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RetroMeinung 04

Brockis sind mein Schlaraffenland

Ich liebe es, in Brockis zu stöbern. Überall gibt es etwas zu entdecken, jedes Stück hat seine Geschichte. Und sogar der muffige Geruch hat seinen Charme.

Es duftet ein wenig wie im Keller. Wie wenn dort alte Kleider, Spielzeuge und kleinere Möbel zwischengelagert werden, bevor sie entweder in den Händen von Nachkommen oder auf dem Müll landen. Es riecht etwas muffig, aber auch vertraut und gemütlich. Kein Duft von Plastik und Industrie. Die ganzen Gegenstände hier haben ein Leben hinter sich und das äussert sich nun mal im Geruch.

Hier läuft die Uhr langsamer

In jeder Ecke einer Brockenstube gibt es etwas zu entdecken. Geschirr aus Grossmutters Zeiten, CDs aus den 90ern oder auch aktuelle Bücher. Oftmals bin ich mir nicht ganz sicher, ob Dinge zum Verkauf stehen oder doch zum Inventar gehören. Stundenlang kann ich mich zwischen den teils vollgestopften Regalen aufhalten und nach kleinen Schätzen suchen, die jemand nicht mehr will. Diese Zeit muss ich mir auch nehmen, da ganz vieles nicht meinem Geschmack entspricht. Aber auch das ist Teil des Charmes. Die Besuche in der Brocki entschleunigen mich regelrecht.

Denn im Gegensatz zum Stress und Gewimmel in grossen Mode- oder Möbelhäusern, hat im Brocki jeder die Ruhe weg. Auch die Verkäufer. Kurze Gespräche mit Kunden sind keine Seltenheit. Man kennt sich halt. Das hat zur Folge, dass ich auch einmal ein paar Minuten warten muss, bis die netten Damen vor mir fertig gequatscht haben. Aber das ist in Ordnung, beim Anstehen entdecke ich meist noch zig andere Dinge zum Bestaunen.

Gutes tun zum kleinen Preis

Aber nicht nur allerlei Kurioses bringt mich zum Schwärmen, sondern eben vor allem auch die Dinge, die ich mir dann wirklich kaufe. Die Kleider sind nicht ausschliesslich "Made in Bangladesh", sondern eben auch oft aus Europa. Stell dir vor, wie viele Jahre die schon auf dem Buckel haben müssen! Die alten Holzmöbel sind richtig robust gebaut und nicht ausschliesslich per Innensechskant montierbar. Ausserdem finde ich immer wieder Gegenstände zum Upcyclen oder Zweckentfremden. Aus einer Kiste habe ich mir eine Art Bar gebaut, auf alten Weinkisten drapiere ich meine Topfblumen. Alle meine Brockikäufe sind hochwertig, waren aber spottbillig. Wer da nicht glücklich aus dem Laden kommt, ist selber schuld.

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Ich freue mich aber nicht nur, weil ich gerade günstig eingekauft habe, sondern auch, weil ich das Gefühl habe, etwas Gutes zu tun. Dinge bleiben im Umlauf, anstatt wegeschmissen zu werden. Dadurch kaufe ich weniger neue Ware ein, die am anderen Ende der Welt unter bescheidenen Bedingungen hergestellt wird. Es mag ein Tropfen auf dem heissen Stein sein, aber ganz viele Tröpfchen ergeben irgendwann eine Flut. Und an dieser ein wenig beteiligt zu sein, ist ein schöner Gedanke und das i-Tüpfelchen meiner Brocki-Besuche.

Hach, ich freue mich jetzt schon wieder auf den nächsten Ausflug in die Welt modriger Gerüche, kuriosem Schnickschnack und wunderschöner Einzelstücke.

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Carolin Teufelberger, Zürich

  • Junior Editor
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Dinge kennenzulernen und zu erlernen. Neue Erfahrungen lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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