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Bin ich aus dem richtigen Holz geschnitzt? Ein klares Jein!

Die Beitel gleiten mühelos durchs weiche Holz. Die eingeritzten Linien sind an Präzision kaum zu schlagen. Die Späne rollen sich elegant auf, bevor sie in Richtung Boden fliegen. Und das Bild, das sich mir offenbart, lässt sich nur als Kunstwerk bezeichnen.

So habe ich mir meine erste Schnitzerfahrung vorgestellt. Wie so oft klaffen Theorie und Praxis weit auseinander. Den ersten Dämpfer bekam meine Euphorie schon, als ich mich mit den Grundlagen vertraut machte. So viele verschiedene Schnitzarten, so viele verschiedene Beitel. Einen Augenblick lang befand ich mich in einem Zustand leichter Verwirrung. Durch Recherche durchbrach ich diesen schrittweise. Die Lust aufs Schnitzen kehrte zurück. Ich bin bereit, mein erarbeitetes Wissen in die Praxis umzusetzen.

Bin ich aus dem richtigen Holz geschnitzt?
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Bin ich aus dem richtigen Holz geschnitzt?

Als Motiv habe ich mir ein Edelweiss ausgesucht. Traditionelles Handwerk verlangt nach traditionellen Motiven! Ich übertrage die Silhouette mit Bleistift auf ein Stück Lindenholz und zeichne frei Hand ein paar Details ein. Danach spanne ich mein Holzstück in der Werkbank ein. Meine geplante Technik nennt sich Basisreliefschnitzen. Dabei hebt sich mein Edelweiss leicht vom Hintergrund ab. Dabei werde ich später noch einem kleinen Denkfehler zum Opfer fallen. Aber ich greife vor.

Das Vorzeichnen läuft noch problemlos.

Einkerben

Nach zwei, drei Übungsschnitten ist es soweit. Ich setze an der ersten Linie an und bin erstaunt, wie leicht mein gewählter Geissfuss durch das Holz gleitet. Ein filigraner, aber tiefer Schnitt ist zu sehen. Genauso habe ich mir das vorgestellt. Sogar die Rundungen der Blätter stellen kein grosses Problem dar, solange ich mein Schnitzeisen weit genug vorne halte und es mit der zweiten Hand leicht führe. So mache ich weiter, bis alle vorgezeichneten Linien eingekerbt sind. Schon dabei tun sich erste Schwierigkeiten hervor. Sobald ich gegen die Faser arbeite, wird die Arbeit anstrengender. Und ich muss dauernd aufpassen, dass ich die Holzfaser nicht aufreisse. Passiert dies, ändere ich die Schnitzrichtung und versuche die Faser zu glätten.

Der Daumen hilft mir, auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Abtragen

Sind die Einkerbungen tief und vor allem breit genug, beginne ich das Holz rund um die Blätter mit einem Flacheisen abzutragen. Bei relativ freien Flächen kein Problem, in die Ecken aber kommt die grosse Schneide nicht. Es gehen einige Fehlversuche auf mein Konto, bis ich das Kerbschnitzmesser entdecke. Trotz – für mich – eher schwieriger Handhabung geht es damit am besten. Richtig gut ist das Ergebnis dennoch nicht. Saubere Ecken sehen definitiv anders aus. Dennoch gehe ich zur nächsten Aufgabe über: den Fruchtblättern in der Mitte.

Das flächige Abtragen bereitet mir kaum Probleme,
die Ecken hingegen ziemlich grosse.

Denkfehler: nochmal abtragen

Und hier wird mir mein Fehldenken bewusst. Die Fruchtblätter müssen genau wie die Blütenblätter hervorstehen. Da sich erstere aber auf letzteren befinden, muss ich also meine geschnitzten Blütenblätter abtragen. Leider würde dies bei der momentanen Höhe bedeuten, dass ich sie dem Erdboden gleichmache. Bedeutet für mich: Gehe zurück auf Los! Mit Geissfuss und Hohleisen bewaffnet mache ich mich daran, die Gräben tiefer zu schnitzen. Fürs Abtragen kommt nochmals das Flacheisen und für die Ecken das Kerbschnitzmesser zum Einsatz. Während ich diese Aufgaben mit etwas Wut im Bauch ein zweites Mal erledige, eröffnet sich mir ein zweites Problem. Die Schnitzeisen stumpfen ab und schneiden nicht mehr wie gewohnt. So weiter zu schnitzen würde nicht nur mehr Kraft von mir fordern, sondern auch das Schnitzwerk an sich beeinträchtigen. Stumpfe Messer schneiden scheisse, basta!

Werkzeug schleifen

Zum Glück ist auf die väterliche Werkstatteinrichtung Verlass. Eine Nassschleifmaschine inklusive Lederabziehscheiben befindet sich direkt neben mir. Der mit Wasser benetzte Schleifstein schärft die Kanten meiner Beitel innerhalb von Sekunden. Lege ich das Werkzeug im falschen Winkel auf, verschleife ich es. Die Kanten sind scharf, aber auch voller kleiner Metallspäne und etwas matt. Die Lederabziehscheiben polieren diese wieder auf Hochglanz. Achte darauf, dass immer etwas Abziehpaste auf dem Lederriemen ist. Diese kannst du ganz einfach mit dem Finger auftragen. Nach wenigen Minuten sind meine Beitel wieder einsatzbereit.

Erst werden die Kanten scharf geschliffen
und dann auf Hochglanz poliert.

Fruchtblätter herausarbeiten

Mein Blütenblätterrelief ragt hoch heraus, meine Beitel schneiden Holz, als wäre es Papier. Nun kann ich mich an die Fruchtblätter machen. Dabei folge ich demselben Schema wie zuvor. Ich kerbe erst die vorgezeichneten Linien ein, verbreitere diese danach und trage das gesamte Holz rundherum ab. Das ist hier fast einfacher als bei den Blüten, da die runden Stempel keine Ecken haben. Dafür muss ich aufpassen, dass ich nicht zu hastig arbeite und die Rundungen unabsichtlich einkerbe. Das klappt einigermassen.

Damit die Fruchtblätter herausstehen, muss ich die Blütenblätter abhobeln.

Fürs erste Mal geht's in Ordnung

Mein Werk ist vollendet und ich hatte Spass. Ich war komplett in die Arbeit vertieft und habe für einmal an wirklich nichts Anderes gedacht. Ein Kurzurlaub für den Kopf sozusagen. Als Sahnehäubchen obendrauf kommt, dass mein Edelweiss Im richtigen Licht ganz ordentlich aussieht. Es hat im wahrsten Sinne des Wortes Ecken und Kanten, aber die machen Mensch wie auch Werk doch erst aus, oder? ;)

Das Schnitzwerk lässt Luft nach oben. Trotzdem bin ich fürs erste Mal zufrieden.

Das Schnitzen lief teilweise wie von Zauberhand und dann wieder hatte ich das Gefühl, auf Granit zu stossen. Dass das Schleifen der Werkzeuge eine so wichtige Rolle beim Schnitzen einnimmt, war mir nicht bewusst. Ohne Schleifmaschine bist du aber tatsächlich irgendwann aufgeschmissen. Wie wenn du mit Bleistift schreibst und keinen Spitzer besitzt. Auch beim gewählten Stück Holz herrscht Verbesserungsbedarf. Die ungleichmässige Maserung lässt auch das Schnitzwerk etwas ungleichmässig aussehen. Ich habe aber absichtlich Restholz für meinen ersten Versuch verwendet, falls alles in die Hose geht. So schlimm war es zum Glück nicht. Bis aber Fantasie und Realität in Einklang sind, muss ich noch üben. Viel üben.

Wichtigste Erkenntnisse

Hast du nun auch Lust aufs Schnitzen bekommen? Dank meiner Erfolge aber vor allem Rückschläge kann ich dir einige Tipps mit auf den Weg geben.

  • Lindenholz lässt sich gut schnitzen, achte aber auf eine gleichmässige Maserung.
  • Arbeite langsam und konzentriert, um dir keine groben Schnitzer (haha) zu leisten.
  • Halte deine Werkzeuge scharf.
  • Trage beim Reliefschnitzen genug Material ums Motiv ab, damit mehrere Ebenen möglich sind.
  • Ändere die Schnitzrichtung, wenn Holzfasern aufreissen.
  • Probiere die Beitel aus und bekomm so ein Gefühl für ihre Schnitte.
  • Üben!
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Carolin Teufelberger, Zürich

  • Junior Editor
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Dinge kennenzulernen und zu erlernen. Neue Erfahrungen lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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