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SportNews & Trends 28

Sportverweigerer

Wille, Ausdauer, Durchhaltevermögen? Das war mal. In letzter Zeit sprengen immer mehr Sportler die Ketten der Leistungsgesellschaft und machen mit skurrilen Abgängen von sich reden.

Das Kabinett der Kuriositäten und Eitelkeiten ist im Sport eigentlich schon voll. Doppeladler, Schutzschwalben, Verletzungen beim Aufwärmen durch ein Schild, das das Aufwärmen untersagt, schmollende Spieler, Verhaftungen auf dem Spielfeld – alles schon dagewesen, alles hat irgendwie mit ungebremstem sportlichem Ehrgeiz zu tun. Und wenn du denkst, da geht nicht mehr, kommt Vontae Davis daher. Besser gesagt: er geht. Kommt nicht wieder. Beendet seine Karriere. Nicht wie üblich unter Tränen in einer eigens anberaumten Pressekonferenz, sondern in der Halbzeitpause des Spiels seiner Buffalo Bills gegen die LA Chargers. Weg war der Footballprofi. Um sich hinterher auf Facebook als Mensch zu erklären.

«…today on the field, reality hit me fast and hard: I shouldn’t be out there anymore.»
Vontae Davis
«Vontae, komm' spielen!» Davis (links) mit Sean Smith 2011 im Trikot der Miami Dolphins.
Wikimedia Commons/Chris J. Nelson

Die ehemaligen Mitspieler schütteln den Kopf, doch der Mann ist mit sich im Reinen. Geschenkt. Es sei ihm gegönnt. Und ich würde auch keine weiteren Worte darüber verlieren, wenn mich nicht langsam das Gefühl beschleichen würde, dass der sehr spontane Abgang diesen Sommer fast schon ein Trend ist.

Hakuna Matata? Nicht für Thamsanqa Gabuza.

Thamsanqa Gabuza von den Orlando Pirates aus Südafrika hatte in den letzten Jahren nicht wahnsinnig viel zu jubeln. Acht Tore in fünf Jahren sind überschaubar für einen Spieler aus der Fachabteilung Sturm. Entsprechend viel Spott muss er von den Fans ertragen, wenn mal wieder ein Schuss daneben geht. Doch dann wendet sich das Blatt. Gabuza bringt den Ball nach innen, ein Gegner stakst ihn ins Tor. Gut, kein eigener Treffer, aber immerhin fast. Eine Befreiung. Und ein Gefühl, das raus muss: IHR KÖNNT MICH ALLE MAL!!! Ein paar obszöne Gesten und Schubser später ist er schneller weg, als du Thamsanqa Gabuza buchstabieren kannst.

Leider ist die Aktion nicht ganz zu Ende gedacht. Gabuza sitzt also in der Kabine. Und jetzt? Sein Team muss mit zehn Mann weiterspielen. Denn ein Spieler, der nicht da ist, kann auch nicht ausgewechselt werden. Als ihn in der zweiten Halbzeit doch langsam Reue beschleicht, ist es zu spät. Er erscheint mit Knieverband und leidendem Blick, doch der Referee schickt ihn mit Gelb-Rot gleich wieder in die Kabine zurück. Dafür ist die Welt um eine herzzerreissende Entschuldigung inklusive spontaner Wiedereingliederung ins Team reicher.

Die Hauptrolle in «Der mit dem Gong geht»

Curtis Harper wird für’s Zuschlagen und Einstecken bezahlt, nur seiner Meinung nach eben zu schlecht. Während (Ex-)Boxer wie Floyd «Money» Mayweather das Geld in Säcken durch die Gegend schleppen und auch mal dreistellige Millionengagen kassieren, hält Harper die Birne für Kleingeld hin. Besser gesagt: hielt. Kaum hatte am 24. August sein Schwergewichtskampf gegen Efe Ajagba begonnen, war Harper auch schon wieder weg. Er trat den Rückwärtsgang an, stieg aus dem Ring und kam auch nicht wieder. Jetzt ist er berühmt.

Harpers Erklärung für seine spontane Verweigerung: Er habe noch nicht einmal einen unterschriebenen Kampfvertrag gehabt. «Ich dachte, ich muss es tun. Für mich und all die anderen Boxer, die respektlos behandelt und verarscht werden», sagte er dem Spiegel. Schnief. Ob und was der blitzsaubere Profi-Kampfrekord seines Gegners damit zu tun hatte? Das weiss nur er selbst. Fünf Kämpfe, fünf K.O.-Siege in der ersten Runde sprechen für sich, der Arbeitstag des Curtis Harper wäre wahrscheinlich nicht viel länger, aber deutlich schmerzhafter geworden.

So musste er nicht auf die Bretter, ich bin allerdings etwas niedergeschlagen. Was ist das für eine Berufsauffassung? Ich meine, ich kann ja auch nicht einfach mitten im Satz

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Michael Restin, Zürich

  • Editor
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

2 Kommentare

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Es gelten die Community-Bedingungen.

User Ramon Schneider

Michael? Wo bist du?

19.09.2018
User Michael Restin

today at the office, reality hit me fast and hard...

19.09.2018
Antworten