
Bestseller Sachbücher von Matthes & Seitz
Diese Seite bleibt immer aktuell und wird automatisch aktualisiert.
1. Matthes & Seitz Large Language Kabbala
Nicht Nerds, sondern Schrift-Gelehrte sind es, die das Feld der generativen Künstlichen Intelligenz wie ChatGPT erklären können: Solche "Large Language Models" wurzeln in der Sprachwissenschaft, Literaturkritik, ja sogar in der Auslegung heiliger Texte. Diese These verfolgt Martin Warnke durch eine Archäologie der LLM-Ursprünge - von Zellig S. Harris' statistischer Sprachtheorie über Walter Benjamins Sprachphilosophie bis zur jüdischen Kabbala. Dabei zeigt sich, dass mystische Textauslegungstechniken ähnliche Eigenheiten und damit auch Probleme aufweisen wie heutige Computersysteme: Es sind Sprachstrukturen, keine künstlichen Gehirne, die uns faszinieren und beängstigen. Die "Halluzinationen" der KI sind keine Kinderkrankheiten, sondern zwangsläufige Folge linguistischer Verfahren, die Semantik ohne Weltbezug allein aus Syntax ableiten. Eine Kritik muss daher bei der fundamentalen Frage ansetzen: Was sind das für Systeme, die nur in der Sprache sind und keine Welt haben?
Weitere Angaben: Buch (Paperback), Klappenbroschur, Deutsch, 152 Seiten.

2. Matthes & Seitz After Woke
Angesichts mancher Reaktionen auf das von unfassbarer Grausamkeit gekennzeichnete Massaker der islamofaschistischen Terrorgruppe Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel stellt sich vielerorts die Frage: Ist es an der Zeit, sich von jeder Art von Wokeness konsequent zu verabschieden? Oder gilt es nicht vielmehr, wie Jens Balzer mit kenntnisreichem Blick auf die Geschichte dieses umkämpften Begriffs darlegt, sich auf die ursprünglichen Impulse der postkolonialen und queerfeministischen Theorien zu besinnen: auf das kritische Bewusstsein für das grundsätzlich Werdende, Hybride, Mannigfaltige, Ambivalente, das aller Formierung von Identität vorausgeht?
Eindrucksvoll weist After Woke einen Weg vorbei an erstarrten, essenzialistischen Identitätskonzepten und zeigt: Nur indem Identität allzeit als fiktiv, fragil, fluide begriffen wird, kann sie zu einem dringend benötigten Gegenentwurf werden zu den reaktionären Kräften des identitären Denkens, die sich gerade anschicken, die Herrschaft über die Welt zu übernehmen.

3. Matthes & Seitz Flamme und Glut
Das Wissen über die Kunst des Feuermachens ist nützlich für einen gemütlichen Abend am Kamin, beim Grillen und hilft auch gegen lästige Mücken. Für die Samen in Nordschweden ist es vor allem lebenswichtig für den Schutz vor Kälte und wilden Tieren in der Tundra sowie zur Nahrungszubereitung. Der schwedische Schriftsteller und Ethnologe Yngve Ryd befragte jahrelang zumeist ältere Samen nach ihrem einzigartigen Wissen über Feuer, Glut und Rauch und versammelte ihre Lehren in diesem sinnlichen und anekdotenreichen Buch. Auf diese Weise geben sie ihr überreiches Wissen nicht nur an eine jüngere Generation weiter, sondern machen es der gesamten Welt zugänglich. Ryd vermittelt aber nicht nur praktisches Alltagswissen, sondern schreibt auch tiefgründig und reichhaltig über das Verhältnis von Natur und Kultur und lässt Menschen zu Wort kommen, deren Lebensumwelt in den nächsten Jahren zu verschwinden droht.
Flamme und Glut ist das Zeugnis einer generationenübergreifenden kulturellen Praxis, das mit seinen reichen Bildern und unterhaltsamen Erzählungen einem breiten Publikum zugänglich wird.

4. Matthes & Seitz Verlassene Orte
Die mehrfach ausgezeichnete schottische Essayistin Cal Flyn erkundet in diesem außergewöhnlichen Buch Orte, an denen keine Menschen mehr leben – oder nur noch wenige ihr Dasein fristen. Es sind Sperrgebiete oder Geisterstädte, Festungsinseln und Niemandsländer, unwegsames Terrain, auf das sich Flyn wagt, als sie verwaiste und verwüstete Orte besuchte, um zu verstehen, was passiert, wenn man der Natur erlaubt, sich ihren Platz zurückzuerobern. Auf einer unbewohnten schottischen Insel begegnet sie einer Herde verwilderter Rinder, in Tschernobyl einer Handvoll Menschen, die nach der Nuklearkatastrophe in ihre kontaminierten Häuser zurückkehrten, und in Detroit, der einst viertgrößten Stadt der USA, trifft sie auf ganze Straßenzüge, die so verfallen sind, dass Tiere und Pflanzen sie übernommen hat. Egal wie trostlos, unheimlich, verwüstet und verseucht die Orte sind, die Flyn erkundet, überall erkennt sie allen Widrigkeiten zum Trotz Anzeichen von ökologischer Resilienz und Regeneration, kurzum: von Leben. Sie entdeckt Pflanzen, die auf kontaminierten Böden gedeihen, Fische, die gegen bestimmte Gifte unempfindlich geworden sind oder einen künstlichen See, der zur belebten Wüste versandt. Ihr Buch ist ein genau recherchiertes und mit literarischem wie psychologischem Einfühlungsvermögen geschriebenes Plädoyer für eine radikale Überprüfung dessen, was wir unter ›Natur‹ verstehen. Nicht zuletzt bietet es vielfältige, auch verstörende Antworten auf die dringliche Frage, wie der Schaden, den wir an der Natur verursacht haben, noch behoben werden kann?.

5. Matthes & Seitz Hannah Arendt. Die Kunst, politisch zu denken
Seit ihrer Wiederentdeckung in den letzten Jahren ist Hannah Arendt aus den öffentlichen Debatten zu Freiheit, Unterdrückung und Flucht kaum mehr wegzudenken. Doch nicht nur, was sie dachte, ist von schlagender Aktualität, genauso bedeutsam ist, wie sie dachte. Maike Weisspflug präsentiert uns eine unentdeckte Hannah Arendt und geht in ihrer mitreissend erzählten Studie den Quellen ihres höchst ungewöhnlichen Denkstils nach. Diese findet sie nicht in der Philosophie, sondern vor allem in ihren Lektüren von Dichtern wie Homer, Conrad und Brecht. Mit ihnen wendet sich die politische Theoretikerin gegen alle grossen und umfassenden Erklärungen und Theorien und macht die kleinteilige und sinnliche Erfahrungswelt zu ihrem Ausgangspunkt: Die Kunst, politisch zu denken, besteht vor allem im Mut, sich zwischen alle Stühle zu setzen. Streitbar zu sein, setzt voraus, die Welt aus der Perspektive anderer betrachten zu können und trotzdem selbst zu denken.

Hannah Arendt. Die Kunst, politisch zu denken
Deutsch, Maike Weisspflug, 2019
6. Matthes & Seitz Surazo
Am 12. Mai 1973 wird Monika Ertl in La Paz im Verlauf eines Feuergefechts von Sicherheitskräften auf der Strasse erschossen. Sie ist zum Zeitpunkt ihres Todes Mitte dreissig und Mitglied der bolivianischen Guerilla ELN. Ihr Vater, Hans Ertl, erfährt vom Tod seiner Tochter auf seiner Rinderfarm La Dolorida im bolivianischen Regenwald. Dorthin war der Kameramann Leni Riefenstahls und Rommels bevorzugter Frontfotograf in den 1950er-Jahren ausgewandert. In seinem Umfeld: rechtsnationale Diktatoren und SS-Obersturmführer, deutsche Missionare und jüdische Emigranten, Indigene und scheinbare Zauberkünstler, denen es gelingt, bei voller Sicht unsichtbar zu bleiben. Entlang ihrer Spuren folgt diese Recherche den Linien transatlantischer Verlängerungen nationalsozialistischer Karrieren, spürt dem Engagement der nächsten Generation in den internationalen Netzwerken der Achtundsechziger nach und verzweigt sich dabei bis in die Tiroler Alpen und nach Linz. Surazo, der Name des kalten Tropenwindes, sollte der Titel von Hans Ertls letztem Film sein; Surazo, das ist stattdessen eine Tiefenbohrung, die wie nebenbei von Geschichtsschreibung in einer verstrickten Welt erzählt; Surazo, das ist die Suche nach Antworten auf Fragen, die wir uns nach wie vor stellen müssen.

7. Matthes & Seitz Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein
Als Einwanderer glaubte Omar El Akkad, dass der Westen ein Ort der Freiheit und Gerechtigkeit für alle sei. Doch in den Jahren, in denen er über den Klimawandel, die Black-Lives-Matter-Proteste, die verschiedenen Kriege gegen den Terror und vieles mehr berichtet und zuletzt den Genozid in Gaza beobachtet, wird ihm zunehmend klar, dass vieles von dem, was der Westen verspricht, eine Lüge ist. "Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein" ist eine Chronik dieser schmerzhaften Erkenntnis, eine moralische Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet - als Bürger der USA, als Vater -, in diesen verheerenden Zeiten einen Sinn für Möglichkeiten zu finden. "Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein" ist der bittere, rohe und verletzliche Aufschrei von jemandem, der sich immer auf der Seite der Gerechten wähnte und nicht aufhört, das Gute zu suchen. Es ist El Akkads von Herzen kommender Abschiedsbrief an den Westen, eine brillante Formulierung der Desillusionierung, die wir überall auf der Welt beobachten, in Familienzimmern, auf Universitätsgeländen, auf den Strassen der Städte. Dieses Buch ist für alle, die etwas Besseres wollen als das, was der Westen aufgetischt hat. Dies ist das Buch für unsere Zeit.

Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein
Deutsch, Nouria Behloul, Omar El Akkad, 2025
8. Matthes & Seitz Tyrannei der Gleichheit
Das Buch "Tyrannei der Gleichheit" von Klaus Zierer und Mathias Brodkorb bietet eine tiefgehende Analyse der Herausforderungen und Chancen, die mit dem Streben nach Gleichheit in Bildung und Gesellschaft verbunden sind. Die Autoren beleuchten, wie Gleichheitsbestrebungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das individuelle und gesellschaftliche Leben haben können. Durch fundierte Argumentation und praxisnahe Beispiele wird der Leser dazu angeregt, über die Balance zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit nachzudenken. Mit 192 Seiten bietet das Taschenbuch eine kompakte, aber umfassende Auseinandersetzung mit einem aktuellen und relevanten Thema. Es richtet sich an alle, die sich für soziale Gerechtigkeit und die Entwicklung von Bildungssystemen interessieren. Die klare Sprache und die strukturierte Argumentation machen das Buch sowohl für Fachleute als auch für interessierte Laien zugänglich.

9. Matthes & Seitz Jenseits von West und Ost
Die Welt ist Grenze und Möglichkeit der Philosophie. Philosophie, die versucht, der Welt zu entkommen, verliert sich in Schwärmerei, aber wenn die Philosophie nur in der Welt bleibt, dann ist sie ein Gefangener dieser Welt. Damit ist das Spannungsfeld des Denkens des Hongkonger Philosophen Yuk Hui umrissen, das er in den dichten, hier erstmals erscheinenden Gesprächen mit Milan Stürmer ausbreitet. In ihnen geht er der Frage nach der Pluralisierung des Begriffs der Technik nach, die für ihn eine Grundfrage der Philosophie überhaupt ist, denkt über die Möglichkeit von Wissenschaft heute nach und entwickelt eine Epistemologie des Unbekannten. Dabei überschreitet er alle Grenzen zwischen rational, irrational und nicht-rational. Yuk Huis Denken ist ein Aufbruch in neue Welten, und so geht es ihm in der Philosophie immer auch um die Imagination anderer Zukünfte. Mit seinem Entwurf einer Technodiversität imaginiert er eine neue Form des Zusammenlebens und eine Ökologie, die die Technik mit einschliesst.

10. Matthes & Seitz Nach dem Genozid
Für Dirk Moses stellt der Völkermord einen doppelten Gewaltakt dar: Einerseits vollzieht er den massenhaften Mord an Menschen und traumatisiert ganze Bevölkerungen für Generationen. Andererseits bringt ein derart grausames Verbrechen eine neue Kategorie des Bösen hervor, das ein Nachleben entwickelt. Als das Verbrechen aller Verbrechen stellt der Genozid unweigerlich eine normative und moralische Hierarchie der Gewalt auf. Er wird zum Massstab für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, der es erlaubt, Gewaltgeschichten kategorisch zu unterscheiden. Dagegen entwickelt Moses eine Theorie, die differenzierter und inklusiver ist. Statt unterschiedliche Gewalterfahrungen und Traumata gegeneinander auszuspielen, schlägt er eine Perspektive vor, die Verbindungen befördert und die Solidarität unter den Opfern stärkt.
Moses' origineller Ansatz ist dabei gerade für die deutsche Erinnerungskultur von einzigartiger Bedeutung. Als einer der führenden Forscher zur Geschichte des Völkermords setzt sich Moses seit Jahrzehnten intensiv mit dem Holocaust und dem deutschen Gedenken auseinander. Moses leistet einen Beitrag, um die unerlässliche Erinnerungskultur zu erneuern und dadurch lebendig zu halten.
