Masken schützen nur bedingt vor dem Coronavirus

Masken schützen nur bedingt vor dem Coronavirus

Spektrum der Wissenschaft
Heidelberg, am 29.02.2020
Viren wie 2019-nCoV können Einweg-Masken, die Mund und Nase bedecken, leicht überwinden. Zwei andere Maßnahmen schützen viel besser. Auch gegen andere Erreger wie Grippe.

In Asien gehören sie besonders in der Grippesaison zum Straßenbild, in Europa sieht man sie bisher fast nur in Kliniken und Arztpraxen: Einweg-Gesichtsmasken, die Mund und Nase bedecken. Nun aber, nach der ersten Infektion durch das neue Coronavirus in Deutschland, denken immer mehr Menschen darüber nach, sich auf diese Weise vor Ansteckung zu schützen.

Doch man darf die Schutzwirkung der Masken nicht überschätzen. Beim Atmen geht der Luftstrom keineswegs komplett durch den Filter, sondern zu einem beträchtlichen Teil durch die Lücken zwischen Maske und Gesicht. Gleichzeitig wälzt sich die Wolke aus Schleim und Flüssigkeit nach einem Nieser oder Huster bis zu 2,5 Meter weit durch die Luft.

Was das für die Schutzwirkung der Masken konkret bedeutet, hat 2011 eine Arbeitsgruppe um Alvin Lai von der City University of Hong Kong untersucht. Wie sie im Journal of the Royal Society Interface berichtet, hängt es von mehreren Faktoren ab, wie viel man trotz Maske davon abkriegt.

Punktsieg für Panzertape

Welche Parameter die Schutzwirkung beeinflussen, untersuchte sie an körperwarmen, mit Hilfe von Kompressoren »atmenden« Puppen. Als wichtigster Faktor erwies sich dabei die Entfernung zum Übeltäter; daneben spielen Heftigkeit und die Dauer eines Niesens eine Rolle, ob der unfreiwillige Empfänger gerade ein- oder ausatmet und nicht zuletzt, wie dicht die Maske am Gesicht abschließt.

Erwartungsgemäß schützten mit Klebeband ringsum versiegelte Masken nahezu vollständig vor feinsten Partikeln. Ein klarer Punktsieg für Panzertape, allerdings im Alltag für die meisten Menschen nicht allzu praktikabel. Bei »normaler« Tragetechnik, die einige Lücken offen lässt, ist der Schutz durch die Maske deutlich geringer.

Ist man in 30 Zentimeter Abstand einem Niesen ausgesetzt, erreichen zwei Drittel der infektiösen Partikel um die Maske herum die Schleimhäute von Mund und Nase. Als Gegenüber eines normal ausatmenden Erkälteten atmet man als Maskenträger immer noch die Hälfte der Keime ein.

Was außerdem hilft

Zudem ist die Entfernung zum Gegenüber maßgeblich: 60 statt 30 Zentimeter reduzierten die ankommenden Partikel auf wenige Prozent. Abstand zu halten schützt jedoch grundsätzlich vor Ansteckung, ob mit Maske oder ohne.

Ganz sinnlos ist der Mundschutz aber nicht, denn Erkrankte können mit ihm sehr effektiv verhindern, dass sie die ansteckenden Tröpfchen versprühen. Nicht Infizierten bietet er ebenfalls zumindest teilweise Schutz, auch wenn er nur einen kleinen Teil der virushaltigen Tropfen abwehrt. Etwas anderes hält die Maske dafür sehr effektiv ab: Finger.

Wer Maske trägt, fasst sich viel seltener an Mund oder Nase und reduziert damit die Gefahr einer Schmierinfektion. Denn nicht nur die in der Luft herumfliegenden Tropfen bergen ein Ansteckungsrisiko, sondern auch Viren, die an Gegenständen haften. Irgendwo landen die Nieströpfchen schließlich. Besonders an öffentlichen Orten ist die Gefahr hoch, alle Arten von Erregern an die Finger zu bekommen: Coronaviren, aber auch Grippeviren oder Fäkalbakterien.

Deswegen bieten die Masken durchaus einen zwar begrenzten, aber realen Schutz vor 2019-nCoV. Allerdings gibt es einen viel effektiveren Weg, dem Coronavirus und allen anderen Krankheitserregern von Brechdurchfall bis Beulenpest diesen Infektionsweg abzuschneiden: Hände waschen, regelmäßig und gründlich.

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