mit der Runtastic Libra für, je nach Anbieter, rund 100 Euro. Und hier ist die Tanita einige Zacken besser, sprich detaillierter. Also wenn ich schon jedes Gramm Fett auf die Waagschale lege, dann greife ich auch gerne ein wenig tiefer in die Tasche. Denn ich bin ein Fan von Körperanalyse und Leistungsdiagnostik.

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Patrick Bardelli, Zürich

  • Senior Editor
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2 Kommentare

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User PhoebusRyan

Grundsätzlich ein spannender Artikel! Wurden die Messungen am selben Tag gemacht? Das ist nicht so klar ersichtlich, würde aber die Vergleichbarkeit massiv erhöhen. :-)

13.06.2019
User Patrick Bardelli

Ja, wurde alles so «zeitnah» wie möglich gemacht.

14.06.2019
Antworten