Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Corporate logo
SportNews & Trends 115

Viviane Obenauf: Fliegende Fäuste für die Fitness

Profiboxerin Viviane Obenauf ist nicht nur international im Ring, sondern hält sich auch fit. Doch ganz kann sie das Boxen nicht lassen. Daher tritt die Frau, die immer in Bewegung ist, in Bern neben den Ring. Zum Fitboxen.

Viviane Obenauf kann nicht stillhalten.

Die 31-Jährige soll eigentlich zu Interviewzwecken auf einem Schemel im Boxen Bern sitzen. Doch ihre Fäuste fliegen, ihr Oberkörper wankt hin und her, als ob sie einem Gegner ausweicht. Viviane Obenauf ist Boxerin.

Vivane Obenauf lebt und trainiert in Interlaken, hat dort ihr eigenes Gym

«Ich bin heute nicht so in Form», sagt sie. Weihnachten habe ihr ein paar Pfunde verpasst, beklagt sie sich. Sie redet schnell, mit brasilianischem Akzent. Auf ihrem Gesicht ein breites Lächeln. Viel Zeit habe sie nicht, sagt sie und erklärt, dass in 15 Minuten das Training losgeht. Vor dem Aufwärmtraining des eigentlichen Trainings wärmt sich Vivane auf.

Stillhalten kann sie nicht.

Fäuste gegen Pfunde

Wenn Viviane nicht gegen Gegnerinnen in den Ring steigt, wird das Leben der gelernten Spielpädagogin in grau-gelben Leggins mit eigenem Logo darauf vom Boxsport dominiert. Sie gibt Unterricht. Im eigenen Gym in Interlaken wie auch in Bern. Boxkampf wie auch Fitboxen.

«Angefangen hat alles nach der Schwangerschaft», erzählt sie, schweift kurz ab zu ihrem Sohn, der mittlerweile eine von ihr entwickelte Sportart namens Playboxing betreibt – «nur Boxen wäre einem Kind irgendwann zu langweilig» – und kommt zum Thema zurück. Sie wollte wieder fit werden.

«Das ging nur mit dem Boxen», sagt sie, lächelt kurz verlegen zieht die Schultern ein. Die Fäuste gehen runter. Für alles andere habe ihr die Motivation oder der Wille gefehlt.

«Beim Boxen aber… das war als ob es Klick gemacht hat. Oder ein Schalter umgelegt. Oder sowas.»

Die Fitness kam, die Pfunde gingen. Ohne Verletzungen, ohne Schmerzen. Dafür mit zehntausenden Punches auf Sandsäcke und Pratzen der Trainingspartner. Denn das Fitboxen ist eine Sportart, die sich am Boxsport orientiert. Du lernst Jabs, Hooks und Uppercuts, aber nur am Sandsack oder am Partner. Gebrochene Nase oder blaues Auge? Fehlanzeige. Dafür aber schöne Arme, sexy Hintern und einen flachen Bauch sowie schier unendliche Ausdauer.

Denn beim Aufwärmtraining mit der etwa 20-köpfigen Klasse im Berner Box-Keller, der schon seit 1935 in seinen Grundzügen unverändert ist, kommt Viviane easy mit. So easy, dass sie Witze reisst während andere keuchen, ohne eine Wiederholung auszulassen oder langsamer zu werden. Sie redet sogar mit Videoproduzentin Stephanie Tresch hinter der Kamera. Der Take ist zwar dahin, aber Viviane ist das egal. Sie ist in ihrem Element. Die lockige Mähne, die sie sich hinter dem Kopf zusammengebunden hat, wippt mit.

Mehr als nur fliegende Handschuhe

Schon beim Aufwärmen wird klar: Viviane schenkt sich nichts. Der Coach gibt hart vor, Viviane zieht hart mit. Härter. Liegestützen, Punches mit Hanteln, Auf-der-Stelle-laufen… die Profiboxerin merkt die Anstrengung langsam aber sicher. Anstatt ins Keuchen zu verfallen, wird ihre Atmung bestimmt, kontrolliert. Einatmen durch die Nase, ausatmen durch den Mund. Sie verliert die Kontrolle nicht. Ob sie einen Punch zum ersten oder zum letzten Mal ausführt, er sieht genau gleich aus. Beim Cross – einem leichten Schlag mit der hinteren Hand – dreht das hintere Bein immer genau gleich ein, dreht immer genau gleich wieder aus.

Schlag für Schlag ist Viviane nach der Geburt ihres Sohnes fit geworden und hat sich bis zum Profi durchgeboxt

Fit (6 OZ)
CHF 38.10
Hammer Fit (6 OZ)
Perfekter Trainingshandschuh für ambitionierte Boxer und Fitness-Boxer.

Verfügbarkeit

  • ca. 3-4 Wochen
    Aktuell > 5 Stück beim Lieferanten an Lager

Bei sofortiger Bestellung.
Alle Angaben ohne Gewähr.

Details anzeigen

Fertig Aufwärmen. Viviane zieht sich schwarze Handschuhe der Marke Hammer über. Ihre Partnerin schwarz/pinke Leones. Sie üben Jabs. Kurze Schläge, die in einem echten Boxkampf dazu da sind, den Gegner zu verwirren, die Distanz zu wahren. Vier Schläge, vier Schritte vorwärts. Viermal abwehren, vier Schritte rückwärts. Viviane macht einen Fehler, lacht, lässt die Fäuste fallen.

«Boxen ist nicht nur ein Sport für Jungs», sagt Viviane, «auch Mädchen können gut boxen.»

Sie muss es wissen, denn sie tritt international in den Ring. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Im Dezember hat sie eine derbe Niederlage einstecken müssen. Im englischen Leicester ist sie gegen Chantelle Cameron angetreten, hat nach dem International Boxing Organization World Female Lightweight Title gegriffen. Und eingesteckt. Sie hat zwischen der vierten und der fünften Runde aufgegeben. Am Folgetag hat sie auf Facebook ein Video mit geschwollenem Auge und aufgeplatzter Lippe gepostet, ihren Fans gedankt.

«Das war nicht mein bester Kampf», sagt die Boxerin. Statt dass sie Stephanie hinter der Kamera anblickt, blickt sie kurz zu Boden. Aber nur kurz, die Augen gehen wieder hoch, die Bewegungen folgen, der Blick wieder auf's Ziel ausgerichtet. Es folgen Body Shots, also Uppercuts, die in der Seite landen würden, wenn der Partner nicht abwehren würde oder unter den Schlägen rollen. Viel Kraft steckt in den Schlägen nicht, denn verletzen will hier keiner den anderen. Fitboxen ist nie ein Gegeneinander, sondern immer ein Miteinander. Klar, es wird an der Technik gefeilt, aber nur, damit das Verletzungsrisiko vermindert wird.

Vor dem Training posiert Viviane genau gleich ausgelassen wie nachher

Selten sind beide Füsse am Boden, selten beide Fäuste am Körper. Denn ob Fitboxen oder Boxen im Ring: Viviane Obenauf kann nicht stillhalten.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Hol dir dein Gym nach Hause
SportKaufratgeber

Hol dir dein Gym nach Hause

<strong>Verdrahtet zum Sixpack</strong>  Wochen #3 und #4
GesundheitReview

Verdrahtet zum Sixpack Wochen #3 und #4

<strong>Verdrahtet zum Sixpack</strong> Woche #5 und #6
GesundheitReview

Verdrahtet zum Sixpack Woche #5 und #6

User

Dominik Bärlocher, Zürich

  • Senior Editor
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

1 Kommentar

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User danmaster333

Cooler Artikel und coole Frau. Irgendwie ist es immer so, dass die ganz guten Trainer mit Akzent sprechen (auch meiner). Ist wohl ein Master Yoda Dings.

01.02.2018