Windows-Neuinstallation: Wenn nichts mehr geht, hilft Rufus

Windows-Neuinstallation: Wenn nichts mehr geht, hilft Rufus

Martin Jud
Zürich, am 12.03.2019
Die «Zurücksetz-Funktion» in Windows bringt Freude, denn damit kann dein PC ohne Aufwand schnell in den Auslieferungszustand gebracht werden. Zumindest, wenn die Funktion nicht spinnt. Manchmal bringt sie dich gar zur Weissglut.

Vergangenes Wochenende war mal wieder bestes Gaming-Wetter. Eigentlich wollte ich mir endlich das neue «Metro Exodus» geben, doch ich blieb bereits am Samstag bei der überarbeiteten Version von «Diablo» hängen. Ich metzelte mich im Multiplayer-Modus über Stunden immer tiefer Richtung Lord of Hellfire und genoss es, dies mit einem potenten Gamer-Notebook zu tun. Zwar würde für dieses Game auch ein Pentium aus den 90ern genügen, doch wenn ein 3200-Franken-Notebook rumliegt, sage ich nicht nein.

Teures, aber schönes Gaming-Vergnügen: *Razer Blade 15**
placeholder

placeholder

Bloss doof, dass mir dieses Notebook nicht gehört und ich es lediglich für ein Review habe. Heute muss ich es zurückgeben – also bewaffne ich mich mit Desinfektionsmittel, Bildschirmreiniger und Küchenpapier. Allerdings komme ich erstmal nicht dazu, das Notebook von seiner Patina zu befreien. Denn davor versuche ich das Razer Blade in den Auslieferungszustand zurückzusetzen, und scheitere kläglich.

Normalerweise klicke ich in den Systemeinstellungen auf «Diesen PC zurücksetzen» und nach wenigen weiteren Klicks erledigt Windows alles selbstständig für mich. Doch in diesem Fall klappt das nicht, wie du auf dem Titelbild erkennst. Ein wunderschöner Bluescreen lacht mir entgegen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so einen jemals wieder antreffen würde. Auch ein zweiter sowie dritter Versuch inklusive Laufwerk-Bereinigungs-Option (Formatierung) klappen nicht.

Auch das «Media Creation Tool» streikt

Gut, dass man Windows auch komplett neu installieren kann und Microsoft ein eigenes Tool dafür bereitstellt. Mit dem «Media Creation Tool» kann ich mir ein aktuelles Windows-Image ziehen und damit einen bootfähigen USB-Stick erstellen. Dazu starte ich das Tool, nehme die Lizenzbedingungen an und klicke auf «Installationsmedien für einen anderen PC erstellen». Danach werde ich gefragt, ob ich einen USB-Speicherstick erstellen, oder nur das Image zum späteren Brennen auf DVD laden möchte. Beim Erstellen des bootfähigen Sticks benötigt es übrigens einen mit mindestens 8 GB Speicherplatz.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Tja, Murphy's Law lässt grüssen. Auch dieser Versuch endet mit einer Fehlermeldung. Ich kratze mich fragend am Kopf, verdrehe die Augen und beisse innerlich in die Tischkante. Was soll der Mist? Soll ich mir den Fehlercode «0x80070002 - 0xA001A» tatsächlich notieren und den Kundendienst anrufen?

Natürlich tue ich mir das nicht an. Alles ist besser, als in einer Support-Warteschleife zu hängen und nach gefühlten Stunden mit etwas Glück einen Hinweis zur Problemlösung zu erhalten. Abgesehen davon möchte ich die armen Support-Mitarbeitenden auch nicht mit meiner schlechten Laune anstecken. Die haben auch ohne mich bereits einen harten Alltag.

Ein Hoch auf Open Source: Rufus

Was kommerzielle Software nicht hinbiegen kann, soll Open Source richten. Eine gute Idee, wie sich herausstellt.

Erneut starte ich das «Media Creation Tool» von Microsoft. Allerdings ziehe ich diesmal lediglich das Windows-Image.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Anstelle von «USB-Speicherstick» wähle ich diesmal «ISO-Datei». Danach gebe ich den Speicherort an und warte, bis das Image auf dem Computer liegt.

Als nächstes ziehe ich mir die Open-Source-Software Rufus. Diese kann zum Erstellen beliebiger Boot-Sticks verwendet werden.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Ich starte das Programm, wähle unter «Laufwerk» den korrekten USB-Stick, öffne unter «Auswahl» das zuvor abgespeicherte Windows-Image (.iso-Datei), belasse das Partitionsschema bei «GPT» und wechsle das Dateisystem in «NTFS». Danach klicke ich auf Start und bestätige, dass ich mir bewusst bin, dass sämtliche Daten auf dem Stick gelöscht werden.

Einige Minuten später ist der bootfähige Stick fertig.

Neuinstallation

Nun muss der Computer ab dem Bootstick gestartet werden. Dazu gehe ich in die Wiederherstellungs-Option von Windows (Windows-Taste drücken, «Wiederherstellen» eintippen und anklicken) und klicke unter «Erweiterter Start» auf «Jetzt neu starten».

Sollte dein Windows so zerschossen sein, dass du nicht mehr reinkommst, musst du die Bootreihenfolge in deinem BIOS von Hand umstellen, um ab dem Stick zu starten. Dazu drückst du beim Systemstart je nach Hersteller F2, F8, F10 oder Delete (Entf), um ins BIOS zu gelangen. In älteren BIOS-Systemen kannst du unter dem Punkt «Boot Device Priority» den USB-Port als «1st Boot Device» definieren. Hast du ein UEFI-BIOS, findest du die Option «Boot Priority» meist auf der Übersichtsseite.
keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Nach einigen Sekunden werde ich aufgefordert eine Option auszuwählen. Ich klicke auf «Ein Gerät verwenden» und wähle danach «UEFI: Generic Flash». Nun bootet der Computer ab dem Stick und startet die Windows-Installation.

Zum Neuaufsetzen gehe ich wie folgt vor:

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
  1. Ich wähle die gewünschte Installationssprache, Zeit- und Währungsformat sowie das korrekte Tastaturlayout. Dann klicke ich auf «Weiter» und im folgenden Fenster auf «Jetzt installieren». Danach akzeptiere ich die Lizenzbedingungen und klicke nochmal auf «Weiter».
keine Informationen über dieses Bild verfügbar
  1. Ich wähle «Benutzerdefiniert».
keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Erklärung zu den Partitionen: Nun sehe ich sämtliche Partitionen meines Systems. Die ersten drei Partitionen (Recovery, System und MSR) werden bei Neuinstallation jeweils von Windows automatisch angelegt. Die Recovery-Partition enthält Daten, auf welche Windows beim Zurücksetzen zugreift. Auf der System-Partition liegen Bootdateien, welche für den Start von Windows erforderlich sind. Die MSR-Partition wird von UEFI-Systemen verwendet und enthält Informationen zu anderen Partitionen. Auf der vierten Partition liegen die momentane Version von Windows und sämtliche installierten Dateien. Die fünfte Partition wurde vom Hersteller des Notebooks angelegt und enthält fürs Zurücksetzen Treiber und Software von Razer.

  1. Jetzt ist es an der Zeit, die vorliegende Installation platt zu machen. Ich entscheide mich, alle Partitionen zu löschen und allfällig fehlende Treiber oder Software von Razer nach der Neuinstallation von Hand zu installieren. Solltest du mehr als ein Laufwerk haben, achte bitte darauf, nur bei «Laufwerk 0» (System-SSD oder -HDD) Änderungen vorzunehmen. Markiere nacheinander alle Partitionen und drücke jeweils auf «Löschen».
keine Informationen über dieses Bild verfügbar
  1. Nun gibt es kein zurück, sämtliche Daten sind gelöscht. Ich klicke auf «Neu» und bestätige den folgenden Dialog mit «Ok».
keine Informationen über dieses Bild verfügbar
  1. Jetzt habe ich wieder vier Partitionen. Um die Neuinstallation zu starten, markiere ich die primäre Partition und klicke auf «Weiter».

Bitte denk daran, dass nach Abschluss der Installation herstellerspezifische Treiber und Software von Hand installiert werden müssen. In meinem Fall betrifft es den Grafikkartentreiber und Software für die Tastaturbeleuchtung.

Ich wünsche gutes Gelingen – es lebe Open Source!

40 Personen gefällt dieser Artikel


Martin Jud
Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren