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Stoffe, die eine Geschichte erzählen

Stoffe mit Wax Print sind zwar vervielfältigt, aber deswegen nicht immer gleich. Das Gründer-Duo vom Zürcher Concept Store und gleichnamigen Label «Cassare» erklärt mir bei meinem Besuch in ihrem Zürcher Concept Store warum.

Zum ersten Mal bin ich Cassare an einem grauen Züriwetter-Tag anfangs Winter begegnet. Ich war auf dem Weg zum Restaurant «Frau Gerolds Garten» und lief an einem Schaufenster vorbei, das in einer Stadt wie Zürich heraussticht. Schon von Weitem konnte ich erkennen, dass der Laden vom Boden bis zur Decke voller Accessoires und Bekleidung mit prächtigen Mustern aus Afrika bestückt ist. Während die meisten Geschäfte zurzeit eine Kuration von reduzierten und monochromen Dingen pflegen, macht Cassare Lust auf mehr. Mehr Mut zur Farbe und zu Drucken mit Motiven, die eine Geschichte erzählen.

Weil ich wissen möchte, wer hinter dem Shop-Konzept und Label steht, habe ich die zwei Gründer Bola und Felix Huwiler, mit meinem Kollegen und Fotografen Thomas Kunz besucht. Der Name «Cassare» ist portugiesisch. Er bezeichnete im 13. und 14. Jahrhundert die Liaisons zwischen europäischen Männern und afrikanischen Frauen. Übersetzt versteht man darunter etwas wie «Zusammenführen des Haushalts». Auch die beiden Gründer sind beruflich wie privat ein Paar. Sie zeigen uns, wie vielfältig zeitgenössisches African Design aussehen kann und beantworten mir einige Fragen.

Als ich euer Instagram-Feed angesehen habe, kam ich aus dem Scrollen gar nicht mehr heraus, wie lange gibt es euch schon?
Felix: Wir haben im März 2017 angefangen, aber die Idee war schon lange in unseren Köpfen. Unsere ersten afrikanischen Hemden und Kleider sind 1986 unter dem Label Bronx Brothers entstanden.

Felix zeigt mir einen Stoff im ursprünglichen Zustand.
Er selbst trägt am liebsten Hosen aus den Wax-Prints.

Wie kam es zur Idee von Cassare?
Felix: Bola war mit der Erziehung unserer drei Kinder beschäftigt. In den Neunzigern war ich als Einkäufer und Creative Director bei BIG und Jamarico tätig. Nachdem der neue Besitzer (Carhartt) den Entschluss getroffen hatte, die Jamarico-Läden in den Monobrand Carhartt zu verwandeln, sind die einst verdrängten Wünsche nach einem African Concept Store wieder aufgekommen. Ein Wochenende in Paris hat uns motiviert, die Idee für Cassare in die Tat umzusetzen.

Was war die grösste Herausforderung bei der Gründung?
Felix: Das ist schwierig zu sagen. Es gibt viele Hürden. Zum Beispiel den geeigneten Standort fürs Lokal zu finden. Zum Glück hat uns schlussendlich der Zürcher Gerolds Garten mit offenen Armen empfangen. Auch stellt uns die Produktion unserer Kleidung in Abidjan immer wieder vor neue Herausforderungen. Und nicht nur das: Die neueste Ergänzung unserer Kollektion, das Porzellan-Geschirr, hat bis zur Herstellung fast ein ganzes Jahr in Anspruch genommen.

Was zeichnet eure Stoffe aus?
Felix: Wir lieben traditionelle afrikanische Stoffe und Designs. Weil wir in Europa leben, möchten wir aber eine moderne Interpretation finden, die insbesondere bei der Bekleidung für einen gekonnten Mix sorgt. Die Möglichkeiten und Inspirationen sind unendlich. Handgewobene Stoffe sind sehr teuer und nur begrenzt einsetzbar. Deshalb kommen mehr Wax Prints und mit Indigo gefärbte Batiks aus Nigeria zum Einsatz.

Bola trägt ein Shirt mit traditionellem Print und dazu eine schlichte Strickjacke, die Farben aus dem Muster aufnimmt.
Sie erklärt mir, dass sich Motive pro Stoff wiederholen und unterschiedliche Bedeutungen haben. Nachlesen kann man diese in Büchern, die ebenfalls im Shop erhältlich sind.

Was versteht man unter einem «Wax Print»?
Felix: Der eine oder andere hat das Wachsdruckverfahren vielleicht schon in der Schule kennengelernt. Mittels Walzen wird Wachs wie eine Farbe auf den Baumwollstoff gedruckt, was dafür sorgt, dass diese Stellen weiss sind. Farbe kommt nur an die Bruchstellen. Das macht jeden Druck unregelmässig und einzigartig. Anders als bei herkömmlichen Drucken, wie sie beispielsweise Desigual verwendet, sind beide Seiten des Stoffes gleich bedruckt. Die Schablonen und Drucke sind meist über fünfzig Jahre alt. Es gibt viele Theorien, woher die Stoffe für den Druck genau kommen. Man sagt, dass sie ihren Ursprung auf den indonesischen Inseln Java und Bali haben. Den Unterschied zum Original erkennt man daran, dass die Stoffe oft aus einem Polyestergemisch bestehen und die Innenseite nicht voll bedruckt ist. Das führt zu Verfärbungen und dazu, dass man mehr schwitzt.

Wie stellt ihr sicher, dass eure Produkte «fair» sind?
Felix: Wir kaufen unsere Rohstoffe und fertig gestellten Produkte nur bei zertifizierten Fair-Trade-Herstellern ein, die mit ihrem Erlös ausserdem einen guten Zweck verfolgen. Die Ateliers in Abidjan und Lagos kennen wir persönlich und sind froh, ihnen Aufträge geben zu können. Überhaupt ist unser Motto: «Work not Charité».

Produziert ihr ausschliesslich in Afrika?
Felix: Weil wir kurze Wege bevorzugen und aus Umweltgründen nicht immer fliegen wollen, lassen wir einen Teil unsere Stoffe auch in Italien nähen. Wir sind aktuell dabei, einen eigenen Druck in Como herstellen zu lassen. Alte Möbel wie Sofas beziehen wir mit afrikanischen Stoffen.

Bevorzugt trage ich unifarbene Kleidung in dunkeln Farben. Dennoch werde ich fündig: Ein gemusterter Stuhl hat es mir angetan.
Vereinzelt wissen Bola und Felix nicht nur, wo die Produkte entstehen, sondern auch namentlich, wer sie von Hand fertigt.

Es scheint auf euren Social-Media-Kanälen so, als hättet ihr eine starke Bindung zu euren Kunden. Wen treffe ich bei euch an?
Felix: Das ist ganz unterschiedlich. Es kommen alle Altersschichten zu uns, das finde ich sehr spannend. Darunter sind ungefähr achtzig Prozent Frauen und zwanzig Prozent Männer. Gerade ältere Frauen sind sehr auf Bola fixiert und wollen alles über Afrika wissen. Das junge Publikum ist zurückhaltender. Wenn unser ebenfalls junge Aushilfskraft im Laden ist, merken sie aber, dass wir trendy sind und trauen sich Neues zu probieren. Viele von ihnen posen sogar für uns auf Instagram. Das finde ich extrem nice. Neben begeisterten Amerikanern – insbesondere Afro Amerikanern – skeptischen Schweizern und Touristen aus Korea oder Japan kommen vermehrt Franzosen und Welschschweizer zu uns. Sie sind offen für unsere farbigen Sachen und oft sicherer mit ihrem Style, als andere Kunden. Auch Südafrikaner fühlen sich bei uns zuhause und Afrika-Kenner suchen mit uns regelmässig das Gespräch.

Eure Auswahl umfasst neben Textilien auch Keramik und Möbel. Wie würdest du euren Einrichtungsstil beschreiben?
Felix: Keine leichte Frage. Wir würden ihn als etwas zwischen Shabby- und Ethno-Chic, aber nie ganz hippiemässig, bezeichnen. Er ist stylish, aber nicht luxuriös. Vor allem soll er mit Accessoires wie den bedruckten Kissen Wärme ausstrahlen.

Ab jetzt auf Galaxus erhältlich

Neu findest du die Kissenbezüge von Cassare im Galaxus-Sortiment. Kombiniere sie ähnlich, wie Bola es bei einem Outfit macht, zu uni-farbenen Sesseln und Kissen oder mixe sie mit anderen kunterbunten Mustern. Denn in Sachen Einrichtung gilt: Stilbrüche hier und da sind erwünscht, weil sie für das gewisse Etwas sorgen.

  • Paisley (50 x 50 cm)
  • Paisley (50 x 50 cm)
  • Paisley (50 x 50 cm)
CHF 59.–
Cassare Paisley (50 x 50 cm)
Afrikanische Lebensfreude in Kissenform

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  • Palmen&Hippo (50 x 50 cm)
  • Palmen&Hippo (50 x 50 cm)
  • Palmen&Hippo (50 x 50 cm)
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Cassare Palmen&Hippo (50 x 50 cm)
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  • Blumen Vlisco (50 x 50 cm)
  • Blumen Vlisco (50 x 50 cm)
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Cassare Blumen Vlisco (50 x 50 cm)
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Pia Seidel, Zürich

  • Teamleader Editorial Galaxus
Als Design Cheerleader gehe ich aufmerksam durch die Welt und konsumiere Kunst, Design und Mode wie Süssigkeiten. Besonders liebe ich es auf Reisen in die Magie neuer Orte einzutauchen sowie Trends auf Messen oder den Strassen aufzuspüren. Im Alltag erfreue ich mich an der Gestaltung meiner eigenen vier Wände und Podcasts.

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